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Sexuelle Belästigung Weitere Frauen beschuldigen Plácido Domingo

Elf weitere Frauen werfen dem Opernstar vor, sie begrapscht, belästigt oder sich übergriffig verhalten zu haben. Mehrere Bühnenangestellte bestätigen das Verhalten. Die Rede ist von einem "offenen Geheimnis". Domingo bezeichnet die Vorwürfe als "unkorrekt".

Plácido Domingo | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mitte August hatte die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet, dass neun Frauen dem Opernsänger Plácido Domingo vorwerfen, sie sexuell belästigt zu haben. Nun haben sich elf weitere Frauen an die AP gewandt. Sie werfen dem seit langem verheirateten Startenor vor, sie begrapscht, belästigt oder sich unangemessen verhalten zu haben.

Domingos Sprecherin streitet Vorwürfe ab

Eine von ihnen ist Angela Turner Wilson. Die Sopranistin sang in der Saison 1999/2000 die Infantin in Jules Massenets "Le Cid" an der Washington National Opera. Domingo sang die männliche Hauptrolle, den El Cid. Er war damals auch künstlerischer Direktor der Oper. An einem Abend vor einer Vorstellung habe sich Domingo hinter die damals 28-Jährige gestellt, ihr die Hände auf die Schultern gelegt und diese dann plötzlich unter ihren BH rutschen lassen. Er habe ihre Brüste gepackt und zugedrückt, sagte sie der Nachrichtenagentur AP. "Es tat weh. Es war nicht zärtlich. Er hat mich hart begrapscht." Außerdem schildert sie noch weiteres übergriffiges Verhalten wie etwa einen von Domingo geforderten Kuss.

Eine Sprecherin von Domingo, Nancy Seltzer, wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück und beschuldigte die AP, eine Kampagne gegen Domingo zu führen. "Diese neuen Behauptungen sind mit Widersprüchlichkeiten durchsetzt, und, wie auch schon bei der ersten Geschichte, in vielfacher Hinsicht unkorrekt." Weil es eine laufende Ermittlung in dem Fall gebe, wolle sie keine Einzelheiten kommentieren, sagte Seltzer.

Dallas Opera sagt Auftritt ab

Die Dallas Opera gab mittlerweile auf Twitter bekannt, aufgrund der aktuellen Entwicklungen eine für März 2020 geplante Gala in der Plácido Domingo auftreten sollte, abzusagen. Die europäischen Häuser halten mit Verweis auf den Grundsatz "In Dubio pro reo" an den Verträgen mit Domingo fest. Auch die Metropolitain Opera New York, wo Domingo noch im September auf der Bühne stehen soll, kündigte an, keine weiteren Schritte zu unternehmen, solange es keine Ermittlungsergebnisse gäbe.

Verhalten sei offenes Geheimnis gewesen

Außer der Sopranistin Angela Turner Wilson wollte keine der elf Frauen ihren Namen nennen, aus Sorge um ihre Karriere. Dies sei meist auch der Grund dafür gewesen, sich nicht eher zu Wort zu melden: Domingo als einflussreiche Figur in der Opernwelt sollte nicht verärgert werden, da sonst künftige Engagements ausbleiben könnten. Wilson sagte der AP, sie selbst habe sich nach den ersten Berichten über den Fall dazu entschieden, nun nach Jahren auch etwas zu sagen. Heute arbeitet Wilson als Gesangslehrerin.

Mehrere Bühnenangestellte sagten der AP, sie hätten immer wieder versucht, junge Frauen von Domingo fernzuhalten, um sie zu schützen. In der Oper von Los Angeles sei das Verhalten des heute 78-Jährigen ein offenes Geheimnis gewesen. Auch noch in der Spielzeit 2016/2017 habe eine Person keine Frauen zu Kostümproben in einen Raum mit Domingo geschickt. Domingo habe sich den Frauen dabei immer wieder unangenehm genähert, sie umarmt oder versucht, sie zu küssen.

Sendung: "Leporello" am 5. September 2019 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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