BR-KLASSIK

Inhalt

SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

SWEET SPOT Radio Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Zu spät für abertausende Verfolgte, die in Auschwitz und weiteren Lagern ums Leben kamen. Viele Musikerinnen und Musiker waren darunter. Ihren Klänge wollen wir genau zuhören und sie in die Zukunft tragen. Dafür sprechen wir mit Pianistin Annika Treutler, die sich auf ihrem aktuellen Album mit Viktor Ullmann beschäftigt.

Annika Treutler | Bildquelle: Annika Treutler

Bildquelle: Annika Treutler

Viktor Ullmann war einer der Komponisten, die bis kurz vor ihrem Tod Musik machten. 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert, trat dort als Pianist auf, schrieb Musikkritiken über das von den Nazis inszenierte und vermeintlich paradiesische Kulturleben im Lager -  und komponierte.
Seine Klaviersonate Nr. 7 begann er nur ein paar Monate vor seinem Tod. Ohne genügend Notenpapier kritzelte Ullmann sämtliche Korrekturen auf dasselbe Blatt Papier. Und dass uns seine letzten Werke überhaupt überliefert sind, liegt an seinen Freunden in Theresienstadt. Ullmann vertraute ihnen seine Werke an, bevor er nach Auschwitz deportiert und vergast wurde.

Die Pianistin Annika Treutler widmet sich auf ihrem aktuellen Album den Werken Ullmanns. Seine Klaviersonate Nr. 3 hat sie schon mit 17 kennengelernt. Das Klavierkonzert hatte sie schon mal gehört, aber nie gespielt. Annika war gefesselt von der Strahlkraft dieser Musik, von ihrer Stärke, schreckliche Erlebnisse ins Positive zu kehren. Und so kam schnell die Idee auf, ein Porträt vom Österreicher Viktor Ullmann zu zeichnen. Von einem Komponisten, der nicht nur brutale Erlebnisse in der Musik verarbeitet, sondern auch die schönsten Erinnerungen und Hoffnungen.

Wir kommen nicht in der Funktion als Musiker, sondern als Menschen.
Annika Treutler

Aber: Ullmanns Musik aus der Versenkung zu holen – das reicht der Pianistin Annika Treutler nicht. Letztes Jahr hat sie das Education-Projekt respondinmusic ins Leben gerufen, um den Dialog mit Jugendlichen zu suchen und sie mit unserer Geschichte zu konfrontieren.
Ihre Mitstreiter: Sopranistin Sarah Aristidou, Klarinettist Pablo Barragán und Cellist Alexej Stadler. Zusammen gehen sie in Schulen, spielen Musik, die während des zweiten Weltkriegs entstanden ist, erzählen von ihren verschiedenen Herkünften, überlegen mit den Schülerinnen und Schülern, wie sich unsere Gesellschaft gestalten lässt. Und damit haben sie tief berührende und unvergessliche Momente geschaffen. Konzerte anders zu gestalten, kann sich Annika gar nicht mehr vorstellen.

SWEET SPOT zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 25. Januar 2021 gedenkt SWEET SPOT zusammen mit der Pianistin Annika Treutler der Opfer des Nationalsozialismus - von 21:05 Uhr bis 23:00 Uhr. Es moderieren Annekatrin Hentschel und Henrik Oerding.

SWEET SPOT auf Instagram
Unsere Sendungen als Podcast

    AV-Player