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Neugierig auf Musik

Album des Monats Februar Simon Höfele "Standards"

Das aktuelle Album von Trompeter Simon Höfele bricht jetzt schon Superlative: die Trompetenkonzerte darauf sind mit Sicherheit diejenigen, die am häufigsten aufgenommen wurden. Warum es dann trotzdem noch eine Aufnahme braucht? Weil die Stücke immer wieder frisch und neu klingen, findet Simon. Und dieses inspirierende Gefühl hat er jetzt auf seinem Album "Standards" festgehalten.

Simon Höfele | Bildquelle: © Marco Borggreve

Bildquelle: © Marco Borggreve

Haydn, Hummel, Copland und Arutjunjan – die Werke auf Simon Höfeles zweitem Album sind absolute Standards, das Herz des Trompetenrepertoires. Joseph Haydn schrieb zum Beispiel Ende des 18. Jahrhunderts als erster Komponist ein Konzert für die Klappentrompete. Eine kleine Revolution, denn mit der Klappentrompete, einer Weiterentwicklung der Naturtrompete, konnten nun endlich auch Ganztöne und Chromatiken gespielt werden. Kein Wunder, dass Haydns Konzert in die Standard-Schublade rutschte. Und auch an den anderen Werken des Albums kommt kaum ein Trompeten-Schüler vorbei.

Man merkt, da ist gar kein Boden, den man erreichen könnte. Diese Tiefgründigkeit der Werke geht über alle Zeit hinweg.
Simon Höfele

Da sind zunächst die klassischen Komponisten Hummel und Haydn, bei denen die Trompete höfisch und elegant klingt. Im 20. Jahrhundert ändert sie dann aber ihre Farbe. In Aaron Coplands Musik "Quiet City" ist die Verbindung zum sinnlichen und melancholischen Jazz zu spüren sowie die Vorliebe des Komponisten für Filmmusik. Und auch für folkloristische Musik wird die Trompete interessant: Ein Paradebeispiel ist das Trompetenkonzert vom Armenen Arutjunjan, das den Komponisten Mitte des 20. Jahrhunderts schlagartig berühmt gemacht hat. Ein richtig energisches Showpiece, von dem Simon schon als Kind vom Hocker gehauen wurde.

Wenn man zeitgenössische Musik macht, dann verändert sich auch der Blick auf einen Hummel oder Haydn.
Simon Höfele

Simon Höfele "Standards" | Bildquelle: Berlin Classics Bildquelle: Berlin Classics Der Trompeter Simon Höfele ist nicht gerade einer, den man einfach so in die Standard-Schublade gepackt hätte. Zeitgenössische Musik liegt ihm besonders am Herzen. Immer wieder stehen Proben mit jungen Komponisten im Kalender, mal mit Orchester, mal in Kammermusikbesetzung. Und gerade die Nähe zu lebenden Komponisten, zum Hier und Jetzt, gibt ihm einen ganz unprätentiösen Blick auf Vergangenes. Die Ehrfurcht vor großen Meistern, die mystischen Geheimnisse um die Komponisten – das bröckelt alles weg und vielleicht klingen deswegen seine Interpretationen so frisch und nah.

Das Album "Standards" versammelt zwar die meist gehörten Werke für Trompete und Orchester. Doch ist es gerade dann faszinierend zu hören, in welch unterschiedliche Charaktere sich die Trompete im Laufe der Jahrhunderte zu verwandeln vermag. Beim armenischen Komponisten Arutjunjan gibt Simon Höfele ihr eine sinnliche, fast melancholisch jazzige Farbe, dann lässt er sie wieder stolz den Ton angeben, klar und silbern - aber stets bereit, in den warmen Orchesterklang einzutauchen. Dieser kammermusikalische Austausch zwischen Solo und Orchester funktioniert auch wunderbar in Quiet City von Aaron Copland. Zusammen mit dem BBC National Orchestra of Wales unter der Leitung von Duncan Ward darf Simon hier die verklärte und verträumte Seite seines Instruments auspacken.

Jeder Standard auf Simons Album führt in eine andere Welt, trägt den Hörer woanders hin. Und deswegen kramen wir diesen Monat sehr gerne mit Simon in dieser Standard-Schublade, die alles andere als verstaubt ist, sondern in den unterschiedlichsten Farben glänzt.

Album-Infos

Simon Höfele
"Standards"
Label: Berlin Classics

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