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SWEET SPOT Radio mit dem Geiger Sebastian Bohren "Ich bin ein Extremist"

Ein unerbittlicher Perfektionist, immer auf der Jagd nach dem perfekten, dem "wahrhaftigen" Ton. Der Schweizer Geiger Sebastian Bohren ist bei SWEET SPOT zu Gast und verrät uns, wie ein Mental-Trainer ihm beim Üben hilft und was Beethoven mit Extremsport zu tun hat.

Sebastian Bohren / Violine | Bildquelle: © Marco Borggreve

Bildquelle: © Marco Borggreve

Der Podcast zum Anhören

Geiger Sebastian Bohren

"Es war immer mein Traum, als Egozentriker durch die Welt zu gehen", sagt Sebastian Bohren. Pause. OK, zu diesem Satz muss man sich seinen charmanten Schweizer Dialekt dazudenken. Und die feine ironische Note, die im Gespräch mit Sebastian ständig mitschwingt. Doch was meint dieser junge Geiger, der gerade an der Schwelle zu einer internationalen Karriere steht, eigentlich damit?

Ich kann nie einfach sagen: Das Konzert war für diese Verhältnisse gut.
Sebastian Bohren

Mit Sebastian Bohren kann man die Seele so wunderbar zwischen den Extremen baumeln lassen. Es ist ein feines Balancieren auf dem schmalen Grat zwischen spielerischen Humorigkeit und bitterem Ernst. Ein Hin und Her zwischen Größenwahn ("Ich wollte der beste Geiger der Welt werden") und großen Selbstzweifel ("Ich kann nie einfach sagen: Das Konzert war für diese Verhältnisse gut"). Er ist sehr streng zu sich selbst, er hat den höchsten künstlerischen Anspruch an sein Geigenspiel. Wenn es bei einem Auftritt nicht ganz rund läuft, zerbricht er sich mindestens eine Woche lang den Kopf darüber, denn: "Es war nicht genügend respektvoll gegenüber dem Publikum." Mozarts Violinkonzerte hat er gerade zum zweiten Mal aufgenommen - weil das erste Mal "nicht gut genug" war.

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Jules Massenet: Méditation from Thais (Sebastian Bohren & Aljaž Cvirn) | Bildquelle: Sebastian Bohren Violin (via YouTube)

Jules Massenet: Méditation from Thais (Sebastian Bohren & Aljaž Cvirn)

Als großer Fan von Extremsport (wie passend) hat Sebastian sich die Fähigkeit abgeschaut, sich auch im Künstlerischen konkrete Ziele zu setzen und zu verfolgen. Seit fünf Jahren begleitet ihn dabei sogar ein Mental-Trainer. "Ich versuche so auf jede erdenkliche Art und Weise, mein Potential möglichst auszunutzen und zu fördern, und da ist alles drin, also auch Sport und Ernährung - um öfter tolle künstlerische Resultate zu haben."

Neben dem Geigenspiel ist für mich das Rennen auf den Bergen das Allerschönste.
Sebastian Bohren

Ist er vielleicht etwas zu verbissen, etwas zu angestrengt, dieser Sebastian Bohren? "Als Person habe ich doch ganz große Fähigkeit zur Leichtigkeit und zur Zufriedenheit", sagt er. Nein, er ist definitiv kein karrieregetriebener Egozentriker - und auch kein schweres Gemüt. Er ist spielt einfach gerne mit Extremen. Am besten wird man ihn verstehen, wenn man seinem Geigenspiel lauscht. Denn auch so ein Beethoven-Konzert kann dann schnell zu einem lebensgefährlichen Basejump werden: "Man stirbt zwar nicht dabei, aber man stirbt innerlich. Man muss durch diese ganzen Ängste durch und dann muss man, wenn man abspringt, aber ganz überzeugt davon sein, dass es nur noch geradeaus geht."

Sebastian Bohren zu Gast bei SWEET SPOT

Am 30. November 2020 ist der Geiger Sebastian Bohren bei SWEET SPOT von 21:05 bis 23:00 Uhr zu Gast. Es moderieren Svenja Wieser und Clemens Nicol.

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