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Die besten Soundtracks aus der Serie "Game of Thrones" Gänsehaut und Größenwahn

"Game of Thrones" hat den größten Hype ausgelöst, den es je um eine Serie gab. Das Epos um Intrigen, Sex und Gemetzel hat dem Fantasy-Genre Millionen neuer Fans beschert. Die Musik zu den atemberaubenden Bildern hat der gebürtige Duisburger Ramin Djawadi geschrieben. Die BR-KLASSIK-Redaktion hat für Sie die Highlights aus dem GoT-Soundtrack von "Rains of Castamere" bis "Light of the Seven" zusammengestellt. (Achtung: Spoiler!)

Bildquelle: Macall B. Polay / HBO

Titelmusik

Mit diesem Vorspann fing 2011 alles an: treibend, dramatisch, episch. Der Hans Zimmer-Schüler Ramin Djawadi hat hier zur Perfektion gebracht, was er einst bei der Mitarbeit an "Fluch der Karibik" oder "Thunderbirds" gelernt hat. Der Wunsch der Filmemacher an den Komponisten war: Trotz des auf ein populäres Mittelalterbild aufbauendes Settings soll die Musik nicht mittelalterlich, sondern modern klingen. Also setzt Djawadi auf Synthi-Klänge, um den Anschluss an die heutige Zeit zu schaffen und eine Referenz zur Video-Game-Ästhetik des Vorspanns herzustellen. Das Cello sorgt für die dunklen Klangfarben und dramatische Chorklänge verleihen der Fantasy-Reihe (noch mehr) Pathos. Das Ganze wird von Trommel-Beats, die an Sandalenfilme erinnern, angetrieben. Alles richtig gemacht: So klingt ein echtes Epos!
Klar, dass das nicht nur einmal parodiert wurde (allein von den Simpsons mindestens zweimal).

Daenerys' Theme

Da die Welt in "Game of Thrones" sehr komplex ist, konnte unmöglich jeder Charakter ein eigenes Leitmotiv bekommen. Also hat sich der Komponist Ramin Djawadi auf Motive für die Familien und die wichtigen Charaktere beschränkt. Daenerys Targaryen, erklärte Djawadi im BR-KLASSIK-Interview, bekam ein Leitmotiv, das sich mit ihr weiterentwickelt, vom ersten Auftreten bis zum Schlüpfen der Drachen und darüber hinaus. Für Daenerys Targaryens Thema, und auch für das des Volkes der Dothraki, setzte Djawadi, der leidenschaftlich ethnische Instrumente sammelt, auf traditionelle Klänge wie japanische Taikos-Trommeln oder die Duduk – ein armenisches Blasinstrument.

Regen von Castamaer (Rains of Castamere)

Schon in den Büchern von George R. R. Martin, die als Serienvorlage für "Game of Thrones" dienten, hat dieses Lied eine ganz zentrale Funktion: Es erzählt die Geschichte, wie das Haus Lennister (im Original Lannister) einst das konkurrierende Haus Regn von Castamaer (Reyne of Castamere) besiegt hat. Es wird seither quasi als Ruhmeshymne, die die Feinde Lennister einschüchtern soll, verwendet. Der Text lebt vom Wortspiel: "Doch Regn beweint nun die Burg, und niemand hört ihn mehr / Ja, Regen fällt auf seine Burg und niemand hört ihn mehr."
Aber, wie es dem Medium Buch nun mal eigen ist, wusste lange keiner, wie dieses Lied eigentlich klingt. Für die zweite Staffel von GoT musste Ramin Djawadi diese Frage beantworten. Und zwar so, dass jeder, wenn er nur die Melodie hört, bereits ohne den Text versteht, dass das "Rains of Castamere" sein muss. Das Lied war der einzige Teil des Soundtracks, der vor den Dreharbeiten fertig sein musste; es wird in der ersten Folge der zweiten Staffel von Tyron gepiffen und in späteren Folgen auch gesungen. In der zweiten und dritten Staffel nimmt der Score das Thema immer wieder auf und verdichtet es zu einer Art Leitmotiv der durchtriebenen Familie Lennister, bis hin zur berüchtigten "Roten Hochzeit" am Ende der dritten Staffel. Darüber hinaus wird es bis Staffel Sieben weiterentwickelt, etwa bei Cerceis Krönung am Ende der sechsten Staffel. Hier eine Coverversion, die wirklich durch Mark und Bein geht.

Goodbye Brother

"Goodbye Brother" ist das Leitmotiv der Familie Stark – und auch eine Art Abgesang auf die Familie. Das Thema begleitet sie ab der zweiten Folge in der ersten Staffel, wo es zunächst tatsächlich nur um einen Abschied geht. Nach und nach illustriert das Thema Veränderungen und schmerzhaften Erkenntnisgewinn, aber auch den Tod von Familienmitgliedern. Besonders prägnant ist das am Ende der fünften Staffel. Aber auch in der finalen Staffel sorgt das Thema für Intensität. 2018, bei der Welttournee "Game of Thrones live in Concert" sorgte "Goodbye Brother" für einen besonderen Gänsehautmoment, mit Rosenblüten und einer schwindelfreien Geigerin.

Light of the Seven

Staffel sechs, Folge zehn – das Staffelfinale wartet gleich mit zwei der besten Musiken aus GoT auf. In den ersten Minuten geht es richtig zur Sache, in guter "Game of Thrones"-Tradition wird mit lange aufgebauten Erwartungen gebrochen und spektakulär gestorben. Nur so viel: Aus Rache wird die Kathedrale in Westeros von Seefeuer vernichtet. Die komplette Sequenz wird untermalt von "The Light of the Seven". Djawadi will hier genauso wie das Drehbuch überraschen und setzt zum ersten Mal überhaupt im Soundtrack zu "Game of Thrones" das Klavier ein. "Es gibt kein Instrument, das uns so geeignet schien, wie das Klavier", erklärte Ramin Djawadi. "Das Klavier kann gleichzeitig Angriff und Zerfall vermitteln, dadurch, dass es eben den harten Anschlag einer Note und das Ausklingen der Töne hat, die ein mulmiges Gefühl hinterlassen." Während der fast zehnminütigen Sequenz beginnt man nach und nach zu begreifen, was passiert (wie Hardcore-Fans das erlebt haben, sieht man wunderschön hier), und genauso langsam entfaltet sich die Musik.

Von einem einfachen Motiv und seiner Verabeitung, über die Insturmentierung mit Cello und Orgel, zwei Knabenstimmen (die Kinder mit Dolchen im Blutrausch charakterisieren), bis hin zum großen Orchester erzeugt Djawadi durch ein kontinuierliches Crescendo, das immer wieder unterbrochen und neu aufgebaut wird. Fast quälende Spannung – die sich schließlich in der Explosion des Seefeuers entlädt. So schön kann Größenwahn sein.
Hier "The Light of the Seven" live mit Ramin Djawadi bei der Welttournee "Game of Thrones live in Concert", 2018.

Ein minimalistisches Thema baut Spannung auf. Man hat das Gefühl, man wartet auf etwas, ohne zu wissen, auf was.
Ramin Djawadi über 'Lights of the Seven'

The Winds of Winter

Staffel sechs, Folge zehn, zum Zweiten: Umjubelt von den Fans an den Bildschirmen segelt Daenerys am Ende der Folge und damit der Staffel gen Westeros, begleitet von ihren Drachen. Dazu: epische Chorklänge von Ramin Djawadi. Online wurde viel diskutiert, was genau da gesungen wird und ob in den Gesängen vielleicht eine versteckte Botschaft steckt. Aber Djawadi ging bei der Komposition äußerst pragmatisch vor. Die Lyrics seien zwar von der Valyrischen Sprache inspiriert, der Chor sänge aber keinen Text im eigentlichen Sinne, eher Klangbilder, erklärte Djawadi. Er wolle nicht, dass das Publikum zu viel hineininterpretiere. Die fehlende Botschaft nimmt der Sequenz dennoch nicht ihren Zauber. Zeit für Gänsehaut.

Stargast Ed Sheeran

Der britische Popsänger Ed Sheeran, der sich mit seinem (für die Pop-Branche erfrischend natürlichem) Erscheinungsbild bruchlos ins GoT-Universum einfügt, kam in Staffel sieben, Episode eins zu seinem Cameo-Auftritt als Lennister-Soldat. Klar, dass er ein Liedchen am Lagerfeuer singen durfte: einen neuen Song namens "Hands of Gold". Den Gerüchten nach war sein Auftritt eine Überraschung für die Schauspielerin Maisie Williams, die Arya Stark in der Serie verkörpert und ein großer Fan von Ed Sheeran sein soll. In der Sequenz stößt Arya zum Lagerfeuer dazu und verbringt ein paar ruhige Momente, bevor sie weiter in den Kampf zieht. Von Ed Sheerans Charakter erfährt man übrigens im späteren Verlauf der Serie, dass ihm in einer Schlacht die Augenlider verbrannt wurden ...

Der Nachspann - A Song of Ice and Fire

Im Mai 2019 war es vollbracht – die letzte Folge der finalen Staffel acht war ausgestrahlt. Die Staffel, die genug Inhalt hätte, um fünf weitere Staffeln zu füllen, die Staffel, in der jede Folge rund 15 Millionen Dollar gekostet hat, die Staffel in der ein Kaffeebecher im Bild stand. Die zweite Staffel, während der die Macher längst für ein anderes Projekt bei Netflix unterschrieben und möglicherweise ihre Gedanken bereits dort hatten. Die Fans - not amused. Vielleicht war es aber auch gar nicht möglich, die hohen Erwartungen zu erfüllen.
Dennoch: Ramin Djawadi machte seinen Job. Für den letzten Nachspann gab es eine extra lange, extra feierliche Version der End Credits, deren Musik auf der Vorspannmusik basiert. Ähnlich wie am Ende von Staffel vier wurde auch hier in der Nachspannmusik gesungen, allerdings mit einem anderen Text. Auch hier hüllte sich Djawadi über die Bedeutung in Schweigen, und erklärte abermals, die Worte seien von der Valyrischen Sprache inspiriert. Ein bisschen gerätselt darf also auch nach dem Ende des Epos werden ...