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SWEET SPOT.

Neugierig auf Musik

Album des Monats Juni Vivi Vassileva: "Singin' Rhythm"

Vivi Vassileva stammt aus einer Musikerfamilie, in der alle Geige spielen. Sie am Anfang auch – doch mit 10 hat sie sich in ein anderes Instrument verliebt: Heute gilt sie als "Königin des Schlagzeugs". Zu Recht, denn sie zeigt, dass Schlagzeug mehr kann als nur lautes Bumm-Bumm.

Vivi Vassileva | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Im Interview

Schlagzeugerin Vivi Vassileva

In Bands und Orchestern gibt das Schlagzeug meist Takt und Rhythmus an. Doch es ist viel mehr als bloßes Metronom: Man kann darauf genauso gut auch Melodien spielen, ja fast schon singen. Das beweist die 25-jährige Schlagzeugerin Vivi Vassileva mit ihrem neuen Album, das sie „Singin‘ Rhythm“ genannt hat.

Ich wollte unbedingt zeigen, dass das Schlagzeug singen kann!
Vivi Vassileva

Darauf spielt Vivi bewusst keine reinen Multi-Percussion-Stücke, sondern kombiniert virtuos die verschiedensten Schlagwerk-Instrumente – wie Vibraphon, Marimba, Trommeln und Darbuka. So verbinden sie und ihr Quintett elegant Melodie und Rhythmus – aber auch verschiedene Musikgenres aus aller Welt:

Melodie oder Rhythmus? – Beides!

Vivi Vassileva - Singin' Rhythm | Bildquelle: Outhere Music Bildquelle: Outhere Music Die Platte beginnt mit dem südamerikanischen Stück "Zamba Para Escuchar Tu silencio". Durch Vivis sensible Interpretation auf der Marimba kann man als Hörer dabei tatsächlich seiner eigenen "inneren Stille lauschen", wie es der Titel sagt.
Dann verführt Vivi mit dem singenden Sound ihres Vibraphons, der mal nach groovigem Jazz klingt, mal nach traditionellen Weisen vom Balkan.
Und tatsächlich ist ihr Stück "Kalino Mome" inspiriert von einem bulgarischen Volkslied, das sie mal als A Capella-Version gehört hat. Sofort habe sie eine Version für Schlagzeug im Kopf gehabt, erzählt sie: "Das funktioniert perfekt für Schlagzeug, weil es diese Volkslied-Melodie hat, aber auch diesen würzigen Elf-Achtel-Takt."  
In ihrem Arrangement spielt Vivi allein 13 verschiedene Schlagwerkinstrumente – wobei nicht ein Marimba- auf einen Trommel-Part folgt, sondern alles eins wird. Verschmilzt.

Gier nach neuen Schlagzeug-Kompositionen

Es gibt nicht allzu viel Literatur, die das ja noch recht junge Schlagzeug als Musikinstrument begreift. Darum hat Vivi – die mit dem Schlagzeug singen will – den befreundeten Komponisten Oriol Cruixent um ein Stück gebeten, das nicht nur den Rhythmus fokussiert.
So hat er extra für sie das Stück "Marimba Moksha" geschrieben, das gleichermaßen eine schöne, harmonische Melodie hat und virtuos ist. "Schlagzeuger meiner Generation sind alle gierig auf gute, neue Stücke für unser Instrument", sagt Vivi.

Liebe zur Musik entsteht nicht im Übezimmer

Inzwischen spielt die quirlige Musikerin in verschiedenen Projekten, denn festlegen will sie sich nicht – weder auf Instrumente, Genres noch auf Besetzungen.
Und egal, ob im Duo mit Klavier, einem temperamentvollen Schlagzeug-Quartett oder eben diesem Quintett – eins ist immer zu spüren: Vivis tiefe, innere Leidenschaft zu ihrem Instrument.
Zu der hat sie "nicht im Übezimmer" gefunden, wie sie sagt, sondern an einem Strand in Bulgarien: "Als ich gemerkt habe, dass man überall Klänge und Rhythmen erzeugen kann."

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