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CD des Monats: Juli Hanna-Elisabeth Müller - Traumgekrönt

2017 ist jetzt schon ein Traum-Jahr für Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller: als Einspringerin hat sie die Elbphilharmonie mit-eröffnet, dann ihre Debüts an der MET in New York und der Mailänder Scala gefeiert. Und jetzt als Krönung: ihre erste Solo-CD herausgebracht.

Hanna-Elisabeth Müller | Bildquelle: Chris Gonz

Bildquelle: Chris Gonz

Berlin, Teldex-Studio, Dezember 2016. Hanna-Elisabeth und ihre Begleiterin Juliane Ruf haben sich hier vier Tage lang eingeschlossen, um anspruchsvolles Lied-Repertoire aufzunehmen. Repertoire, das sie sich in vielen Liederabenden gemeinsam erarbeitet haben. Eineinhalb Jahre haben sie vor Live-Publikum ausprobiert, immer wieder ihre Auswahl variiert – bis für beide ein rundes Programm feststand. Wie die Zuhörer eines Liederabends damit umgehen, wissen sie also. Aber funktioniert das auch auf CD?

Drei Komponisten – eine stimmige und anspruchsvolle Mischung

Am Anfang waren die "Sieben frühen Lieder" von Alban Berg. Die wollte Hanna-Elisabeth auf jeden Fall aufnehmen. Berg hat sie mit Anfang 20 komponiert und seiner späteren Frau Helene gewidmet.

Hanna-Elisabeth Müller | Bildquelle: belvedere edition Bildquelle: belvedere edition Sie erzählen die Geschichte einer großen Liebe, auch wenn sie ursprünglich gar nicht als Zyklus gedacht waren. Die Lieder bestehen aus typischen spätromantischen Elementen, lassen aber schon moderne, neue Klänge erkennen. Alban Berg hat das Kunstlied des 19.Jahrhunderts einfach weitergedacht.

Aber was passt zu Bergs Liedern dazu? Hanna-Elisabeth und ihre Pianistin Juliane Ruf sind schließlich bei Richard Strauss fündig geworden. Doppeldeutige "Blumen"-Lieder haben sie sich ausgesucht und zu drei stimmigen Sträußen auf der CD gebunden.
Abgerundet wird "Traumgekrönt" von vier schwärmerisch-erotischen Liedern vom jungen Arnold Schönberg aus den Jahren 1899/1900. Da war der allerdings noch nicht so radikal atonal unterwegs und überrascht mit kontrastreichen, spannenden Harmonien.

Insgesamt also ein Programm mit 17 Strauss-Liedern, aus dessen gesamtem Komponistenleben. Zweimal unterbrochen von den späteren Musik-Revolutionären Berg und Schönberg. Und es ist wirklich überraschend, wie harmonisch diese Auswahl daherkommt: Die drei Komponisten ergänzen und kontrastieren sich wunderbar.

Ein homogenes Lied-Duo par excellence

Hanna-Elisabeth Müller führt ihre klare, aber doch volle Stimme souverän durch die schwierigsten Passagen. Komplexe Tonsprünge gehen ihr ganz leicht von den Stimmlippen. Dynamisch lotet sie vom feinsten Pianissimo bis zum starken Forte alles aus, präsentiert sich in vielen unterschiedlichen Klangfarben. Dabei verliert sie nie die Spannung, sie macht sich die Lieder vom ersten bis zum letzten Ton zu eigen. Dazu eine feine Artikulation, die die dichten Texte verständlich macht.

Nur wenn man nicht mehr merkt, wie schwer es ist, hat man ein Lied gemeistert.
Hanna-Elisabeth Müller

In der Pianistin Juliane Ruf hat Hanna-Elisabeth Müller eine sehr gefühlvoll agierende Partnerin an ihrer Seite: Die sich eher im Hintergrund hält und Hanna-Elisabeth eine flexible Basis gibt. In den Vor- und Nachspielen zeigt Juliane Ruf dann aber auch ihre solistische Qualität. Sie bereitet die Gesangsphrasen sehr organisch vor- und nach, ein Genuss.

Fazit: "Traumgekrönt" ist ein eindrucksvolles Solo-CD-Debüt mit Anspruch. Keine Aufnahme zum Nebenbeihören, sondern für konzentrierte 75 Minuten allein mit der Musik. Ihr werdet es nicht bereuen!

CD-INFO

Hanna-Elisabeth Müller (Sopran), Juliane Ruf (Klavier)
„Traumgekrönt“, VÖ 16.06.2017
belvedere edition

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