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U21-VERNETZT mit Nicolas Altstaedt "Wie eine Verlängerung des Körpers"

Die wilden Locken fliegen im Takt durch die Luft, die Augenbrauen sind schmerzvoll zusammengezogen. Wenn Nicolas Altstaedt Bach spielt, spielt alles andere keine Rolle. Der Cellist und sein Cello verschmelzen in der symbiotischen Klangsuche, der Perfektion immer knapp auf den Fersen.

Nicolas Altstaedt bei U21-VERNETZT | Bildquelle: Alescha Birkenholz

Bildquelle: Alescha Birkenholz

Sie sind sich schon sehr nah. Der Cellist Nicolas Altstaedt verbringt sein ganzes Leben mit seinem Instrument: Ein- und Auspacken, Pflegen, Stimmen, Seiten wechseln - es geht immer ums Cello. Die seltenen Momente, wenn Nicolas ohne den sperrigen Kasten auf dem Rücken unterwegs ist, kann man an einer Hand abzählen. "Wir sind miteinander verwachsen, es ist wie eine Verlängerung meines Körpers", sagt der 35-Jährige. Für ihn gab es auch nie eine Entscheidung für oder gegen das Instrument - von Anfang an war es für den gebürtigen Heidelberger etwas ganz natürliches Cello zu spielen. Er hatte auch nie das Bedürfnis, ein anderes Instrument zu lernen. "Selber den Klang zu formen, mit eigenen Händen Musik zu schaffen - das Streichinstrument ist für mich einfach ein unglaublich modulierbares Instrument, und diese Fähigkeit zu modulieren, also mit dem Bogen und mit der linken Hand, das hat mich immer sehr fasziniert."

Nicolas Altstaedt spielt rund 100 Konzerte im Jahr, sein Repertoire weist kaum Lücken auf: Alte Musik, Cello-Klassiker, Zeitgenössisches. Jeden Sommer reist er ins burgenländische Dörfchen Lockenhaus, hier hat er vor ein paar Jahren die Leitung des Kammermusikfestivals vom lettischen Geiger Gidon Kremer übernommen. Viel Schlaf bekommt man so nicht. Bach-Suiten aufnehmen, in der Elbphilharmonie das Haydn-Konzert spielen, zwischendurch ein Projekt mit Zirkusakrobaten. Und ständig: proben, üben, bis zwei Uhr in der Früh im Hotel Partituren studieren. "Diese Woche habe ich vier bis fünf Stunden pro Nacht geschlafen", sagt Nicolas. Er wirkt tatsächlich etwas abgespannt. Doch die dunklen Augen blicken gleichzeitig entschlossen, das markante Gesicht strotzt vor Energie.

Für seinen Erfolg hat Altstaedt eine einfache Erklärung: "Ich merke, dass ein Leben ohne Musik für mich unvorstellbar wäre. Musik geht mir so unter die Haut, dass ich für jedes Projekt brenne. Man muss das, was man tut, wirklich als totale Notwendigkeit empfinden. Und immer 100.000 Prozent geben."

U21-VERNETZT mit Annekatrin Schnur - Sendetermine und weitere Links

2. April 2017, ARD-Alpha, 11.00 Uhr
3. April 2017, BR-KLASSIK Radiosendung ab 21.05 Uhr
3. April 2017, br-klassik.de, Live-Videostream ab 21.05 Uhr

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