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Sänger Charles Aznavour ist tot Der Mann der tausend Lieder

Der französische Chansonnier Charles Aznavour ist mit 94 Jahren gestorben. Das teilten seine Sprecher am Montag mit. Der Sänger mit armenischen Wurzeln wurde mit Liedern wie "La Bohème" und "Emmenez-moi" berühmt. Insgesamt schrieb er rund 1300 Chansons.

Der französische Sänger und Schauspieler Charles Aznavour während eines Auftritts in Düsseldorf (Archivfoto von 1970) | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Ein Nachruf von Roland Biswurm

Ein entscheidender Moment seiner Karriere war die Begegnung mit Edith Piaf, die 1946 auf ihn aufmerksam wurde. Sie nahm den jungen Sänger mit auf eine Tournee durch Frankreich und die Vereinigten Staaten. Aznavour komponierte zunächst Lieder für den "Spatz von Paris", doch als sich ihre Wege nach dem Zweiten Weltkrieg trennten, hatte er bald selbst Erfolg als Chansonnier. Dabei hatte man ihn zunächst als "Zwerg mit Krächzstimme" verunglimpft.

Charles Aznavour - der "französische Frank Sinatra"

Mit seinem Auftritt im Pariser «L'Olympia» im Jahr 1956, dem Epizentrum des französischen Chansons, gewann der Sänger mit den armenischen Wurzeln das Großstadt-Publikum. Fortan füllte er die Konzertsäle in Deutschland, England, Russland und Amerika - und wurde zum "französischen Frank Sinatra".

Truffaut und Schlöndorff - der Erfolg im Kino

Auf die Kino-Leinwand schaffte es Aznavour im Jahr 1960 mit «Schießen Sie auf den Pianisten» von François Truffaut. Mit der Oscar-prämierten Verfilmung «Die Blechtrommel» von Volker Schlöndorff wurde er als Schauspieler auch in Deutschland bekannt. Insgesamt spielte er in über 70 Filmen mit - eine Zahl allerdings, die sich im Vergleich zu seinen 1300 Chansons geradezu bescheiden ausnimmt.

Aznavour als Botschafter Armeniens

Porträt: Charles Aznavour, armenisch-franzoesischer Chansonnier und Schauspieler, sowie armenischer Botschafter in der Schweiz und den Vereinten Nationen in Genf, besucht das FIFF Filmfestival in Fribourg, Donnerstag, 21. Maerz 2013 | Bildquelle: © picture alliance/KEYSTONE Charles Aznavour 2013 beim Besuch des Filmfests in Fribourg, Schweiz | Bildquelle: © picture alliance/KEYSTONE Nach Ärger mit dem französischen Fiskus in den 70er-Jahren ließ Aznavour sich mit seiner schwedischen Frau in der Nähe von Lausanne am Genfer See nieder. In der Schweiz wurde er auch zum Botschafter Armeniens und vertrat sein Land am Genfer Sitz der Vereinten Nationen.

Charles Aznavour war dreimal verheiratet und Vater von sechs Kindern. Er stand bis ins hohe Alter auf der Bühne. In einem Interview hatte er sich einmal gewünscht, zu seinem 100-jährigen Geburtstag als ältester Sänger auftreten zu können.  

Aznavour starb in der Nacht zum Montag im südfranzösischen Alpilles, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf seine Sprecher meldete.

Sendung: Leporello am 1. Oktober ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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