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Geigerin Mariella Haubs beim Vivaldi-Experiment "Rap und Vivaldi passen zusammen"

Am Freitag steigt in Köln das große Finale des Vivaldi-Experiments. Bei dem Projekt "Ein ARD-Konzert macht Schule" steht neben dem Rapper MoTrip auch Mariella Haubs auf der Bühne. U21 hat die Geigerin vor den Proben getroffen.

Mariella Haubs | Bildquelle: Dorothee Falke

Bildquelle: Dorothee Falke

U21: Du hast ja auch in den USA schon gemeinsam mit einem Rapper im Studio gestanden, die aktuelle Zusammenarbeit mit MoTrip beim Vivaldi-Experiment ist also keine ganz neue Angelegenheit für Dich. Von dem amerikanischen Kollegen Mac Miller gibt es auch einen Anti-Trump-Song. Warst Du da auch schon dabei?

Mariella: Mac Miller und ich haben im Februar aufgenommen und sein neues Album ist gerade rausgekommen. Da bin ich auf dem ersten Track zu hören - der heißt "Congratulations". Und ja, er hat einen Donald-Trump-Song gemacht. Das ist aber schon einige Jahre her, da habe ich nicht mitgespielt. Ich spiele ja hauptsächlich klassische Musik, aber es ist schön, auch immer mal wieder was anderes zu tun und den Horizont zu erweitern.

U21: Findest Du, dass das zusammenpasst: Rap und kleine Stückchen - "Fetzen" - von klassischer Musik?

Die Geigerin Mariella Haubs und BR-Reporter Martin Bürkl | Bildquelle: Mariella Haubs Geigerin Mariella Haubs mit BR-Reporter Martin Bürkl am Münchner Hauptbahnhof | Bildquelle: Mariella Haubs Mariella: Ich merke immer wieder, dass jegliche Musik sich doch ziemlich ähnlich ist. Das schöne am Vivaldi-Experiment ist, dass ich wirklich beeindruckt bin, wie gut Vivaldi mit Rap zusammenpasst. Das find ich sehr beeindruckend und faszinierend, wie man einfach ganz unterschiedliche Musik zusammenfügen kann!

U21: Du spielst am Freitag nicht nur mit einem Rapper, sondern auch mit dem WDR-Funkhausorchester. Geht es um alle vier Teile von Vivaldis Jahreszeiten, oder habt Ihr Euch einzelne Schnipsel herausgesucht?

Mariella: Wir spielen Teile von allen Jahreszeiten und verbinden die auch mit einer Geschichte über Waisenkinder in dem Haus, wo Vivaldi unterrichtet hat. Dazu spielen wir Lieder von MoTrip und eben die Musik von Vivaldi. Da wird wirklich alles zusammengemischt und eine Geschichte daraus gemacht.

U21: Wie oft habt Ihr Euch vorher getroffen, um das auszuarbeiten? Werden das jetzt vier ganz harte Tage Arbeit sein, so dass das Konzert am Freitag steht, oder ist alles schon so gut wie fertig?

Mariella: MoTrip und ich haben schon ein bisschen zusammen gespielt. Das Projekt kommt aber wirklich erst jetzt in den nächsten paar Tagen zusammen. Wir haben uns natürlich vorbereitet und viel kommuniziert, wie es ablaufen wird und welche Teile wir spielen wollen. Geprobt wird heute und die nächsten Tage in Köln.

Mariella Haubs

Mariella ist 21 Jahre jung und ist in Hohenschäftlarn bei München aufgewachsen, lebt aber seit vielen Jahren in New York. Dort studiert sie Geige an der renommierten Julliard School bei Itzhak Perlman. U21-Reporter Martin Bürkl hat sie am Montagmorgen am Münchner Hauptbahnhof abgefangen, bevor es für Mariella mit dem Zug zu den Proben nach Köln weiterging.

U21: Wie sahen Eure Vorbereitungen genau aus? Habt Ihr über der Partitur von Vivaldi gebrütet, oder einfach drauf los musiziert?

Mariella: Wir waren anfangs in einem Jugendzentrum und haben dort mit den Jugendlichen gearbeitet und zusammengespielt. Und dann waren wir kurz im Studio und er hat seine Songs gerappt. Ich habe dann versucht rauszuhören, was im Hintergrund passiert und erst einmal einfach mitgespielt. Das haben wir später nacheinander aufgenommen. Diese Projekte haben zwei Tage gedauert, aber jetzt - ab heute Nachmittag - bereiten wir uns auch wirklich auf das Konzert vor.

U21: Hast Du schon bei ähnlichen Projekten in New York mitgemacht?

Mariella: Speziell die Jahreszeiten habe ich noch nie mit Rap verbunden. Gerade habe ich in der Carnegie Hall gespielt, im Rahmen der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Da haben wir mit einem DJ zusammengearbeitet, der etwas für Streichquartett und elektronische Musik geschrieben hat. Ich merke, dass sich Pop- und Hip-Hop-Musiker zunehmend Streicher wünschen. Das ist natürlich schön, dass das auch wirklich wieder "in" wird!

U21: Wird in New York auch von Nachwuchsproblemen in Sachen klassischer Musik gesprochen?

Mariella: Das Thema, dass man auch junge Leute für klassische Musik begeistern will, gibt es dort genauso wie hier in Deutschland, da gibt's auch viele Cross-Over-Projekte für Schüler. Aber ich persönlich sehe das nicht so kritisch. Bis jetzt sind meine Konzerte voll, und ich sehe, dass da auch junge Leute dabei sind - und es gibt ja auch viele junge Leute, die Musik machen wie ich. Ich glaube, wenn Menschen älter werden, mögen sie auch mehr klassische Musik. Also ich sehe da nicht so eine Katastrophe, wie sie oft dargestellt wird!

Das Interview für U21 führte Martin Bürkl.

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