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CD des Monats: März Notos Quartett - Hungarian Treasures

Man braucht nicht immer eine Wünschelrute, um verborgene Schätze zu entdecken. Manchmal reicht es auch, wenn die vier Mitglieder eines Quartetts aus Berlin Verschwundenes ans Tageslicht und zum Strahlen bringen.

Notos Quartett | Bildquelle: Notos Quartett

Bildquelle: Notos Quartett

Die Goldgräber sind in diesem Falle das Notos Quartett, das dieses Jahr sein 10-jähriges Bestehen feiert. Dazu gehören Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier). Im Juli 2016 ließen die vier Musiker auf ihrer Facebookseite Folgendes verlauten:

Sensation! Wir haben das Klavierquartett von Béla Bartók wiederentdeckt!
Notos Quartett

Was war passiert? Die vier Musiker hatten in einem Archiv das verschollene, bis jetzt nur zwei Mal aufgeführte Klavierquartett in C-Moll, op.20 wiederentdeckt. Nach der Wiederentdeckung kam die Welt-Ersteinspielung – und dann? Natürlich die Weitergabe an die Öffentlichkeit. Und zwar auf der CD, die am 24. Februar 2017 beim Label RCA Red Seal erschienen ist. "Hungarian Treasures" heißt sie, und macht ihrem Namen alle Ehre mit dem Klavierquartett des zu Kompositionszeiten erst 17-jährigen Bartóks.

Klavierquartett in Fis-Moll von Ernst von Dohnányi, eines der Lieblingsstücke des Notos Quartetts. Der Anfang erinnert kurz an die Moldau von Smetana, sehr schnell entwickelt sich aber ein eigener Stil, sanft-melancholisch bis aufbrausend.

Kurz Verschnaufen kann man bei Zoltán Kodálys Intermezzo für Streichtrio, das die vier Musiker selbst als "Ruhepol zwischen den beiden gewaltigen Hauptwerken" bezeichnen. Dann, die Weltersteinspielung. Gekonnt öffnen die Goldgräber die verstaubte Schatztruhe und bringen den verborgenen Inhalt mit feiner Präzision und viel Gefühl zum Strahlen. Das Stück ist voller funkelnd-schimmernder Energie, ein Goldrausch der Gefühle gleichzeitig. Die Spannungsbögen enden in einem Erguss aus Edelsteinen – der Mythos vom Schatz am Ende des Regenbogens wäre damit also auch bestätigt.

Vielleicht wirkt das professionelle Quartett gleichzeitig so publikumsnah, weil es seine Fähigkeiten nicht nur für sich behält: Es unterrichtet am Royal Northern College of Music in Manchester und leitet seit Herbst 2015 jährlich die "Notos Chamber Music Academy", bei der Ensembles vom Wissen und der Erfahrung ihrer Dozenten lernen können. Auch hier zeigt sich: Weitergabe von Schätzen gehört für das Notos Quartett einfach dazu. Wir freuen uns sehr darüber.

CD-INFO:

Hungarian Treasures - Kammermusik von Bartók, Dohnányi und Kodály

Notos Quartett
Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Violoncello), Antonia Köster (Klavier)

Label: RCA Red Seal

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