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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Patricia Kopatchinskaja "Wir sind keine Kopiermaschinen"

Einfach nur geschriebene Töne abspielen, das könne auch ein Computer. Patricia Kopatchinskaja will eigene Geschichten beim Spielen erzählen und am liebsten immer neue Luftschlösser für den Zuhörer bauen. Mehr dazu erzählt sie im SWEET SPOT-Studio und spielt live aus ihrer neuen CD "Deux".

Geigerin Patricia Kopatchinskaja | Bildquelle: Marco Borggreve

Bildquelle: Marco Borggreve

Patricia Kopatchinskaja

"Wir sind keine Kopiermaschinen"

Auf ihrer Facebook-Seite hat Patricia vor nicht allzulanger Zeit dieses Video mit dem Gibbonaffen geteilt, der halbwüchsige Tiger ärgert, sie am Schwanz zieht, an den Ohren zupft und blitzschnell wieder mit einer Liane zurück in die Baumwipfel verschwindet. Das sei so genial!, sagt sie. Und genau so müsse man Musik machen: Ohne Angst ein bisschen den Tiger ärgern, mit ihm spielen - und sich dann wieder in Sicherheit bringen. Der Tiger könnte, so Patricia, Beethoven sein, und der Gibbon Brahms. Oder vielleicht doch besser Ligeti?

Musik mit Relevanz spielen

Worum es Patricia geht, ist, der Musik jedes Komponisten auf so lebendige Art und Weise nahe zu kommen wie möglich. Und natürlich auf ihre ganz persönliche Art und Weise. Bei lebendigen Komponisten habe man es leicht, mit denen könne man sprechen, sie beobachten, ihnen zuhören. Aber bei toten Komponisten? Patricia will Musik von toten Komponisten auf keinen Fall einfach so spielen, wie sich das vermeintlich gehört. "Wenn man alte Stücke spielt, muss man sie in einen Kontext stellen, damit sie eine Relevanz bekommen, die uns heute anspricht", sagt sie. Sie möchte etwa ein Konzert machen, in dem sie einfach in einem Müllhaufen sitzt und dort die Vier Jahreszeiten von Vivaldi spielt. Diese Musik sei viel zu oft missbraucht worden, "für so viel Blödsinn." Eine andere Idee ist, ein Konzert zu machen, das immer wieder von Werbepausen unterbrochen wird. Eben so, wie wir Unterhaltung-Konsumieren heute längst gewohnt sind.

Ich suche einen Weg, Musik für unsere Zeit zu übersetzen.
Patricia Kopatchinskaja

Mut ist Voraussetzung für Patricias Weg. Und Neugierde. Und auch ein bisschen Verrücktheit. Allerdings werde es auch nicht leichter, wenn man älter wird, sagt sie im SWEET SPOT-Interview. Schließlich sei sie keine Studentin mehr, "diese Studenten-Narrheit, die Freiheit des Narren, das habe ich immer weniger." Sorgen sollte sie sich allerdings nicht machen: Denn ihr Mut und ihre Lust am Narrentum wird durchaus geschätzt. Ab Herbst 2018 übernimmt sie die künstlerische Leitung der Camerata Bern, bereits im Sommer leitet sie in den USA das traditionell auf Neues geeichte Festival Ojai.

Weiblich inspiriert

Wenn sie ein Stück auswählt, kann man sicher sein, es wird zu einem Diamanten.
Patricia Kopatchinskaja über Polina Leschenko
kopatchinskaja | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Patricia Kopatchinskaja spielt Georges Enescu

Ménétrier, aus: Impressions d'enfance

Ihre aktuelle CD "Deux" hat Patricia Kopatchinskaja mit der Pianistin Polina Leschenko eingespielt, die auch Einfluss auf die Wahl der Stücke hatte. Herausgekommen ist eine Kombination aus Werken von Bartók, Ravel, Poulenc und Dohnányi. Drum herum gibt es schöne Geschichten über Frauen, die die Herren Komponisten inspiriert haben. Etwa über die Geigerin Jelly d'Aranyi, die für Ravel bis in die frühen Morgenstunden Zigeunermelodien spielen musste - und von Ravel dafür ein Stück gewidmet bekam.

SWEET SPOT. Neugierig auf Musik - 05.03.2018 ab 21.05 Uhr mit Annekatrin Hentschel und Felix Hentschel

Zu Gast:
Patricia Kopatchinskaja mit Polina Leschenko

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