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CD - Georg Philipp Telemann Triosonaten für Blockflöte, Violine und Continuo

Schloss Esterházy: Diesen musikgeschichtlich so bedeutsam aufgeladenen Ort wählte der Blockflötist Erik Bosgraaf für seine Aufnahme der Triosonaten von Georg Philipp Telemann. Eine Sternstunde zum ausklingenden Telemann-Jahr.

CD-Cover: Georg Philipp Telemann - Triosonaten für Blockflöte, Violine und Continuo | Bildquelle: Berlin Classics / Edel

Bildquelle: Berlin Classics / Edel

Der CD-Tipp zum Nachhören

Ein Saal mit Geschichte. Hier, auf Schloss Esterházy, wirkte einst Joseph Haydn und führte unzählige seiner Werke auf. Diesen altehrwürdigen, musikgeschichtlich so bedeutsam aufgeladenen Ort wählte Erik Bosgraaf für seine Aufnahme der Triosonaten für Blockflöte, Geige und Basso continuo von Georg Philipp Telemann. Nicht nur wegen der Prominenz und den akustischen Qualitäten hat er sich für den Saal entschieden; zugleich ist es auch eine Verbeugung vor der galanten Schreibweise Telemanns, einer wichtigen Komponente der stilistischen Veränderung vom Barock hin zur frühen Klassik. Ohne Telemann wäre Haydn so sicher nicht möglich gewesen.

Komponist der zweiten Reihe?

Lange galt Telemann als Komponist der zweiten Reihe hinter den alles überragenden Bach und Händel. Eine Legende, an der die Musikauffassung der Romantik nicht ganz unschuldig ist, und mit der auch dank des ausklingenden Telemann-Jahrs nun endgültig aufgeräumt wurde. Nicht zuletzt die immer hochwertigeren und sorgfältigeren Einspielungen belegen das Ausnahmetalent des berühmtesten deutschen Komponisten seiner Zeit. Was Erik Bosgraaf hier zusammen mit Dmitry Sinkovsky, Balázs Máté und Alexandra Koreneva vorlegt, ist allerdings seinerseits eine Ausnahmeerscheinung.

Grenzüberschreitende Neugier

Der Blockflötist Erik Bosgraaf ist bekannt für seine experimentierfreudige und grenzüberschreitende Neugier auch im Bereich der Neuen Musik und des Jazz. Sein Spiel ist ungemein farbreich und ausdrucksstark, er reizt die Möglichkeiten seines Instruments weit aus, um ihm das letzte Quäntchen Expressivität und lebendiger Musikgestaltung zu entlocken. Sein idealer Sparringspartner ist Dmitry Sinkovsky, der ebenfalls höchst vielseitig auch als Countertenor und Dirigent in Erscheinung tritt, hier aber in seinem Hauptmetier als Barockviolinist überzeugt.

Dieses rasante, lust- und phantasievolle Miteinander entspricht ganz der Anlage dieser Kompositionen. Telemann hat in seinen Triosonaten eine echte Gleichberechtigung der beiden führenden Instrumente auskomponiert, der Fokus liegt auf Melodie und Musikalität, das virtuose Element kommt aus der Interpretation. Die äußerst idiomatische Handhabung verschiedenster Instrumente bei Telemann ist mittlerweile schon legendär und lässt genau den Freiraum, den sich ein kreativer Musiker wünscht.

Außergewöhnliches Musikerlebnis

Die Continuogruppe steht den beiden Solisten in nichts nach und ist mit Balázs Máté, Cello, und Alexandra Koreneva am Cembalo höchstklassig besetzt. Schön, wie das Cembalo den Klang satt auffüllt, ohne dabei eine übergroße Präsenz zu bekommen. Gemeinsam entfaltet diese Gruppe einen so frischen und vor musikalischer Energie geradezu berstenden Telemann, der begeistert und Staunen macht. Wer nun aber denkt, das Ganze sei vielleicht ein Blendwerk, der irrt gewaltig. Auch nach mehrmaligem Hören tun sich noch neue Schichten auf und es gibt es immer wieder anregende Details zu entdecken. Ein ganz außergewöhnliches Musikerlebnis, dass man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Georg Philipp Telemann - Triosonaten für Blockflöte, Violine und Continuo

Erik Bosgraaf (Blockflöte), Dmitry Sinkovsky (Violine), Balazs Mate (Cello), Alexandra Koreneva (Cembalo)
Label: Berlin Classics

Sendungsthema aus "Tafel-Confect" vom 26. November 2017, 12.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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