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U21 - mit Wettkampfgeist zum Anhören Der Geiger Tobias Feldmann

Die Liste der Wettbewerbe, die Tobias Feldmann schon geknackt hat, ist lang: Königin Elisabeth Wettbewerb, der Internationale Joseph Joachim Wettbewerb, der Deutsche Musikwettbewerb. Bei U21 verrät der Geiger, wie es ihm gelingt, bei musikalischen Wettkämpfen die Nerven zu behalten - und er spielt natürlich live.

Tobias Feldmann | Bildquelle: Kaupo Kikkas

Bildquelle: Kaupo Kikkas

25. Mai 2015. Das Finale des renommierten Königin Elisabeth Wettbewerbs in Brüssel. Tobias Feldmann betritt die Bühne. Er ist einer der zwölf Finalisten, die auf eine der begehrten Auszeichnungen hoffen. Die Anspannung ist groß. Nur eine Woche hatten die Finalisten Zeit, das Auftragswerk für den Wettbewerb zu erarbeiten. Für sieben Tage gingen sie auf Klausur, ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das heißt: kein Telefon, kein Internet, kein Fernsehen. Nur Üben. Und dann muss die Performance wie per Knopfdruck im Finale funktionieren - vor der strengen Jury, vor Publikum im Saal und im weltweiten Livestream. Auch die belgische Königin Mathilde, Schirmherrin des Wettbewerbs, ist anwesend.

Horrorszenario im Finale

Tobias Feldmann beginnt zu spielen. Die Auftragskomposition, das achtminütige Stück des Schweizer Komponisten Michael Jarrell, läuft gut. Und dann passiert's: Am Ende des 1. Satzes des darauffolgenden Violinkonzertes von Béla Bartók reißt plötzlich eine Saite. Ein Raunen geht durch den Saal, alle starren geschockt auf die Bühne: Was macht der arme Finalist jetzt? Doch Tobias behält die Nerven. Ganz selbstverständlich, als ob er es jeden Tag machen würde, reicht er seine außer Gefecht gesetzte Geige dem Konzertmeister, nimmt dessen Instrument - und spielt seelenruhig weiter.

Wettbewerbe als Vorbereitung auf Konzertleben

Heute sagt Tobias über den Königin Elisabeth Wettbewerb von damals: "Das war eine krasse Drucksituation, dort im Finale zu stehen. Danach kommt einem jedes andere Konzert ganz entspannt vor. Man hat ja den größten Stress seines Lebens schon hinter sich." Der 26-Jährige hat sich bewusst dafür entschieden, viele Wettbewerbe zu spielen - als Sprungbrett für seine Karriere. Schließlich kann man als junger Musiker, wenn man erfolgreich teilgenommen hat, oft Folgekonzerte spielen - Medienaufmerksamkeit inklusive.

Musik darf nicht mathematisiert werden, sie soll einfach Emotionen wecken - auch im Wettbewerb.
Tobias Feldmann

Für Tobias kommt es darauf an, mit welcher Einstellung man in einen Wettbewerb startet. Musik könne man schließlich nicht objektiv messen, sagt er. Die Meinungen der Jury-Mitglieder gehen immer stark auseinander. Und wenn man mit diesem Wissen an die Sache rangeht, dann können Wettbewerbe eine tolle Erfahrung sein. Ob er sich in nächster Zeit den Stress eines Wettbewerbs noch einmal antut, weiß der Geiger noch nicht. Seine bis dahin erspielten Preise hat Tobias jedenfalls ganz bescheiden in einem Aktenordner verstaut. "Ich bin niemand, der die Urkunden über sein Bett aufhängt. Ich habe die Erinnerung für mich in meinem Kopf - und das reicht."

Am Montag, 19. Juni 2017 ab 21.05 Uhr ist Tobias Feldmann zu Gast bei U21 und präsentiert seine neue CD "Polychrome".

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