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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

04.05.2016 Mrs. Technokreisel: Myriam Bleau bei frameless

Myriam Bleau | Bildquelle: Myriam Bleau

Bildquelle: Myriam Bleau

Stell Dir vor, Du hast einen alten Kinderkreisel aus Blech: Du schiebst den Stab mit so viel Kraft wie bei einer Fahrradpumpe nach Unten – das Ding beginnt sich zu drehen und Musik auszuspucken. Oder Du hast einen anständigen DJ-Plattenspieler: Du legst eine Platte auf, beschleunigst sie, bremst ihre Geschwindigkeit, vielleicht drehst Du sogar rückwärts – das gibt verrückte Sounds: Es pocht, es knackt, es rumpelt und Gesang ist nicht mehr zu verstehen.

Die Kanadierin Myriam Bleau aus Montréal reist mit einer Kombination aus beidem: Acrylglasscheiben in Schallplattengröße sind die Kreisel, sie nennt sie "Soft Revolvers". In der Mitte ist kein Stab zum Drücken, dafür ein bisschen Elektronik, die Geschwindigkeit, Lage im Raum und Kollisionen erfasst. Vier solcher Objekte triggern per W-Lan ein Audioprogramm auf dem Rechner. Das sieht so aus, als hätte jeder der Technokreisel ein bisschen Musik an Bord, die nur durch die  Bewegung hervorgelockt werden kann. Und Licht machen sie auch noch!

Das ist ein bisschen Sport für die Künstlerin, eine coole Klanginstallation und ziemlich spuliger House für die Tanzfläche ... oder zumindest zum Kopfnicken.

"They just do their thing"

Die machen ihre Sache ganz alleine, sagt Jonáš Gruska aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Er meint kleine Klanggeneratoren, die er im Raum verteilt hat und die einmal gestartet, vor sich hinarbeiten. Seine "Crickets" liefern rhythmische und manchmal recht willkürliche Sounds, je nachdem, wie er sie programmiert hat. Gruska formt am Mischpult nur noch etwas den Klang, er gibt das Heft also fast ganz aus der Hand und lässt die Elektronik machen.

Auch wenn die Technik so vor sich hinarbeitet, klingt sie doch ganz organisch. Aber ein bisschen einlullend ist das Ganze schon.

Wabernde Landschaften

Vor und nach den Konzerten gibt es noch eine Kunst- und Klanginstallation zu bewundern, die "Pleasant Places" von Quayola. Der in London lebende Italiener hat die originalen Orte von Vincent Van Goghs Landschaftsmalereien fotografiert und macht sie zum Schauplatz eines unendlich detaillierten digitalen Bildmorphings. Verbunden mit Ambient-Sounds auf großer Leinwand.

U21 präsentiert frameless, die Münchner "Reihe zu experimenteller Musik im digitalen Zeitalter". Wer sich drauf einlässt, wird ganz sicher belohnt.

Info

frameless 07
Mittwoch, 4. Mai 2016
Beginn 20.00 Uhr
Einlass 19.30 Uhr, Eintritt frei
MUG / Einstein Kultur
Einsteinstrasse 42, 81675 München

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