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Der deutsch-jüdische Dirigent Hermann Levi Grab sorgt für Diskussionen

Hermann Levi war einer der bedeutenden deutschen Dirigenten seiner Zeit. Er war befreundet mit Wagner, Brahms und Clara Schumann, brachte den "Parsifal" zur Uraufführung. Um Levis Grabstätte in Partenkirchen ist ein Streit darüber entstanden, wie man die Erinnerung an ein jüdisches Musikgenie des vorletzten Jahrhunderts würdevoll in die Gegenwart retten kann.

Dirigent Hermann Levi | Bildquelle: wikimedia

Bildquelle: wikimedia

Der deutsch-jüdische Dirigent Hermann Levi

Sein Grab sorgt für Diskussionen

Auf dem großen Parkgrundstück in Partenkirchen oberhalb der Leiten-Villa deutet nichts darauf hin, dass hier ein großer Dirigent seine letzte Ruhe gefunden hat. Durch die Bäume schillert die Silhouette der neuen Olympia-Skischanze. Am Eck des Parks steht ein Stromhäuschen. Dahinter in einem Privatgrundstück ein paar Bäume im Kreis und einige Meter Holz. Sie schützen den Blick auf die Reste dessen, was einmal das Mausoleum von Hermann Levi war. Eine große Steinplatte, geschützt mit einer Plane – nichts erinnert an einen Mann, der einmal Ehrenbürger der Gemeinde Partenkirchen war.

Verfallene Gruft

"Die Gruft ist ungefähr drei mal vier mal vier Meter groß, und da steht eben nur dieser Zinksarg drin", berichtet Sigrid Meierhofer, die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen, von der Öffnung der Gruft. "Wir haben auch im Beisein des Rabbiners festgestellt, dass in dem Sarg tatsächlich ein Skelett liegt und dass auf dem Sarg auch der Name Hermann Levi steht. Also kann man davon ausgehen, dass er das tatsächlich ist."

Umbettung nach München

Seit ihrem Amtsantritt 2014 sucht Sigrid Meierhofer eine Lösung, um eine würdige Ruhestätte für den in Partenkirchen fast vergessenen Dirigenten zu finden. Genau vor einem Jahr wandte sie sich an die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern Charlotte Knobloch: "Wir als israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern sind ja auch für den Bereich Garmisch zuständig", sagt Charlotte Knobloch. "Deswegen hat mich Frau Meierhofer wahrscheinlich auch angesprochen. Wir sind eine Religionsgemeinschaft und müssen nach unseren Religionsgesetzen handeln, die besagen, dass jeder jüdische Mensch auf einem jüdischen Friedhof beerdigt werden muss. Das habe ich vorgetragen, sodass einer Umbettung in unseren Friedhof nichts im Wege steht."

Vom Ostfriedhof in die Leiten-Villa

Die Gruft des Dirigenten Hermann Levi in Partenkirchen | Bildquelle: Lui Knoll Die Gruft des Dirigenten Hermann Levi in Partenkirchen | Bildquelle: Lui Knoll Als Hermann Levi 13. Mai 1900 starb, war von diesen Schwierigkeiten noch nichts zu ahnen. Sein erstes Grab war das Familiengrab seiner Frau auf dem Münchner Ostfriedhof. Danach ließ seine Frau das Mausoleum im östlichsten Eck des Grundstücks der Leiten-Villa errichten. Seitdem liegt er dort. Hans Renner aus Partenkirchen erinnert sich an das Bauwerk aus seinen Kindertagen, als er mit Freunden im Park spielte: "Das war so ein Rondell, von einer ungefähr zwei Meter hohen Mauer umgeben, mit einem großen schmiedeeisernen Tor und einem Eingang zu einer Gruft. Die Deckplatte zu dieser Gruft war damals schon zur Seite geschoben. Aber wir haben uns nicht hineingetraut, das muss ich schon sagen."

Mir war schon aus Gemeinderatszeiten bewusst, dass es dieses ungelöste Problem mit der Gruft gibt.
Sigrid Meierhofer, Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen

Die Erinnerung schwand

Mit dem Verkauf der Villa an einen Bremer Bankier in den 60er Jahren wahren wurde das große Grundstück geteilt. Wer das Mausoleum wann abgerissen hat, weiß niemand genau. Das Grabmal geriet in Vergessenheit, die Erinnerung an Levi verschwand allmählich. Bürgermeisterin Meierhofer: "Ich weiß natürlich, dass er Ehrenbürger war und dass die Villa oben am Steig von ihm gebaut wurde – auch wenn er sie kaum noch genießen konnte, weil er ja kurz nach Fertigstellung gestorben ist. Ich weiß auch, dass er mit Strauss eng verbunden war, als dessen musikalischen Vater man ihn vielleicht bezeichnen kann. Mir war auch schon aus Gemeinderatszeiten bewusst, dass es da dieses ungelöste Problem mit der Gruft gibt."

Levi-Strasse statt Karwendelstrasse?

Bewusst ist der Bürgermeisterin auch, dass die Marktgemeinde eine Verantwortung hat, das Erbe an den Ehrenbürger wach zu halten. 2013 war der Versuch gescheitert, mit einem Bürger-Entscheid einen Teil der Hindenburgstraße in Levi-Straße umzubenennen. Der frühere Gemeinderat Renner hat da einen ganz praktischen Vorschlag: "Man könnte ja die Karwendelstraße insgesamt zur Levi-Straße umbenennen, nachdem die bereits früher so geheißen hat, ich weiß es nicht."

Gedenken im Kurpark?

Karlsruhe, wo der Dirigent sechs Jahre Hofdirigent war, widmete ihm einen Platz, Bayreuth und München haben eine Levi-Straße. Charlotte Knobloch unterstützt die Stimmen, die den Kurpark von Partenkirchen in Levi-Park umbenennen wollen: "Das ist ein Ort, wo er immer präsent sein wird. Ein Denkmal ist eine tote Angelegenheit, dies hingegen wäre eine lebendige Erinnerung." Der Hauptausschuss des Gemeinderats hat eine Umbenennung des Kurparks in Partenkirchen im Juli mit sechs zu vier Stimmen abgelehnt. Jetzt will die Bürgermeisterin das Thema wieder in den Gemeinderat einbringen.

Bisher ist nicht bekannt, wann die sterblichen Überreste von Hermann Levi auf den neuen jüdischen Friedhof an der Ungererstraße in München überführt werden. Es wird kein Mausoleum sein, aber er bekommt seine Grabstätte an der Seite von Max Mannheimer, dem Holocaust-Überlebenden, der im Herbst 2016 gestorben war.

Sendung: "Allegro" am 28. August 2018 ab 06:05 Uhr in BR-KLASSIK

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Mittwoch, 05.September, 20:48 Uhr

E. Sch.

Abriss des Mausoleums

Wann das Mausoleum abgerissen worden ist, hat der Lokalhistoriker Alois Schwarzmüller vor kurzem erfolgreich recherchiert: Auf einen Antrag des damaligen Grundstücksbesitzers hat die Gemeinde 1957 den Abriss des Mausoleums genehmigt (Protokoll Bauausschutzsitzung 4. November 1957).

Das Mausoleum war von niemand anderem als Adolf v. Hildebrand gestaltet gewesen, führender Bildhauer (u.a. Wittelbacherbrunnen) und Sepulkralarchitekt, sollte man auch mal erwähnen! Auch der einzig noch erhaltene Grabdeckel ist von ihm gestaltet und steht seit 1981 unter Denkmalschutz!

Der Umgang mit diesem Grab des "Ehrenbürgers" ist auf gleich mehrfachen Ebenen ein jahrzehntelanges unwürdiges und groteskes Trauerspiel.

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