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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Zuhause bei Erobique im Studio Carsten Meyer im Interview

Ganz schön bunt und voll ist es im Studio von Carsten Meyer alias Erobique. Ein leuchtender Globus, Grünzeug neben dem Klavier, unzählige Instrumente und sogar eine Couchecke, wo wir es uns mal direkt gemütlich machen. Noch schnell die Zigarette anzünden und dann geht's los.

Erobique | Bildquelle: Erobique

Bildquelle: Erobique

Erobique - ein Portrait

"Irgendwas passiert auf jeden Fall"

SWEET SPOT: Du hast ein sehr spannendes Studio, da gibt es ganz schön viel zu entdecken! Arbeitest du gerne im kreativen Chaos?

Carsten: Ich habe das mittlerweile recht streng getrennt: Ein Musikstudio, in dem sich wahnsinnig viel befindet und ein bisschen Kuddelmuddel ist, und eine Wohnung, in der fast nur weiße Wände sind und das Nötigste an Möbeln. Aber ich finde, beim Musikmachen inspiriert einen das recht gut. Es hört sich total dämlich an, aber ich sitze da am Klavier und spiele manchmal bei Diskostücken immer die gleichen zwei Akkorde über zehn Minuten und dann bin ich froh, wenn ich was zu gucken habe - ein Wildschwein an der Wand oder ein Pferd oder ein Cowboy.

SWEET SPOT: Wann bist du Erobique und wann bist du Carsten Meyer?

Carsten: Das lässt sich ganz klar einrahmen. Wenn ich alleine auf der Bühne stehe, mit meinem Sampler und Keyboard und Diskomusik mache, dann bin ich Erobique. Ansonsten bin ich Carsten Meyer.

SWEET SPOT: Gibt es Dinge, die du dich nur als Erobique traust, aber nicht als Carsten Meyer?

Erobique | Bildquelle: Yvonne Schmedemann Carsten Meyer aka Erobique | Bildquelle: Yvonne Schmedemann Carsten: Das ist ein bisschen wie eine Mutprobe. Ich habe als Erobique auf der Bühne so viele technische Pannen gehabt. Das Schlimmste bzw. das Lustigste ist mir in München passiert, im Atomic Café. Da hat der Sampler nicht funktioniert, das heißt, ich hatte wirklich nur ein Klavier. Und ich habe dann die Speisekarte von irgendeinem Restaurant um die Ecke vorgelesen und dann kam noch so ein Typ. Der ist da zufällig gelandet und wollte mich zu einem Battle herausfordern, weil er das total absurd fand, dass ich da nur mit einem Klavier stehe. Als Erobique ist es ein bisschen so, als wenn man unverwundbar wäre. Man geht auf die Bühne und man weiß, selbst wenn alles schief geht, irgendetwas passiert auf jeden Fall.

SWEET SPOT: Welche Musik prägt dich eigentlich?

Carsten: Das Tolle ist, dass es nicht aufhört. Einflüsse können alles sein, ein doofes Ding aus dem Radio, was man im Taxi auf dem Weg zum Bahnhof hört, wo die Melodie oder ein Instrument einfach toll ist. Aus irgendeinem Grund habe ich schon früh eine Liebe zu afroamerikanischer Musik entwickelt. Was bei Rock'n'Roll anfängt, über Jazz, Soul, Blues bis hin zum Hip Hop und Techno. Diese jungen Hip Hopper, die da gerade ankommen, Tyler the Creator, die hauen mich um. Die Entdeckungsfreude bei mir ist so groß wie eh und je. Eigentlich so, wie als ich mit 14 Jahren das erste Mal alle Beatles-Platten von meinem Onkel als Kassette bekommen habe.

Erobique beim Big Harry Festival in München

10. März 2018
Line Up

  • MEUTE
  • Brandt Brauer Frick
  • Erobique
  • Jazzrausch Bigband
  • elektro guzzi
  • Verworner Kraus Kammerorchester
  • Komfortrauschen
  • Leo Betzl Trio
  • COEO
  • VELI x VIWO

Muffathalle München, Einlass: 20Uhr / Beginn: 21Uhr / VVK € 26 zzgl.Gebühren / Tickets hier

SWEET SPOT: Du machst sehr viele unterschiedliche Dinge und wirkst oft wie ein Alleskönner. Bist du auch schon mal an Grenzen gestoßen?

Carsten: Ja, aber eigentlich darf es keine Grenzen geben. Von den Schauspielern am Theater habe ich einen tollen Satz gelernt: Die sagen nicht, ich kann das nicht, sondern, ich kann das noch nicht. Ich habe hier alle möglichen Instrumente stehen und ich habe immer Leute bewundert, die sich an allem probieren. Manchmal reicht es auch nur zwei Töne aus einem Instrument herauszukriegen. Denn wenn Leute 2 Millionen Töne spielen können, dann nerven die eigentlich auch nur noch mit ihrem Gedudel. Bei mir ist es so, ich kann recht flüssig und gut Klavier spielen und alles, was ich gerade mache, ist, mich zu reduzieren. Nur drei Töne spielen, da habe ich gerade wieder richtig Freude dran. Da war ich mir früher zu fein für.

SWEET SPOT: Hast du so etwas wie ein Motto, das du den Menschen mitgeben willst?

Carsten: Ich finde das eigentlich total schrecklich, wenn man so messianisch unterwegs ist. Aber ich habe dieses Studio und das ist recht offen und es kommen viele Leute vorbei und ich bin mir sicherer denn je, dass jeder irgendwie Musik machen kann. Viele Leute haben einfach Freude daran und finden ihren Seelenfrieden, wenn sie ein bisschen auf der Gitarre herumklimpern und man kann sie nur ermutigen. Man muss keinen Unterricht haben, man muss keine Noten lesen können, um Musik zu machen.

Sendung: "U21 - Deine Szene. Deine Musik" am 26. Februar 2018, 21:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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