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Kritik – Mozarts "Così fan tutte" in Luzern Endlich wieder in die Oper!

Oper live erleben – geht leider nicht in München, Hamburg oder Berlin, aber in der Schweiz. Hier gilt seit kurzem: 50 Personen im Saal, mit Maske und Abstand. Nach Basel öffnete nun das Luzerner Theater seine Pforten und zeigte Mozarts "Così fan tutte", inszeniert von Max Hopp, den man vor allem als Theater- und Fernsehschauspieler kennt.

Szene aus der Aufführung von Così fan tutte im Luzerner Theater | Bildquelle: ®IngoHoehn

Bildquelle: ®IngoHoehn

Zuletzt performte Max Hopp im Januar in der Operette "Schön ist die Welt" an der Bayerischen Staatsoper, das gab es nur als Stream, versteht sich. Jetzt also Opernregie. Ein schweres Stück. Weil Mozart und Da Ponte in der "Così" eine unvergleichlich komplexe Mischung aus Melancholie und Witz, derbem Humor und tiefer Menschen(er)kenntnis schufen. Zwei Paare führt der von der Liebe enttäuschte Don Alfonso auf gefährliches Glatteis. Sind die Damen den Herren wirklich treu? Die Männer werden – vermeintlich – zum Militär eingezogen, zwei – vermeintlich – albanische Prinzen brechen in die traute Frauenzweisamkeit ein und kurz vor Ende des Stücks wird geheiratet. Dumm nur, dass es die verkleideten 'Soldaten' sind und dass sich die Paare über Kreuz gefunden haben ...

Escape Room der Gefühle

Max Hopp inszeniert mit sicherer Hand, fein nuanciert, dabei sehr liebevoll diese unsterbliche Geschichte, allerdings zeigt er Leute von heute. Don Alfonso (tolle Stimme, tolles Spiel: Vuyani Mlinde) und seine Mitarbeiterin Despina betreiben offenbar eine Event-Agentur für gelangweilte Paare. Alfonso schlägt ein Spiel mit Verkleidung und Treueschwüren vor und man wirft sich munter ins Geschehen. Doch bald entsteht eine Art Escape Room der Gefühle, obwohl die Damen rasch wissen, dass alles nur Spiel ist, kommen wirkliche Emotionen auf – und zwar über die Bande.

Moderne Männer flehen um Vergebung

Szene aus der Aufführung von Così fan tutte im Luzerner Theater | Bildquelle: ®IngoHoehn Sydney Mancasola (Fiordiligi), Josy Santos (Dorabella), Jason Cox (Guglielmo), Diego Silva (Ferrando) in Luzerner "Così fan tutte" | Bildquelle: ®IngoHoehn

Glänzend zeigen Fiordiligi (bezaubernd: Sydney Mancasola) und Dorabella die zunehmende Unsicherheit ihrer Herzen, während allmählich auch Guglielmo und Ferrando (mit großem Charme: Diego Silva) ins emotionale Grübeln geraten. Ein Spiel der Verwandlung und Befragung ist dies, keine alberne Verwechslungsklamotte. Besonders schön gelingt das Finale, ja, es finden sich die anfänglichen, richtigen (?) Paare wieder, jedoch knien die Männer vor ihren Angebeteten und bitten um Verzeihung, im Original müssen die Frauen buchstäblich zu Kreuze kriechen, damit die Gatten ihnen huldvoll vergeben.

Ohne Längen, ohne Einschränkungen

Die auf knapp zweieinhalb Stunden verdichtete "Così"-Fassung – ja, das geht, das Stück hat nun mal etliche Längen – dirigiert Alexander Sinan Binder mit gutem Gespür für Dynamik und Phrasierung, bei der Koordination mit den Sängern wackelt es aber bisweilen. Der ohnehin spärlich vorkommende Chor wird zugespielt, dafür kann man (und Frau) ohne größere Einschränkungen musizieren, schauspielern, singen. Glückliches Luzern!

Sendung: "Leporello" am 26. April 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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