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Bibiana Beglau beim Mozartfest Augsburg "Ein neuer Klang, der den Kopf öffnet"

Die Passion Christi beeinflusste zahlreiche Künstlerinnen und Künstler. Auch Joseph Haydn. Dessen "Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuz" führt das Cuarteto Casals nun beim Mozartfest Augsburg auf. Dazu liest Bibiana Beglau. Und setzt dem christlichen Leiden und Erlösen etwas ganz Weltliches entgegen.

Bibiana Beglau | Bildquelle: Rafaela Pröll

Bildquelle: Rafaela Pröll

BR-KLASSIK: Bibiana Beglau, 2016 haben Sie in München einen Text von Samuel Beckett zur Musik von Morton Feldmann gesprochen. Jetzt holen Sie in Augsburg Joseph Haydns "Sieben letzte Worte unseres Erlösers am Kreuz" in einen weltlichen Kontext. Denn in Robert Seethalers Roman "Das Feld", der auf einem Friedhof spielt, da wird pro Kapitel je ein Verstorbener aus seinem Leben erzählen. Bleibt da vom ursprünglichen Passions-Gedanken noch etwas erhalten?

Bibiana Beglau: Was ist eine Passion? Könnte man sich ja fragen. Natürlich, in der Zeit von Joseph Haydn, hatte das Kirchliche eine hohe Relevanz und gerade natürlich in der klassischen Musik als ewiges Thema. Das krasseste, das es in unserem katholischen Glauben gibt, ist die Passion. Aber man könnte ja auch sagen, jedes Leben hat eine Passion. "Im Feld" von Robert Seethaler könnte man auch sagen, die Toten gucken auf ihre lebende Passion zurück. Also wenn man so einen Gedankenspagat machen wollen würde.

Bibiana Beglau in Augsburg

Zum Konzert des Cuarteto Casals beim Mozartfest in Augsburg liest Bibiana Beglau aus Robert Seethalers "Das Feld". Am Samstag, 13. Mai, ab 19:30 Uhr im Kleinen Goldenen Saal. Mehr Infos finden Sie hier.

BR-KLASSIK: Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, diese Prosa des gebürtigen Wieners Seethaler mit Haydn zu verknüpfen?

Bibiana Beglau: Ich bin ja nie alleine. Es gibt dann immer noch einen Mitorganisator. Und da haben wir Vorschläge besprochen. Und so kam das dann zustande.

Was ich schätze, ist wirklich die feine Beobachtung.
Bibiana Beglau

BR-KLASSIK: Robert Seethaler hat mal gesagt: Schreiben ist für mich, als würde ich dem Schweigen Worte abbringen. Was mögen Sie an seiner Kunst des Formulierens?

Bibiana Beglau: Die absolute Einfachheit. Er hat einen ganz einfachen, sehr klaren und immer liebevollen Blick, auch wenn er es mal hier und da knacken lässt und knattern. Knattern. Das ist ein Wort, das kenne ich jetzt wieder aus seiner Literatur, das benutzt er ganz oft. Was ich schätze, ist wirklich die feine Beobachtung, eine ganz feine, liebevolle Beobachtung und er ist sehr den Menschen zugewandt. Er hat keinen Zynismus für die Menschen. Er sucht den Witz. Und das mag ich wahnsinnig gern. Ich finde ihn einen ganz tollen Autor.

Beglau und Seethaler haben sich nie getroffen

BR-KLASSIK: Dem kann ich mich absolut anschließen. Robert Seethaler ist ja selbst auch Schauspieler. Also ein Kollege von Ihnen. Kennen Sie ihn persönlich, und wenn ja, kennt er dieses Projekt, seine Literatur mit Haydn zusammenzubringen?

Bibiana Beglau: Nein, wir haben uns noch nicht getroffen. Aber ich habe auch schon darüber nachgedacht, ihm Bescheid zu sagen und einfach in die Berliner Markthalle zu gehen und ihn auf einem Würstchen einzuladen und zu sagen, ich lese deine Texte.

BR-KLASSIK: Das Cuarteto Casals und Sie wechseln sich ja immer ab mit Musik und Text. Haben Sie schon eine Ahnung, inwieweit Sie möglicherweise die gespielte Musik beeinflussen wird beim Lesen?

Bibiana Beglau: Ich hoffe sehr. Weil ich immer sehr statisch lese, um eben dem Autor den Raum zu geben. Ich versuche, mich nicht über den Text zu stellen oder damit irre Sachen zu machen. Es sei denn, es ist eine Leseperformance. Nein, ich versuche, dem Text zu folgen und hoffe, dass aber die Musik dann nicht irgendwie untermalerisch ist, sondern dass es wirklich zusammen einen Klang ergibt. Einen neuen Klang, der den Kopf öffnet, darauf setze ich.

Sendung: "Leporello" am 12. Mai 2023 ab16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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