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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Album des Monats November Kaleidoscope String Quartet

Streichquartette gibt's jetzt schon einige 100 Jahre. Es müssen aber nicht immer die alten Meister sein. Auch die Musik von heute macht sich auf diesen vier Instrumenten ganz wunderbar, wie das Kaleidoskope String Quartett auf seinem neuen Album zeigt.

Kaleidoscope String Quartet | Bildquelle: Kaleidoscope String Quartet

Bildquelle: Kaleidoscope String Quartet

Das Kaleidoscope String Quartet, kurz KSQ, spielt nicht unüberlegt drauf los. Das verrät auch schon der Titel: "Reflections" heißt ihr neues Album. Neu ist vor allem, dass sie nicht nur Eigenkompositionen aufgenommen haben, sondern auch Auftragswerke von befreundeten Musikern.

Band oder Quartett?

"Wir reflektieren in jenen neuen Stücken, die nun nicht mehr von mir oder David Schnee (Bratsche, Anm. d. Red.) sind, unseren Weg, den wir in den letzten Jahren als Band gegangen sind," sagt Simon Heggendorn, Geiger der Band. Moment. Band? Ja, sie verstehen sich so, auch wenn sie als klassische Streichquartett-Formation auftreten.

"Es geht uns darum, Interaktion und Spontaneität musikalisch zu leben." so Simon. Wenn man sie so hört, begreift man auch, warum diese Formation noch nicht aus der Mode gekommen ist: die vier Musiker hören sich manchmal so homogen an wie ein einziges Instrument, dann wieder wie ein Urwald an Geräuschen und Tönen.

"Die grundsätzliche Idee ist, unterschiedliche Stile, die uns geprägt haben, in unsere eigene Klangsprache zu überführen", beschreibt Simon den Geist hinter KSQ.

Im Hier und Jetzt

Die Stücke auf "Reflections" treffen den Nerv der Zeit – sie klingen mal rockig und groovy, mal sphärisch, mal beschwingt. So zum Beispiel in "Introspection", geschrieben von David. Da geht der Blick merklich ins Innere: Singt zuerst noch eine einsame Geigenkantilene, schaltet sich bald eine zweite Stimme improvisierend dazu. Sind das Selbstgespräche oder ein Dialog?

"Gospodine Marquis" dagegen sprüht nur so vor Witz und Ironie. Als Zuhörer will man es sich gerade in bekannten Walzermelodien bequem machen, da gerät man plötzlich aus dem Takt oder die Geige grätscht mit einem schrillen Ton dazwischen.

Meditativen Charakter hat "Modul 17" und im Kontrast dazu tanzt in "Cthulhus' Dance" eine Computerspiel-Figur wild und ausgelassen. Eine schummrige, verrauchte Kneipe ist vielleicht das passende Szenario für "Simlpy that". Dann wieder schaukelt sich das Quartett bei "Alles Walzer" in wahnwitzigem Tempo durch alle möglichen Stile, Farben und Ebenen.

Die vier Musiker nehmen den Zuhörer mit auf ihrer Suche nach Klängen, Farben, Düften. Und ihr Weg führt dabei nicht immer geradeaus auf einer Teerstraße, sondern schlängelt sich oft durch unerforschte Landschaften. "Reflections" vom Kaleidoscope String Quartet ist auf jeden Fall eine musikalische Reise wert.

CD-Info

Kaleidoscope String Quartet
Reflections
Label Traumton

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