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CD des Monats: April BamesreiterSchwartzOrchestra - Metamorphosis

BamesreiterSchwartz - klingt nach einem bitteren Hustensaft oder nach einer neuen veganen Bratwurst. Mit Wurst oder Medizin hat diese Big Band allerdings rein gar nichts zu tun. Die Truppe aus Deutschland macht Jazz - und zwar richtig guten!

BamesreiterSchwartzOrchestra | Bildquelle: Steffi Rettinger

Bildquelle: Steffi Rettinger

BamesreiterSchwartzOrchestra haben sich die alten Jazzlegenden à la Duke Ellington und Count Basie zum Vorbild genommen. Deswegen bezeichnet sich die Gruppe auch gerne als Jazz Orchester – so wie man Big Bands zu der damaligen Zeit eben auch genannt hat. Wer sich jetzt allerdings auf eine coole Swing-Version von "Take the A train" oder "One o'clock jump"  freut, der ist hier fehl am Platz. BamesreiterSchwartz covern nicht – mit ihrer Debüt-CD "Metamorphisis" orientieren sie sich zwar am Jazz der 40er Jahre, kreieren darum aber etwas ganz Neues.

Aber jetzt noch mal zurück zum Band-Namen: irgendwas mit schwarz und reiten? Eigentlich ist es ganz einfach: Der Name entstand durch die Gründer Lukas Bamesreiter und Richard Schwartz. Noch zu Studienzeiten an der Musikhochschule München spielten die Beiden in einigen Bands. Danach wussten sie genau was sie wollten: Einen neuen Jazzsound kreieren, mit vielen Musikern. 24 um genau zu sein!

Die acht Stücke auf ihrer ersten CD sind alles Kompositionen von Lukas Bamesreiter und Richard Schwartz. Sie taufen das Album „Metamorphosis“ - und das wird sicher kein Hauptgericht mit Bratwurst und Sauerkraut. BamesreiterSchwartz mögen es wohl lieber süß. 

Nun sind wir fleißig am karamellisieren, unterheben, flambieren und schockfrosten, und im Frühling hauen wir euch liebevoll und mit einem Schmatzer links und rechts unsere erste Scheibe um die Ohren.
BamesreiterSchwartz Orchestra über die neue CD auf ihrer Facebook-Seite

BamesreiterSchwartzOrchestra | Bildquelle: Steffi Rettinger Bildquelle: Steffi Rettinger Musikalische Limitationen scheint  es für das BamesreiterSchwartz Orchestra nicht zu geben. Die Titel sind relativ lang. Sieben Minuten dauert das kürzeste Stück und fast 16 Minuten das Längste. Diese Zeit braucht es aber auch, damit sich die Musik richtig entfalten kann. Langer Titel gleich langweilig? Nicht die Spur! Jeder Titel ist irgendwie anders. Mal kann man das süße Dessert richtig schmecken: Wie Schokoladeneis, das  auf der Zunge zergeht - und plötzlich haut einen eine feurige Chilli-Note um.
Das kochende Orchester überzeugt mit einem gut ausgewählten Menü: An manchen Stellen ist es laut, swingig. Und plötzlich wandelt sich die Klangfarbe zu einer dissonanten Fläche mit ungewohnter Rhythmik. Die Bandleader Lukas Bamesreiter, Dirigent und Posaunist, und Richard Schwartz an der Gitarre schaukeln sich in den Songs richtig hoch. Da findet fast ein Battle statt und das Orchester unterstützt das wilde Hin und Her. Die unterschiedlichen Zutaten vermengen sich so gut und gekonnt, dass man gar nicht weiß, wo man sich gerade auf der CD befindet. Nur die Zeitangabe am CD Player könnte Orientierung geben, welches Stück man gerade hört.

KONZERTTIPP

4. Mai 2017 Filmburg, Marktoberdorf
7. Mai 2017 Südpunkt, Nürnberg
8. Mai 2017 Unterfahrt, München

Das CD-Cover zeigt etwas Abstraktes. Als Kokon möchte man es fast bezeichnen. Darunter der Titel: "Metamorphosis". Metamorphose… Wie war das noch mal im Biounterricht? Der Wechsel in eine neue Gestalt. Auf der CD findet fast eine Art Verwandlung des Jazz statt. Dass das Orchester Jazz mag und diesen neu kreieren will, ist schon mit den ersten Takten klar. "Suun" knallt mit ungewohnten jaulenden Trompetenklängen rein. Dicht gefolgt von einem eher untypischen Element für eine BigBand: dem Gesang. In einem Jazz-Orchester. Ungewohnt, aber gut! Erinnert an manchen Stellen ein bisschen an Ella Fitzgerald. Die Vocal-Section des Orchesters besteht insgesamt aus vier Sängerinnen. Von Mezzosopran bis Kontra-Alt wird variiert, entweder solo oder mehrstimmig.   

BamesreiterSchwartz lassen die üblichen Jazztraditionen hinter sich. Kopfkino ist hier angesagt, denn das Meiste ist für das Ohr neu. Ab und zu flackern Assoziationen zu bekannten Genres wie Blues, Chanson und Hip-Hop auf. Als würde man sein Lieblingsdessert essen. Doch die musikalischen Konditoren erlauben uns nur einen kleinen Bissen – der altbekannte Höreindruck weicht den neuen, experimentellen Klängen - und schon sind das Tiramisu und der gute alte traditionelle Jazz vergessen.

CD-INFO

Metamorphosis
BamesreiterSchwartzOrchestra
Label: Sony Music / OKey Records

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