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U21

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Mein Konzertabend Bravo, Mann mit der Mütze!

Am besten oute ich mich gleich mal: Ich liebe Gregory Porter. Der Typ hat eine Stimme, da stellen sich mir schon beim Anhören auf CD die Haare auf (im positiven Sinne). Apropos CD: Sein aktuelles Album "Liquid Spirit" hab ich bestimmt 1000 Mal angehört. Mindestens. Aber das hat ja auch immer den Nachteil, dass man mit riesigen Erwartungen in einen solchen Konzertabend geht: Oft bin ich dann sogar kritischer und meist enttäuscht - nicht so an diesem Sonntagabend.

Gregory Porter in Luxemburg | Bildquelle: Anna Novák

Bildquelle: Anna Novák

Gregory Porter ist mit seiner Band schon seit ein paar Wochen auf Tour und bis in den Juni hinein spielen sie fast jeden Tag Konzerte irgendwo auf der Welt. Aber das sieht man dieser Band in keinster Weise an! Sobald sie die Bühne betreten haben, (nach knapp zweistündigem Warten - die Stars lassen sich eben gern bitten...) legen sie eine fette Jazz-Show hin. Ich fühle mich in einen Jazz-Club versetzt, vergesse vollkommen, dass ich in einer luxemburgischen Konzerthalle bin, mit 1500 anderen Gregory-Fans. Das schöne ist: ich himmle an diesem Abend nicht nur den großen Gregory an - seine Bandmitglieder sind mindestens genauso sehenswert. Da ist der großartig groovende Pianist, der rein optisch auch Politiker sein könnte, der immerzu strahlende Kontrabassist, der abgeht, als gäbe es kein Morgen mehr. Außerdem der Schlagzeuger mit fescher Sonnenbrille (It's never to dark to be cool) und ein Erstklasse-Saxophonist, der sich mit Mr. Porter immer wieder kleine Lead-Duelle liefert.

Gregory Porter, mit seiner ziemlich ominösen Mütze und einem Tuch über den Ohren, wirkt lässig ohne Ende - manchmal als Typ sogar ein bisschen introvertiert. Er hat sein Publikum voll im Griff, lässt alle mitsingen und bescheinigt einem Mädel in der ersten Reihe danach gleich mal "You're really musical!".

Keiner der Titel, die ich von Gregorys Album kenne, sind so wie erwartet: alles klingt anders: noch freier, noch wilder - noch besser. Es wird viel improvisiert, man hat das Gefühl, dass da wirklich alles erst direkt auf der Bühne entsteht. Und diese Stimme! Mannomann, verzeiht mir die Schwärmerei - aber die ist einfach Wahnsinn. Gregory Porter kann tief und kräftig ("No love dying"), aber auch ganz sanft und leicht ("Water under brigdes" singt er im Sitzen, nur begleitet vom Klavier. Hach.) und auch sehr jazzig und virtuos (etwa in "Liquid Spirit"). Nach fast zwei Stunden Konzert dann der erlösende Moment: Gregory Porter verpasst seinen Einsatz. Na hallelujah, er ist doch nur ein Mensch.

Fazit dieses Abends: Ein wundervolles Erlebnis mit Gregory Porter - ein echter Superstar, der den Abend trotzdem nicht runtergespult, sondern wirklich einmalig gemacht hat. Am 15. Mai spielt Gregory Porter mit Band in München, am 19. Mai in Nürnberg - wenn ihr irgendwie könnt, geht hin!

Konzertinfo

13.03.16, "Den Atelier" in Luxemburg Stadt

Weitere Termine:
15.05.16, Philharmonie im Gasteig, München
19.05.16, Meistersingerhalle, Nürnberg

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