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U21-VERNETZT mit Asya Fateyeva "Ich bin einfach dem Saxophon gefolgt"

Im verrauchten Jazz-Club oder im gedämpften Schein einer Straßenlaterne, da haben wir das Saxophon im Kopf einsortiert. In der Klassik-Welt ist es dagegen der große Exot. Das will eine ambitionierte junge Dame ändern: Asya Fateyeva, frisch gebackene ECHO-KLASSIK-Preisträgerin, kämpft um einen Platz für ihr Instrument in den hehren Hallen der klassischen Musik.

Asya Fateyeva bei U21-VERNETZT | Bildquelle: Alescha Birkenholz

Bildquelle: Alescha Birkenholz

U21-VERNETZT

Die Saxophonistin Asya Fateyeva

Dass ausgerechnet Saxophon Asyas große Liebe geworden ist, war eigentlich nur Zufall. Asyas Vater, ein ukrainischer Profifußballer, kaufte sich das Instrument, weil er es lernen wollte. Das glänzende Ding landete schnell in Asyas kleinen Fingern - und es hat Klick gemacht. Hätte Papa sich für Trompete interessiert - wahrscheinlich würde Asya Fateyeva sich heute für die Ehre der klassischen Trompete einsetzten. Doch es wurde nun mal Saxophon. Und dieses Instrument gab fortan das Tempo bzw. die Richtung in Asyas Leben vor. Aus einem kleinen Dorf auf der Krim ist die Familie nach Simferopol gezogen. Bald wurde aber auch Krims Hauptstadt zu klein für Asyas Erfolge auf dem Saxophon und es ging zusammen mit der Mutter nach Moskau, um bei einer tollen Professorin Unterricht nehmen zu können.

Irgendwann zog die ganze Familie nach Hamburg, doch Asya konnte dort nicht bleiben, da in Hamburg kein klassisches Saxophon an der Musikhochschule unterrichtet wird. Also ging es mit 15 ganz allein nach Köln, wo sie als Pflegetochter ihres Professors lebte - und spielte. Auch in Frankreich, dem "Mekka der Saxophonisten", war Asya eine Weile. "Da muss man als Saxophonist einfach gelebt haben", sagt die heute 26-Jährige. Ob so ein Vagabundenleben nicht sehr entbehrungsreich sei? "Opfer? Nein, so sehe ich es nicht. Saxophon ist ja meine Leidenschaft. Ich bin quasi dem Saxophon gefolgt. Es hat mich geführt."

Heute setzt Asya Fateyeva sich dafür ein, ihrem Instrument einen gebührenden Platz in der Welt der Klassischen Musik zu verschaffen. "Ich will ja nichts Negatives sagen. Aber das klassische Saxophon in Deutschland kommt nicht unbedingt selbstverständlich an." In Asyas Heimat Ukraine oder in Russland war es selbstverständlicher, auf dem Saxophon klassische Musik zu spielen. In Deutschland dagegen war sie ab und zu richtig erstaunt, wie neu und exotisch hier das Instrument wirkt. "Die Leute verbinden das Saxophon überhaupt nicht mit klassischer Musik - und sind dann fast überfordert", sagt Asya und schielt schwärmerisch Richtung Frankreich, Spanien oder Holland. Dort gibt es eine ganz aktive, junge Saxophonszene. Diese Länder sind Deutschland einige Jahre voraus. Hier würde eher das gemütliche Saxophon der 20er und 30er Jahre regieren, beklagt Asya. Viele neue Entwicklungen hätte man nicht unbedingt mitgemacht. Für ein höheres Niveau des Saxophonspiels in ihrer neuen Heimat Deutschland will die junge Musikerin nun kämpfen. Einen ECHO-KLASSIK hat sie schon in der Tasche. Im März 2017 erscheint ihre neue CD "Bachiana" mit Bach und Villa-Lobos, zwei Komponisten, die Asya über alles liebt. Also: Volle Fahrt voraus!

U21-VERNETZT mit Annekatrin Schnur - Sendetermine und weitere Links

5. März 2017, ARD-Alpha, 11.00 Uhr
6. März 2017, BR-KLASSIK Radiosendung ab 21.05 Uhr
6. März 2017, br-klassik.de, Live-Videostream ab 21.05 Uhr

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