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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Mein Konzertabend Musicophilia oder doch "gestörte Liebe" zur Musik?

Musicophilia | Bildquelle: Regine Heiland

Bildquelle: Regine Heiland

Dass das diesmal kein "normaler" Konzertbesuch wird, ist mir natürlich klar. Aber das macht doch nichts, denke ich. Mal ein bisschen Horizonterweiterung. Und was soll schon schief gehen bei einer Vorstellung, die den Namen "Musicophilia" trägt – mir also nichts weniger als die "Liebe zur Musik" prophezeit.

Außerdem – so der Programmtext – ist das hier eine preisgekrönte Performance: "eine dramatisch-poetische Reise in das Gehirn" mit unerwarteten Perspektiven, Farben, Choreographien und Klängen. Vorlage ist der Bestseller "Musicophilia" von Oliver Sacks rund um Erkenntnisse der Neurologie in Verbindung mit Musikhören und Musikmachen. Die textliche Bearbeitung stammt vom Bachmannpreisträger Norbert Niemann. Zwei klassische Musiker sind auch noch dabei. Also hey, was soll schon schief gehen?

Und dann passiert genau das: Es geht schief – für mich!

Weil das, wovon der als "singender Klangkörper" angekündigte Schauspieler im weißen Arztkittel erzählt, eine sich immer dramatischer nach oben schraubende Aneinanderreihung von pathologischen Schrecklichkeiten ist. Vergesst den Tinnitus. Richtig hart wird es (und das ist nur ein Beispiel), wenn man ein durch und durch mit Synästhesie geschlagener Mensch ist, der beim Musikhören das Gefühl hat, in Farben zu ersticken.

Und auch die klangliche Performance kann oder will oder darf dem Schreckensszenario nichts entgegensetzen. Cello und Geige liefern die zu den neurologischen Komplikationen passenden Störgeräusche, bleiben im Fragment von Melodien stecken, verlaufen sich – kaum dass bei mir Hoffnung auf ein zusammenhängendes Musikstück aufkommt – in Kakophonie.

Ich bin irritiert. Schließlich genervt, was sicher auch am Typ links neben mir in der Zuschauerreihe liegt, der permanent und ziemlich spooky in meinen Versuch hineinsummt (!), in dieser Performance wenigstens ein bisschen das Wunderbare an der "Liebe zur Musik" zu entdecken. Aber hier geht es um etwas anderes. Hier geht es um die gestörte "Liebe zur Musik".

Nach etwas mehr als einer Stunde ist dann Gott sei Dank Schluss mit dieser Lektion in Krass enttäuschte Erwartungshaltung. Passiert einem ja auch nicht alle Tage. Ist aber ein wirklich blödes Gefühl. Und als ich wieder unter sternenklarem Himmel stehe und auf dem Heimweg über meinen Holzweg nachdenke, wird mir eines jedenfalls klar: meine Musicophilia braucht so schnell wie möglich ein ganz normales Konzert.

Konzertinfos

Musikperformance "Musicophilia" vom Meta Theater, 4./5./6. Februar 2016, Schwere Reiter München

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