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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

SWEET SPOT Radio - mit Gediminas Gelgotas zum Anhören Ohne Auftrag geht nichts

Gediminas Gelgotas ist Pianist, Trompeter, Dirigent und vor allem: Komponist. Aber keiner, der schreibt, weil er muss, weil es aus ihm heraussprudelt. Er muss wissen, für was oder wen er komponiert, sonst könnte ein Werk auch mal in einem Desaster enden.

Der Komponist Gediminas Gelgotas | Bildquelle: Ryan Gregory Phillips

Bildquelle: Ryan Gregory Phillips

Es ist ein sonniger Tag. Gediminas schaut aus dem Fenster und betrachtet das Meer. Schnitt. Er sitzt am Klavier, bewegt seine Finger auf den Tasten, ohne sie herunterzudrücken. Wieder Schnitt. Er dirigiert mit einer ruhigen Handbewegung und in der nächsten Einstellung komponiert er wieder am Wasser. Schnitt. Er spaziert, Möwen fliegen herum und dann: totale Stille. Es ist Abend. Ein großer Saal, der von einer Stehlampe spärlich beleuchtet wird. Und Gediminas sitzt da und starrt in den Raum. Das Video, das sein neuestes Werk, ein Violinkonzert für den Kissinger Sommer, bewerben soll, dauert nur knapp über eine Minute, aber zeigt eindrücklich den Prozess, wie Gediminas ein neues Werk entstehen lässt - und was er dafür braucht: Räume. Und Ruhe.

Ruhe finden in der Heimat

Gediminas lebt und arbeitet in der Stadt, in der er geboren wurde - in Vilnius, der Hauptstadt von Lettland. Von hier aus könne er alle Metropolen schnell erreichen, sagt er - Moskau, Berlin, London, Wien. Und hier findet er vor allem das, was er zum Komponieren am meisten braucht: Ruhe eben. Aber nur bis sich der Herbst ankündigt. Die wenigen Sonnenstunden machen Gediminas zu schaffen, wie er erzählt. Deshalb flüchtet er in den kalten Monaten nach Südfrankreich, wo er Freunde hat und ihn die Landschaft an Kalifornien erinnert.

Der Komponist Gediminas Gelgotas | Bildquelle: Ryan Gregory Phillips Jahrgang 1986: Der Komponist und Dirigent Gediminas Gelgotas | Bildquelle: Ryan Gregory Phillips Die Vormittage nutzt er, um Bürozeug zu erledigen - und um über das Werk, an dem er gerade arbeitet, nachzudenken. Erst nachmittags und am Abend hat er die meisten Ideen - dann komponiert er auch mal acht bis zwölf Stunden durch, wenn er so richtig im Flow ist. Aber das klappt nur, wenn er weiß, für was oder wen er komponiert. Ohne einen Auftrag oder eine Vision gehe bei ihm nichts, so Gediminas, sonst brauche er gar nicht erst anzufangen.

Gediminas Gelgotas und Roman Patkoló in SWEET SPOT

Am 11. Juni erzählen und spielen Gediminas Gelgotas und Roman Patkoló - live im Radio bei SWEET SPOT von 21.05 bis 23.00 Uhr.

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1. Violinkonzert für Festival in Bad Kissingen

Derzeit schreibt er an seinem ersten Violinkonzert, das am 7. Juli 2018 beim Kissinger Sommer von dem jungen Geiger Daniel Nebel und der Baltic Sea Philharmonic uraufgeführt werden soll. Er ist noch nicht fertig, aber zuversichtlich. Manchmal helfe ihm der Druck, sagt Gediminas. Er komponiert in Episoden. Sechs seien schon fertig und dauern zwischen eineinhalb und acht Minuten. Insgesamt 20 Minuten soll das Konzert für Violine und Orchester, dass sein langjähriger Freund Kristjan Järvi dirigieren wird, dauern. Die Komposition müsse immer seinem inneren Gefühl entsprechen. Bilder, wie es klingen soll, helfen ihm dabei. Genauso wie der Solist - mit David trifft er sich seit 2016 regelmäßig und tauscht sich aus.

Ein enges Verhältnis pflegt Gediminas auch zu Roman Patkoló. Der Litauer sah den Kontrabassisten in einem Youtube-Video, war fasziniert von dessen Fähigkeiten und schrieb ihn einfach per Mail an. Roman antwortete - und sagte sofort zu. Sie verstanden sich von Anfang an auf eine Art, für die nur wenige Worte notwenig sind. Gediminas arrangierte sein Stück "Sanctifacatio"“ für Klavier und Kontrabass um, besuchte Roman in der Schweiz und schon einen Tag später war die Aufnahme im Kasten. Seitdem treffen sie sich regelmäßig und spielen gemeinsam - am Montag, den 11. Juni, bei uns - in SWEET SPOT auf BR-KLASSIK.

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