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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

25. April & 1. Dezember 2018 U21 präsentiert Nils Frahm in München

Er ist einer der letzten Post-Tschaikowsky-Schüler, Gründer des weltweiten Piano-Days und schreibt preisgekrönte Filmmusik. Nils Frahm kombiniert klassische Klavierklänge mit minimalistischen Synthie-Sounds und alternativen Klängen aller Art. 2018 geht er auf große Welt-Tournee - und bringt außerdem ein neues Album raus.

Nils Frahm | Bildquelle: Alex de Brabant

Bildquelle: Alex de Brabant

Zwischen Klaviatur und Synthesizer

Nils Frahm überzeugt durch seine Zurückhaltung und seine Emotionalität gleichermaßen. Ein Kontrast, der durch den Minimalismus seiner Musik entsteht, die zum einen kontrolliert und zum anderen sehr emotional ist.
Sorgfältig aufgebaute Melodien werden durch harte Synthie-Effekte unterbrochen, Effekte werden gelooped, ein einzelner Ton wird überlang gehalten, manchmal wird sogar an den Saiten der verschiedenen Klaviaturen gezupft. Dieses Hin und Her der Elemente erzeugt eine extreme Spannung und legt tiefe Gefühle offen.

Wer "Victoria" gesehen hat, weiß, welche Klangbilder Nils Frahm hervorrufen kann. Ein Film, der den Zuschauer ohne einen einzigen Schnitt 140 Minuten durch die Berliner Nacht mitnimmt. Ein Film außerdem, der allein durch seine Machart und seine Geschichte so atemberaubend ist, dass man nicht meinen sollte, dass der Soundtrack da noch groß etwas beifügen könnte. Genau das schafft Nils Frahm aber: Spannende Szenen werden noch bedrückender durch wabernde Synthies. Die scheinbare Leichtigkeit des Lebens wird noch schöner durch verspielte Piano-Melodien.

Be(d)rückende Verspieltheit

Nils Frahm beim Spielen | Bildquelle: Alexander Schneider Bildquelle: Alexander Schneider Das ist nicht nur das Besondere an "Victoria", das macht auch ein bisschen das Gesamtwerk des Wahlberliners Frahm aus: Bekannte Klavier-Elemente zu nehmen und trotzdem neue Klänge zu kreieren.
Auch gut zu sehen bei Live-Auftritten: Man weiß durchaus, dass bei seinen Konzerten riesige Türme an Equipment aufgebaut werden: Fender Rhodes, Orgeln, Mikros und Synthies aller Art. Man weiß auch, dass da mit Konventionen gebrochen wird. Vom Einsatz einer Klobürste bis zum mit Tesa-Film modifizierten Instrument kann alles passieren.
Was aber doch immer wieder erstaunlich ist, ist die Schnelligkeit mit der Frahm einen in eine neue Welt - seine neue Welt - entführt. Ein bisschen Klassik, ein bisschen minimalistischer Electro. Ein bisschen Hymne, ein bisschen Klangteppich. Ein bisschen Liebe, ein bisschen Manie.

Elektronischer Tschaikowsky-Erbe

Angefangen hat das Ganze in den Neunzigern, als Nils von seinem Vater mit Portishead und obskuren Jazz- und Klassik-Platten konfrontiert wird. Außerdem gibt es da den Klavierlehrer Nahum Brodski, der vom letzten Schüler Tschaikowskys gelernt hat und diese Lehre an Frahm weitergibt.
Der russische Background und der jahrleange, intensive Unterricht prägen Frahms Stil erheblich.

Selbst die traurigste Passage kann mich glücklich machen, wenn ich realisiere, dass ich gerade etwas Schönes geschaffen habe.
Nils Frahm

Die ersten Stücke nimmt Nils Frahm mit 15 auf und feiert bald darauf erste Erfolge. Er wird beim Londoner Label "Erased Tapes" unter Vertrag genommen, veröffentlicht Solo-Alben und Notenbücher seiner Stücke. 2013 bringt er die Platte "Spaces" raus, auf der Live-Aufnahmen verarbeitet sind. Für den von ihm gegründeten Klavierfeiertag "Piano-Day" steuert er das Album "Solo" bei – eine improvisierte Session auf dem "M 370", dem mit 3,70 m Höhe bis dahin größten Klavier der Welt. Mit den Erlösen des Werks soll das "Klavins 450i" realisiert werden, ein 4,50 m hohes Klavier.

In der Folge arbeitet er vermehrt mit seinem Label-Kollegen Ólafur Arnalds, tritt als Teil der BBC Proms auf oder widmet sich neben der Arbeit an "Victoria" auch der Filmmusik für den Kurzfilm "Ellis" und einem eigenen Studiofilm.

Für Ende Januar 2018 hat Frahm sein siebtes Album angekündigt. Es trägt den Titel "All Melody" und wurde über den Verlauf der letzten zwei Jahre im berühmten Berliner Funkhaus aufgenommen. Damit begibt er sich Anfang des neuen Jahres auf seine erste Konzert-Tour seit drei Jahren.

U21 präsentiert: Nils Frahm in der Muffathalle München

Am 25. April 2018
in der Muffathalle, Zellstr. 4, 81667 München
Beginn 20.00 Uhr
und
1. Dezember 2018
in der Münchner Philharmonie.

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