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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Mein Konzertabend Penis-Spiel auf der Opernbühne

Ensemble Breakout mit Video-Oper "SharePool" | Bildquelle: Martin Bürkl

Bildquelle: Martin Bürkl

Ihr kennt alle das Penis-Spiel? Nein? Doch, da bin ich mir sicher! Gerade in den letzten Schuljahren gibt's oft ein paar ganz Witzige, die reihum immer lauter Penis rufen, bis jemand rot anläuft oder Verweise ausgeteilt werden. So kam ich mir gestern auch beim Finale der Video-Oper SharePool im Münchner Schwere Reiter vor.

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In SharePool geht es um N., den neuen Narziss im 21. Jahrhundert, der ein soziales Netzwerk mit unendlich vielen Fotos zuballert. Erst als er nur noch Bilder von seinem Penis hochlädt – in lustigen Posen mit Hut und mit Mäntelchen, geschminkt oder gleich als Adolf Hitler – wird es der Plattform SharePool zuviel. Sie kollabiert. Und N., der fast nur noch in der Virtualität lebt, geht dabei auch drauf.

Aber keine Angst, das ist kein eineinhalbstündiger infantiler Jungenstreich des Breakout Ensembles, sondern komplexe Neue Musik. Aber sie nimmt sich einfach nicht krankhaft ernst! Samuel Penderbayne, Hans-Henning Ginzel, Alexander Mathewson, Tom Smith und Jacopo Salvatori haben sich die Komposition geteilt und stehen fast alle selbst auf der Bühne. Als Dirigent, Cellist, Synthesizer-Spieler und Pianist. Dazu noch zwei Holzbläser und Sänger als Narziss und Echo.

Oper nennt sich der Abend. Narziss und Echo stehen aber vor ihren Notenständern beim Singen. Das heißt, keine schauspielerische Handlung – alles was sich bewegt, passiert auf der Leinwand. Dort sieht man immer und immer wieder Gustavo Castillo Estrades Gesicht: Narziss beim sporteln, beim Ausgehen, beim Tanz mit dem Spiegel, beim herumtollen mit seiner geliebten Echo (María José Rodríguez) und auf den Treppen am Königsplatz als selbstherrlicher Herrscher. Sein Publikum sind Internet-Fundstücke von Demonstrationen, Militärparaden und Aufständen. Die Videos werden live eingespielt, übereinandergelegt und verfremdet.

Die irre gut gespielte Musik vom Breakout Ensemble – atonal, rockig, folkloristisch, romantisch und mit großen Opernstimmen – ist definitiv den Besuch wert.

Einen halben Tag später bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob Musik und Bild sich auch wirklich ergänzen und zu etwas Neuem führen. Aber beim Penis-Finale da müsst ihr ganz sicher schmunzeln.

Konzertinfos

10. - 12.03.16, Schwere Reiter, München, 20 Uhr

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