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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Die Filmkomponistin Verena Marisa Meisterin des Theremin

Wer die letzten "Tatorte" aus München und Franken angeschaut hat, kennt sie schon längst: Verena Marisa - die Musik zu den Krimis stammt von ihr. Die junge Münchnerin ist aber genauso auf der Bühne zuhause - mit ihrer Geige und mit einem Instrument, das berührungslos funktioniert. Am Montag spielt Verena live in U21.

Verena Marisa | Bildquelle: Daniel Eberhard

Bildquelle: Daniel Eberhard

Eine Wohnung in München-Schwabing. Von der Eingangtür aus gelangt man nach wenigen Schritten in ein kleines, gemütliches Zimmer - darin eine Couch, ein Esstisch und allerlei Musikzeug. Hier, mit einem wunderbaren Blick über halb München, arbeitet und lebt Verena Marisa, die die Musik zu den letzten "Tatort"-Krimis aus München und Nürnberg komponiert hat.

Kabel und Geräte überall

In einer Ecke steht prominent ein schwarzer Flügel, daneben ein Tisch mit Computer, einem großen Bildschirm und zwei Lautsprechern. An den Wänden hängen Filmplakate, auf dem Boden bahnen sich Kabel ihren Weg - und mittendrin ziert ein kleines, zunächst unscheinbares Instrument den Raum: ein Theremin.

Berühungsloses Instrument

Das Theremin besteht aus einem kleinen Holzkasten, der auf einem dünnen Ständer in Hüfthöhe thront. An der rechten Seite des Instruments ragt eine Art Antenne heraus, links ist ein Metallgriff befestigt. Das elektronische Instrument, das seinen Klang aus einem eingebauten Oszillator erzeugt, gibt es seit 1920 und wurde von dem Russen Lew Termen erfunden.

Die Intonation ist sehr anfällig, weil es kein Griffbrett gibt.
Verena Marisa über das Spiel auf dem Theremin

Das Theremin funktioniert berührungslos. Rund um das Instrument entsteht ein Magnetfeld, das Verena mittels Handbewegungen und Gesten beeinflusst. So entstehen Klänge, die sich wie Musik aus einem Science Fiction- oder Geisterfilm anhört - weswegen sich das Instrument in diesen Genres besonderer Beliebtheit erfreut. Vor zehn Jahren sei sie über das Internet auf das Theremin gestoßen, sagt Verena, und sie habe erst versucht, es autodidaktisch zu erlernen.

Theremin autodidaktisch lernen? Schwierig!

"Das war nicht ganz so leicht", sagt Verena - die Intonation sei anfällig und es gebe kein Griffbrett wie bei einer Geige. Durch einen glücklichen Zufall konnte sie Unterricht bei Lydia Kavina nehmen, einer Großnichte des Theremin-Erfinders. Kompositionsprofessor Moritz Eggert lud die russische Musikern zu einem Workshop an die Münchner Musikhochschule ein. Dazu gastierte die führende Theremin-Virtuosin bei einer Produktion an der Bayerischen Staatsoper.

Verena Marisa in U21 - Deine Szene. Deine Musik

Verena Marisa wurde 1984 in Starnberg geboren, lebt aber seit ihrer frühen Kindheit in München. Sie lernte Geige und Klavier und wurde als Jungstudentin an der Münchner Musikhochschule aufgenommen. Dennoch studierte sie zunächst Philosophie und Musikwissenschaft an der LMU, spürte aber bald, dass etwas anderes sie viel mehr interessierte: die Verknüpfung und Wechselwirkung von Musik mit anderen Kunstformen, wie sie sagt. Sie wechselte an die Musikhochschule und studierte bei Enjott Schneider und Gerd Baumann Filmkomposition – nebenbei machte sie auch noch ihren Master in Jazzkomposition.

Am 10. Juli erzählt und spielt Verena Marisa live im Radio bei "U21" von 22.05 bis 23.00 Uhr.

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60% Filmusik, 40% Bühne

Verena Marisa liebt es, im Studio an neuen Soundtracks zu feilen. Genauso gerne tritt sie aber auch auf - etwa mit ihrer Band "CLÆNG", einem experimentellen Projekt, bei dem sie Geige und Theremin spielt. Sie ist aber auch solo unterwegs und erarbeitet derzeit ein eigenes Programm für ihr außergewöhnliches Instrument, das sie mittlerweile um Effekte und eine Loop-Station erweitert hat.

Ich will mich weiter damit beschäftigen und auch Stücke dafür schreiben.
Verena Marisa über das Theremin

Am 15. Juli steht in der Münchner Tonhalle außerdem die Uraufführung eines neuen Werks von Verena Marisa an. In diesem Jahr ist sie Composer in Residence der whiteBOX, einem Kunst- und Kulturprojekt im Münchner Werksviertel. Für das Jugendorchester-Festival "Auftakt! 2017" hat sie ein Stück für Theremin und Streichorchester komponiert: "Morphology". Die Solistin ist - klar - sie selbst.

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