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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Album des Monats Februar Ksenija Sidorova "Piazzolla Reflections"

Mit zwölf Jahren hat Ksenija Sidorova die Musik des argentinischen Tango-Meisters Astor Piazzolla kennengelernt. Auf ihrem neuen Album will sie seine musikalischen Ideen feiern und holt sich dafür auch neue Akkordeon-Stücke ins Boot. Klingt nach einem willkürlichen Mix? Nein, eher nach einer Überraschung!

Ksenija Sidorova | Bildquelle: © Dario Acosta

Bildquelle: © Dario Acosta

"Manche Träume brauchen ihre Zeit, um wahr zu werden", sagt Ksenija Sidorova. "Ich habe mich immer wie zu Hause gefühlt, wenn ich die Musik von Astor Piazzolla gespielt habe." Gerade ist Ksenija – wie wir alle – auch viel zu Hause. Große Konzerte kann die lettische Akkordeonistin zurzeit selbstverständlich nicht geben. Umso schöner ist es, dass ihr Traum jetzt in Erfüllung gegangen ist: Ein Album mit Musik von Piazzolla aufzunehmen.

Tanz und Melancholie

Kurz nachdem die kleine Ksenija mit zwölf Jahren Piazzollas Stück "Libertango" zum ersten Mal hörte, fiel ihre Entscheidung: Ich will Akkordeonistin werden. Zwei Jahrzehnte später, nach erfolgreichem Studium in London und einer Bilderbuchkarriere, nimmt Ksenija dieses Stück endlich selbst auf einer Platte auf: Sie legt genau die richtige Dosis Melancholie in die sanften Töne ihres Akkordeons, um gleich im nächsten Moment mit den Streichern des BBC National Orchestra of Wales um die Wette zu tanzen. Auch mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter Thomas Hengelbrock hat Ksenija Sidorova zusammengearbeitet. Den Großteil des Albums bilden aber kammermusikalische Begegnungen mit befreundeten Musikern. Denn es mischen sich Streichquartett, Solovioline, Kontrabass, Klavier und Gitarre mit Ksenijas Akkordeonklängen.

Diese Musik ist süß, sauer und bitter zugleich!
Ksenija Sidorova

Ksenija Sidorova "Piazzolla Reflections" | Bildquelle: Alpha Bildquelle: Alpha Wo Piazzolla draufsteht, ist aber bei Weitem nicht nur Piazzolla drinnen: Ksenija Sidorova will die Ideen dieses Komponisten feiern, indem sie ihm neue Akkordeon-Stücke wie ein Spiegelbild gegenüberstellt - Piazzolla Reflections eben. Da gibt es Komponisten wie den Franzosen Franck Angelis, der aus einem musikalischen Thema von Piazzolla eine ganze Fantasie spinnt. Andere Stücke auf dem Album stehen für sich und haben keinen direkten Bezug zu Piazzollas Werken - könnte man meinen!
Aber durch diese neue Zusammenstellung wirken diese Einspielungen fast so, als würden alle aus einer Feder stammen. Sogar der Altmeister Bach ploppt für einen kurzen Moment auf und schmiegt sich durchs Ksenijas Spielweise sanft an das nächste zeitgenössische Stück vom russischen Komponisten Sergey Akhunov an. Denn nicht nur die argentinische Musik kann Melancholie in Töne übersetzen: Das können die Russen genauso gut, meint Ksenija, die selbst russische Wurzeln hat.

Warum nochmal Piazzolla?

In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Piazzolla-Trend: So viele Musikerinnen und Musiker haben die Musik des Argentiniers für sich entdeckt und ihr einen eigenen Anstrich verpasst. Was macht also Ksenijas Neuinterpretation so besonders? Ksenija Sidorova zeigt durch den Mix von Piazzollas Stücken mit Werken anderer Komponisten, dass sie als klassische Musikerin nicht stehen bleibt, sondern neue Perspektiven einnimmt. Außerdem schafft sie es, einen zusammenhängenden Klang für diese Stücke zu finden: sei es als Solistin im Orchester oder als Leaderin in kleinerer Besetzung. Dabei spielt sie ihren Mitstreitern die musikalischen Ideen so abwechslungsreich zu, dass die Zeit beim Zuhören wie im Nu verfliegt.

Album-Infos

"Piazzolla Reflections"
Ksenija Sidorova, Akkordeon
Label: Alpha Classics

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