BR-KLASSIK

Inhalt

SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Lorenz Kellhuber "Live At The Montreux Jazz Festival" CD des Monats Januar

Sich ständig wiederholende Rhythmen à la Minimal Music, dazu freie, reichhaltige und irgendwie hippe Harmonien – und schon ist man im Bann dieses jungen Pianisten. Der 27-jährige Jazzer Lorenz Kellhuber hat gerade sein Debüt-Soloalbum “Live At The Montreux Jazz Festival” herausgebracht. Und wir sind hin und weg davon.

Lorenz Kellhuber: Live at the Montreux Jazz Festival | Bildquelle: © Daniel Balmat

Bildquelle: © Daniel Balmat

Ein neuer Stern am Jazz-Piano-Himmel

In Jazzkreisen sorgt Lorenz Kellhuber schon seit ein paar Jahren für Furore. "Wir haben einen neuen Keith Jarrett", jubeln seine Fans. 2014 gewinnt er – als erster deutscher Musiker überhaupt – die "Parmigiani Montreux Jazz Piano Solo Competition". Seither übertreffen sich die Kritiker in Lobeshymnen über den "neuen Stern am Jazz-Piano-Himmel".

Beim Montreux Jazz Festival 2015 entsteht seine erste eigene Solo-Aufnahme: "Live At The Montreux Jazz Festival". Und dieses Album ist, man kann es nicht anders sagen: einsame Spitze.
Die Live-Performance besteht aus drei Teilen mit den überaus trockenen Titeln "Opus 1.1", "Opus 1.2" und "Opus 1.3". Aber versprochen: trocken sind bei dieser Aufnahme wirklich nur die Titel.
Lorenz Kellhuber schaut auf die guten alten Jazztraditionen mit dem frischen Blick eines sensiblen Klangästheten. Ein paar festgelegte Elemente geben Orientierung, aber hauptsächlich bestehen die Stücke aus hervorragenden Spontanimprovisationen. Diese Spielweise ist riskant, aber Lorenz Kellhuber scheint das erst richtig anzuspornen. Die melodischen Erfindungen sind eingängig, fast Song-mäßig – und trotzdem immer wieder überraschend und alles andere als banal. Oft hat man den Eindruck, es gesellen sich noch andere Soloinstrumente dazu, so vielschichtig gestaltet er die Phrasen. Das klingt dann wie Kammermusik, nur eben mit einem Instrumentalisten.

Oscar Peterson war schuld

Lorenz Kellhuber: Live at the Montreux Jazz Festival | Bildquelle: © Daniel Balmat Lorenz Kellhuber beim Montreux Jazz Festival. | Bildquelle: © Daniel Balmat Das kommt nicht von ungefähr, denn als Kind lernt Lorenz Kellhuber neben Klavier auch noch Geige. Seine Eltern, beide Musiker, fördern das Talent ihres Sohnes. Als Jungstudent an der Hochschule für katholische Kirchenmusik in Regensburg schlägt er eine typisch klassische Musikausbildung ein. Bei Mozart, Bach und Beethoven bleibt es aber nicht. "Wir hatten Jazzplatten zu Hause," erzählt Lorenz. "Die habe ich irgendwann angefangen zu hören. Ganz entscheidend war dann mit elf ein Mitschnitt vom Oscar Peterson Trio. Das hat mich so beeindruckt, dass ich für mich beschlossen hab, das will ich mehr und mehr machen." 

Highspeed-Karriere

Schon als Teenager verlässt Lorenz Kellhuber die bayerische Heimat und studiert Jazz Piano am Jazz-Institut Berlin. Später zieht es ihn in die Jazz-Metropole schlechthin. Er will die Vibration von New York City aufsaugen und natürlich von den ganz Großen lernen.
Bei Koryphäen wie Fred Hersch und Aaron Goldberg holt er sich den letzten Schliff. Die musikalische Arbeit zahlt sich aus: Er gewinnt zahlreiche Wettbewerbe, wird 2016 für den ECHO Jazz in der Kategorie "Newcomer des Jahres" nominiert und erhält einen Plattenvertrag beim Label Blackbird Music. Lorenz gründet zwei Jazztrios, eines in Berlin, ein anderes in New York. 2014 wird seine Karriere gekrönt mit dem überragenden Erfolg in Montreux als Solo Pianist, ein Jahr später kommt schon die Debüt-Solo-CD.

CD "Live At The Montreux Jazz Festival"

Lorenz Kellhuber: Live at the Montreux Jazz Festival | Bildquelle: Blackbird Music Bildquelle: Blackbird Music "Opus1.1" pulsiert so richtig eindringlich. Die musikalischen Ideen sprudeln dem Hörer energiegeladen entgegen. "Opus 1.2" dagegen ist lyrischer und zarter, dafür mit noch mehr ausgetüftelter Harmonik. Farbenreiche Klangkonstrukte stellt Lorenz Kellhuber kunstvoll in den Raum, sodass dieses Opus zum Nachdenken anregt.
Im Abschluss dieses dreisätzigen Kunstwerks verschmelzen in "Opus 1.3" Minimal Music Patterns mit völlig freien, modernen Klangwelten.
Zwei absolute Songklassiker interpretiert Lorenz Kellhuber zum Schluss gekonnt als berührende Zugaben: Jimi Hendrix' "Little Wing" und Steve Winwoods "Cant't find my way home". Seinen Weg nach Hause hat Lorenz Kellhuber übrigens bereits gefunden: Seit dem Wintersemester 2015/2016 leitet er das Uni-Jazzorchester in seiner Heimatstadt Regensburg. Und bereitet sich dort hoffentlich auf seine zweite CD vor. Wir können sie nämlich kaum erwarten!

CD Infos

Lorenz Kellhuber
Live At The Montreux Jazz Festival
Blackbird Music

    AV-Player