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Album der Woche: Fazıl Say Werke für Violine

Der Türke Fazıl Say ist nicht nur einer der bekanntesten Pianisten des Landes, sondern arbeitet seit Jahren auch sehr erfolgreich als Komponist. In seinen über 80 Werken verschmilzt zeitgenössische Kompositionssprache mit türkischer Kunstmusik. Für seine neue CD, die gerade auf Naxos erschienen ist, hat er sich Verstärkung vom Geiger Friedemann Eichhorn geholt. Zusammen haben sie sämtliche Werke von Fazıl Say für Violine eingespielt. Unterstützung bekommen sie von der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Leitung von Christoph Eschenbach.

CD-Cover Fazil Say Complete Violin Works | Bildquelle: Naxos

Bildquelle: Naxos

Die CD-Empfehlung zum Anhören

Melancholisch und Gedanken verloren beginnt Fazıl Say seine Sonate. Als wären Klavier und Violine tief versunken in gemeinsamen Weltschmerz. Doch hier wird nicht nur romantisch lamentiert und leidvoll geklagt. Immer wieder durchbrechen Fazıl Say und Geiger Friedemann Eichhorn den elegischen Schleier und lassen kleine Hoffnungsschimmer durchscheinen. Sehnsuchtsvoll klingt die Musik, als suche sie nach einer verlorenen Welt, irgendwo in der Ferne. Fast wiegt einen die Musik in schwelgerischer Sicherheit: Bevor der harmonische Klangteppich dann plötzlich aufreißt, und sich Klavier und Geige in hämmernde Maschinen verwandeln.

Kurz und bündig

Dieses Album wird lieben, wer …
… eine moderne Interpretation orientalischer Klangwelten entdecken möchte.

Dieses Album ist ein Hörgenuss, weil …
…die Musik einen vom ersten bis zum letzten Ton fesselt.

Dieses Album hat gefehlt, weil …
… es sämtliche Werke von Fazil Say für Violine bündelt.

Fantasievolles Spiel mit Klischees

Das fantasievolle Spiel mit Klischees hat besonders bei der zweiten Violinsonate Konzept: Wie in einer Tondichtung zeichnet Fazıl Say hier die Zerstörung der Natur durch den Menschen nach. In drei Sätzen malt Say, der sich immer auch als politischen Künstler verstanden hat, schillernde Orientbilder aus längst vergangenen Tagen. Doch immer wieder werden sie von der Realität überholt und in Trümmer geschlagen. Tradition und Modernde – dieses Spannungsfeld zieht sich durch die Kompositionen wie ein roter Faden.

Dass sich Fazıl Say schon lange intensiv mit der Musiktradition Vorderasiens auseinandersetzt, hört man auch in seinem Violinkonzert "1001 Nights in the Harem" von 2007. Hier bringt er seine türkische Herkunft nicht nur kompositorisch, sondern auch in der Instrumentation ein. Schlaginstrumente wie Kudüm, Dabuka und die Rahmentrommel Bendir lassen eine märchenhafte Klangwelt entstehen.

Zündende Überraschungsmomente

Geiger Friedemann Eichhorn webt die orientalischen Melodiepattern schwungvoll ins orchestrale Geflecht hinein. Die Deutsche Radio Philharmonie unter Christoph Eschenbach reagiert dazu blitzschnell auf die rasanten Tempiwechsel und zieht einen, gerade in den rhythmisch-vertrackten Passagen, ganz in seinen Bann.

Dank der großartigen Leistung aller beteiligten Musiker, zünden die Überraschungsmomente in Fazıl Says Kompositionen und lassen die Musik wie ein Feuerwerk in bunten Klangfarben erstrahlen. Das ist packend, spannend und in all der Vielfalt ein fast magischer Hörgenuss.

Infos zur CD

Fazıl Say:
Violinkonzert "1001 Nights in the Harem"
Violinonate Nr. 1 op. 7
Violinonate Nr. 2 op. 82 "Mount Ida"
Cleopatra für Violine solo

Friedemann Eichhorn, Violine
Fazıl Say, Klavier
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Leitung: Christoph Eschenbach

Label: Naxos

Sendung: "Piazza" am 22. August 2020, 08:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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