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SWEET SPOT Radio Der Fagottist Raffaele Giannotti

Seit 2016 ist er Solo-Fagottist bei den Münchner Philharmonikern - da war er gerade 20: Raffaele Giannotti. Für den jungen Italiener ist das Orchester wie eine große Familie, die zusammenhält und ihn unterstützt, wenn's mal nicht so gut läuft.

Der Fagottist Raffaele Giannotti | Bildquelle: Michael Mrkvicka

Bildquelle: Michael Mrkvicka

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Der Fagottist Raffaele Giannotti

Es ist Samstagabend. Raffaele spielt heute mit seinem neuen Orchester, den Münchner Philharmonikern. Was für eine Stelle: Anfang 20 und schon Solo-Fagottist bei so einem Mega-Ensemble. Er lebt erst seit kurzem an der Isar und ist noch im Probejahr. Und er will seinen Job richtig gut machen. Um 20 Uhr geht’s los, denkt er. Bis dahin kann er noch etwas entspannen in seiner Wohnung in München-Freimann. Bis um 18.30 Uhr das Telefon klingelt.

An der anderen Leitung meldet sich das Orchester-Büro. Wo er denn stecke? Das Konzert gehe schließlich um 19 Uhr los. 19 Uhr? Wieso nicht 20 Uhr, fragt Raffaele, er sei sich total sicher gewesen. Das Adrenalin, dass in jede Zelle seine Körpers schießt, gibt Raffele unmissverständlich zu verstehen: Gib Gas, Raffaele! Der Italiener schnappt sich sein Instrument und rennt zur U-Bahn. Noch 25 Minuten.

Ein verzweifelter Raffaele

Unterwegs meldet sich wieder das Büro: Bitte an der Münchner Freiheit aussteigen, ein Taxi wartet bereits. Raffaele stürmt an die Oberfläche, aber nirgends ist ein Taxi zu sehen. Es dauert und dauert, Raffaele ist verzweifelt. Bis er in der Philharmonie am Gasteig ankommt, ist es 19.10 Uhr. Valery Gergiev dirigiert seit 10 Minuten das erste Stück. Ein Kollege, der zufällig im Publikum war, hat sich schnell in einen Frack geschmissen und ist für Raffaele eingesprungen.

Raffaele Giannotti, Fagott

1995: geboren in Lecce, Italien
2005: erster Fagott-Unterricht bei Antonio Vergine
2010: Studium am Giuseppe-Verdi-Konservatorium in Turin bei Claudio Gonella
Seit 2011: Studium Fagott in Wien bei Richard Galler und Milan Turkovic
2013: U21-Sonderpreis beim ARD-Musikwettbewerb
2014-2016: Solo-Fagottist des Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino
Seit 2016: Solo-Fagottist der Münchner Philharmoniker (aktuell 3. Saison)

Nach dem ersten Stück eilt Raffaele auf die Bühne und löst seinen Einspringer ab. Jetzt nur noch das Instrument stimmen. Aber es kommt kein Ton raus. Whaaaat? Raffaele bleibt cool. 20 Takte hat er Zeit, das Problem zu lösen. Und er wird fündig: Ein kleines Stück Papier hat sein Fagott verstopft. Er zieht es raus und legt ab Takt 21 los. Nach dem Konzert entschuldigt er sich bei allen. Raffaele rechnet mit dem Schlimmsten, aber seine Kollegen und auch der Dirigent bleiben locker. "Das passiert dir einmal im Leben", sagen sie und muntern ihn auf.

Ich bin zufrieden und glücklich hier.
Raffaele Giannotti über die Münchner Philharmoniker

Raffaele fühlt sich sehr wohl bei den Münchner Philharmonikern. Nicht nur weil sein Kumpel Johannes, mit dem er während seines Studiums in Wien zusammengewohnt hat, auch im Orchester spielt. Es fühle sich wie in einer großen Familie an, sagt der Italiener. Zu Weihnachten habe er viele Geschenke von seinen Mit-Musikern bekommen und selber habe er auch eine Menge verschenkt. "Ich bin zufrieden und glücklich hier." Zu spät zu einem Konzert ist er nie wieder gekommen. Alpträume habe er deswegen immer noch, erzählt er. Vielleicht ist Raffaele deshalb vorsorglich näher an die Philharmonie gezogen.

Raffaele Giannotti in SWEET SPOT

Am 14. Januar erzählt und spielt Raffaele Giannotti live im Radio bei SWEET SPOT von 21.05 bis 23.00 Uhr.

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