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CD des Monats Juni Avital meets Avital

Diese Erinnerung, wenn man den zarten Geschmack einer Süßigkeit auf der Zunge schmeckt, die man in der Kindheit besonders gern gegessen hat. Oder dieses nostalgische Gefühl, wenn man eine alte Lieblingsmelodie hört. Das muss Avi Avital gehabt haben, als er mit seinem Musikerkollegen Omer Avital sein neues Album aufgenommen hat.

Avital meets Avital | Bildquelle: Christie Goodwin

Bildquelle: Christie Goodwin

Auch wenn das schon viele Musiker vor ihm gesagt haben. Wir nehmen es dem Mandolinisten Avi Avital gerne ab.

This is definitely the most personal album I've ever made.
Avi Avital

Derart frei kommen hier die Melodien nur so aus dem Instrument herausgesprudelt - sie müssen einfach schon lange in Avis Kopf herumgeschwirrt sein. Und ganz mühelos schmiegen sich verschiedene Musikstile aneinander: Als würden sich die unterschiedlichen Seelen der beiden Musiker, die Klassik- und die Jazzseele, mal mehr und mal weniger nach oben schieben. Ganz unbeabsichtigt und ganz natürlich. Doch die eigentliche Sprache, die die beiden Musiker auf dem Album sprechen, ist ihre gemeinsame Muttersprache: Hebräisch - vielleicht noch mit einem kleinen deutschen und einem amerikanischen Akzent.

Orientalische Melodien mit Jazz-Touch

Den amerikanischen Akzent, den Jazz, spürt man etwas stärker. Sogar ohne reingehört zu haben in die CD, nur durch einen kurzen Blick auf die Trackliste: Lonely Girl, Avi's Song, Ballad for Eli oder Prelude. Das erinnert schon sehr an eine typische Jazzplatte. Kein Wunder, Omer Avital ist ja auch Jazz-Bassist und lebt in New York. Er hat die meisten Stücke des Albums selbst komponiert, in denen sich die Improvisation und der Groove unmerklich mit den orientalischen Skalen und der ungezwungenen Freiheit der fernen Melodien vermischen. Denn darum geht es im Album "Avi Avital meets Omer Avital": um die hebräischen Melodien ihrer israelischen Familien und die maurischen Klänge ihrer marokkanischen Vorfahren.

"Dieses Album erzählt die Geschichte einer ganz besonderen Verbindung: Der Begegnung zweier Musiker mit ähnlichem Familienhintergrund, die in ganz unterschiedlichen künstlerischen Welten Zuhause sind. Ein musikalisches Gespräch über die Klänge und Bedeutungen von Heimat, über Erinnerungen und Freiheit." Avi Avital

Avital meets Avital | Bildquelle: Christie Goodwin Bildquelle: Christie Goodwin Mit Mandoline und Bass in der Hand, unterstützt von Klavier, Perkussion und Akkordeon, verarbeiten Avi und Omer ihre musikalischen Erinnerungen. Vielleicht spielte die Melodien früher einmal ein Musikant auf einer betriebsamen Straße? Vielleicht wurden sie beim Feiern mit der Familie gesungen? Auf jeden Fall sind sie ein Teil des Lebens von Avi Avital und Omer Avital, auf den sie nicht verzichten können - und der sich auf ihrem neuen Album so gefühlvoll ausdrückt.

Der silberne Klang der Mandoline trieft manchmal fast vor Sehnsucht. Und er erinnert an die flirrende Hitze Israels. Mal wird die Nostalgie aufgebrochen vom lebendigen 11/8-Rhythmus, mal gibt sich die Mandoline den nachdenklichen Klängen hin und kramt nach tief verborgenen musikalischen Schätzen. Inmitten der Melancholie verbreitet sich das euphorische Gefühl, etwas wieder für sich entdeckt zu haben, das die beiden Musiker auch gespürt haben müssen. Und wer sich darauf einlässt, fängt irgendwann vielleicht sogar an, über die eigenen Kindheitsmelodien zu stolpern…

CD-INFO

Avi Avital, Omer Avital
"Avital Meets Avital", VÖ 2. Juni 2017
Deutsche Grammophon (Universal Music)

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