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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

SWEET SPOT Radio mit Fabian Müller "Das war ein Witz, was ich da getan habe"

Viel geübt habe er in seiner Kindheit nicht, sagt Fabian Müller, auch wenn er unbedingt wollte. Seine Eltern forderten damals: Verbringe Zeit mit Deinen Freunden! Heute ist Fabian dankbar dafür, dass er eine "normale" Kindheit hatte - auch wenn er später noch manches aufholen musste. Am Montag erzählt und spielt Fabian live im SWEET SPOT-Studio.

Die Pianist Fabian Müller | Bildquelle: Gregor Hohenberg

Bildquelle: Gregor Hohenberg

In voller Länge zum Anhören

Fabian Müller

Fabian wächst in einer illustren Nachbarschaft in Bonn auf. Ganz in seiner Nähe lebte Brahms, ein paar Häuser weiter starb Schumann und klar, Beethoven kommt auch von hier. Neben Mama, gibt es vier (sic!) ältere Schwestern und Papa, der als evangelischer Pfarrer arbeitet. Kirche ist für Fabian vor allem eines: Musik - egal ob an der Orgel, am Flügel oder im Gottendienst. Musik bestimmt nicht nur die Festtage, sondern den gesamten Alltag. Alle spielen ein Instrument: Querflöte, Geige, Cello, Klavier. Hausmusik ist etwas völlig normales in der Familie Müller.

Es war wichtig, dass im Haushalt Musik gemacht wurde.
Fabian Müller

Die Eltern sind liberal: Keiner der fünf Müller-Kinder muss üben. Musik sei nichts gewesen, was mit Zwang zu tun hatte, erinnert sich Fabian. Als er sich mit 12 vornimmt, jeden Tag vier Stunden zu üben, bremsen ihn seine Eltern - 1,5 Stunden reichen, sagen sie, und stellen eine Bedingung: Vorher noch draußen spielen.

Fabian Müller in SWEET SPOT

Am 12. November erzählt und spielt der Pianist Fabian Müller - live im Radio bei SWEET SPOT von 21.05 bis 23.00 Uhr.

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Wunderbare Kindheit

Fabian Müller am Klavier. | Bildquelle: BR/Daniel Delang Gewinnt 2017 einen 2. Preis beim ARD-Musikwettbewerb: Fabian Müller | Bildquelle: BR/Daniel Delang "Das war ein Witz, was ich da getan habe", denkt Fabian heute über sein Übe-Pensum und erinnert sich im gleichen Atemzug an eine wunderbare Kindheit. Sozial abgeschnitten sein durchs Üben? Nichts für Fabian. Er will auch weiterhin Sport machen, im Garten oder an der Konsole spielen. Alles soll irgendwie normal bleiben. Weite Wege oder gar ein Umzug wegen Unterricht - undenkbar. Mit 15 wird Fabian Jungstudent, rheinaufwärts, in Köln, bei keinem Geringeren als Pierre-Laurent Aimard. Der Neue-Musik-Guru, selbst Schüler von Messiaen und Ligeti, vermittelt Fabian die technischen Feinheiten, die ihm noch fehlen, aber auch eine Vorstellung vom Klang, wie Fabian erzählt.

Fabian hat ein zweites, großes Talent: Er spricht leidenschaftlich gerne über Musik - eloquent und flüssig, ohne abgehoben zu wirken. Seine rhetorischen Fähigkeiten setzt er nicht nur bei seinen Konzerten ein, wenn er über Stücke erzählt. Seit einigen Jahren arbeitet er jedes Jahr beim Klavier-Festival Ruhr mit über 300 Kindern, die aus Problemkiezen wie Duisburg-Marxloh stammen. Fabian spielt Klavier, die Schülerinnen und Schüler tanzen dazu. Trotz seines immer voller werdenden Terminkalenders will er das Projekt unbedingt weiter begleiten. Das gebe seinem Beruf eine zusätzliche Sinnebene, wie Fabian sagt.

Da passiert so viel Gutes innerhalb des Projektes.
Fabian Müller

Träume hat Fabian viele. Zwei Alben hat er schon veröffentlicht. Ein Beethoven- und Messiaen-Zyklus fände er toll, mehr Jazz auch. Dirigieren, Komponieren sowieso. Fabian ist hungrig. Aber auch bodenständig. Er war schon in New York, China und anderen schönen Orten. Trotzdem ist er am Rhein geblieben und lebt heute in Köln. Da, wo die Menschen nicht so sorgenvoll und nicht so etepetete sind, wie er sagt. Authentisch, nicht aufgesetzt. So wie er.

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