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Wieder mehr Konzertabsagen Die zweite Welle erreicht die Bühnen

In vielen Ländern nehmen die Corona-Fallzahlen in den letzten Tagen und Wochen wieder zu. Für die Konzertbranche, die sich zuletzt Hoffnungen auf weitere Lockerungen machte, sind das düstere Aussichten. Erste Orchester zogen diese Woche Konsequenzen – bis hin zur Saisonabsage.

Bildquelle: picture alliance/imageBROKER/Hans Zaglitsch

Eigentlich waren Konzerte und Veranstaltungen in der "neuen Normalität" angekommen. Auch in Donaueschingen waren alle Vorbereitungen für die Musiktage getroffen. Aber dann gaben die Donaueschinger Musiktage kurzfristig bekannt, dass das Festival für Neue Musik nicht stattfinden wird. "Der Schmerz sitzt tief", kommentierte der künstlerische Leiter Björn Gottstein die Situation. Heute wäre es losgegangen. Bereits vergangene Woche sagten die Regensburger Domspatzen alle Advents- und Weihnachtskonzerte ab. Für die Chorszene, die von der Corona-Krise ohnehin schwer getroffen eine weitere Hiobsbotschaft.

Staatskapelle Berlin nicht auf Europa-Tournee

Daniel Barenboim und seine Staatskapelle Berlin müssen coronabedingt ihre Tournee absagen. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Die angespannte Pandemie-Situation in vielen europäischen Ländern sowie geltende Reisebeschränkungen haben auch die Pläne der Staatskapelle Berlin durchkreuzt. Chefdirigent Daniel Barenboim musste eine geplante Europa-Tour streichen. Es habe sich gezeigt, dass die vom 6. bis 22. November geplante Tournee nach Paris, Athen und Wien nicht möglich sei, hieß es in einer Mitteilung der Staatsoper Unter den Linden. Geplant waren Konzerte mit einem Beethovenzyklus. Stattdessen setze man nun alles daran, in Berlin weiterhin so viel Kultur wie möglich realisieren zu können.

Verschärfte Maßnahmen in den Niederlanden

Schlechte Nachrichten kamen auch aus den Niederlanden: Vor zwei Tagen kündigte die Regierung wegen steigender Infektionszahlen strengere Corona-Maßnahmen an. In Innenräumen dürfen sich jetzt nicht mehr als dreißig Personen aufhalten. Damit erlischt auch eine Sonderregelung für das Amsterdamer Concertgebouw, wo bisher vor bis zu 250 Leuten gespielt werden durfte. Das Concertgebouw-Orchester sagte daraufhin alle Konzerte bis Anfang November ab. Erst nach weiteren Informationen der Regierung, kann das Orchester entscheiden, wie es weitergehen wird.

Saisonabsagen in den USA

Konzerte auf dem Pick-Up: Bandwagon der New York Philharmonics | Bildquelle: New Yorker Philharmoniker Ein Blick in die Kulturmetropole New York gibt leider ebenso wenig Anlass zur Freude: Die Corona-Krise hat die Stadt besonders hart getroffen. Die Theater am Broadway bleiben bis Ende Mai nächsten Jahres geschlossen. Und nach der Metropolitan Opera, haben nun auch die New York Philharmonics aufgrund der Pandemie ihre komplette Saison abgesagt. Bis einschließlich Mitte Juni 2021 werden keine regulären Konzerte stattfinden, teilten die Philharmoniker nach Absprache mit Gesundheitsexperten mit. Es ist das erste Mal in der fast 180-jährigen Geschichte des Orchesters, dass eine gesamte Saison abgesagt wird. Die Orchestermusiker gaben sich zuletzt optimistisch, dass sie bereits im Januar 2021 wieder auftreten können. Mit kleinen Konzerten an öffentlichen Orten und auf Pick-Up-Trucks versuchen sie derzeit, ihr Publikum zu erreichen und so die Pandemie-Zeit zu überbrücken.

Finstere Zukunftsperspektiven

Uterm Hammer: Royal Opera House versteigert Gemälde von David Hockney beim Auktionshaus Christie's um an Geld zu kommen. | Bildquelle: CHRISTIE'S IMAGES LTD. 2020 Für viele Musikerinnen und Musiker bleiben die Aussichten für die nächsten Monate weiterhin düster. In England hat das Londoner Royal Opera House angekündigt, ein Gemälde von David Hockney zu versteigern, um die finanziellen Verluste durch die Pandemie etwas aufzufangen. Unterdessen haben über tausend Musikerinnen und Musiker einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie eine stärkere Unterstützung von Seiten der britischen Regierung fordern. Außerdem machen sie sich in dem Schreiben für eine Art monatliches Grundeinkommen für freischaffende Künstler stark, um so durch die Krise zu kommen. Zu den Unterzeichnern zählt auch das London Symphony Orchestra mit seinem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Er hatte schon vor Monaten die prekäre Lage internationaler Orchester beklagt. Im BR-KLASSIK-Interview sagte er, man dürfe "die Überlebensfrage von Orchestern zu keinem Zeitpunkt vergessen".

Sendung: "Allegro" am 15. Oktober ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK