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Kulturveranstaltungen in Bayern Volle Säle – oder doch nicht?

Seit dem 2. September 2021 gilt in Bayern die 14. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Damit gibt es wieder neue Corona-Maßnahmen für Konzerte und Theater in Bayern. Spielstätten mit bis zu 5.000 Plätzen dürfen wieder voll belegt werden – draußen wie drinnen. Bei Großveranstaltungen sind bis zu 25.000 Personen zulässig. Eine Erleichterung für die bayerischen Kulturveranstalter, einerseits. Doch das Publikum muss auch mitspielen.

Salzburger Festspiele 2020 Sitzkonzept Corona, Premiere "Così fan tutte" | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Eigentlich wollte die Bayerische Staatsoper am 1. September mit dem Kartenvorverkauf für die Septembervorstellungen starten. Dann erschien die 14. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung – und die Staatsoper disponierte kurzfristig um. Der Vorverkauf begann drei Tage später, statt Schachbrettmuster konnten nun alle 2201 Plätze angeboten werden. "Wir haben uns alle sehr gefreut, unserem Publikum nun wieder mehr Karten anbieten zu können. Viele haben darauf gewartet und die Schlange beim Vorverkauf letzten Samstag war entsprechend lang", so Michael Wuerges, Sprecher der Bayerischen Staatsoper, im Gespräch mit BR-KLASSIK.

Wir haben uns alle sehr gefreut, unserem Publikum nun wieder mehr Karten anbieten zu können.
Michael Wuerges, Bayerische Staatsoper

Zwischen Vorfreude und Zögerlichkeit

Das Nationaltheater München | Bildquelle: Wilfried Hösl Die Bayerische Staatsoper startet mit einem "Septemberfest" in die neue Saison. Alle gut 2200 Sitzplätze können belegt werden. | Bildquelle: Wilfried Hösl Die neuen Corona-Regeln sind ein Segen für alle Kulturliebhaber, bedeuten aber auch eine große Verantwortung für die Kulturinstitutionen. Auch die Bayerische Staatsoper möchte möglichst Vielen den Besuch einer Vorstellung ermöglichen. Insgesamt läuft der Kartenvorverkauf zwar zufriedenstellend, dennoch ist ein leicht zögerliches Kaufverhalten spürbar.

Maskenpflicht und 3G-Regel

Michael Wuerges betont, dass sich die Besucherinnen und Besucher der Bayerischen Staatsoper sicher fühlen können. "Wir setzen strenge Hygienemaßnahmen um, die gemeinsam mit Experten vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München erarbeitet wurden. Im Saal gilt Maskenpflicht und die Luft wird alle zehn Minuten komplett ausgetauscht." Vor den Vorstellungen will das Haus noch früher für Besucher öffnen, damit genug Zeit für den Einlass bleibt. Schließlich müsse der 3G-Nachweis von mehr als 2200 Menschen kontrolliert werden.

Volle Belegung auch an den Staatstheatern Nürnberg und Augsburg

Debatte über Kartenverkauf nur noch für Geimpfte | Bildquelle: Jens Krick/picture alliance Kein Mindestabstand mehr im Theater oder Konzertsaal, dafür ein 3G-Nachweis und Maskenpflicht am Platz. | Bildquelle: Jens Krick/picture alliance Ein Aufwand, der sich lohnt. Das sieht auch das Staatstheater Nürnberg so. "Endlich können wir wieder vor vollem Haus spielen", freut sich Staatsintendant Jens-Daniel Herzog. "So entsteht die einzigartige Atmosphäre, die wir alle am Theater und Konzert so lieben." Das Besucherkonzept wird um die 3G-Regelung erweitert.

Das Staatstheater Augsburg hat sich ebenfalls für eine volle Belegung der Sitzplätze entschieden – mit 3G-Nachweis und Maskenpflicht am Platz. So könne auch der große Abonnentenstamm wieder zum Zug kommen. Der Vorverkauf startete am 7. September. Am Wochenende feiert "kinesphere" Premiere, ein "Mensch-Maschine-Tanzabend", am Samstag kommt das Theaterstück "Die Antwort auf alles" zur Uraufführung.

Ein Lichtblick für private Konzertveranstalter

Privaten Konzertveranstaltern gibt die neue Infektionsschutzverordnung ebenfalls wieder eine Perspektive. "Odeon Concerte Regensburg" konnte seit Beginn der Pandemie im März 2020 kein einziges Konzert mehr durchführen. Gleich zweimal hintereinander mussten auch die Thurn und Taxis Schlossfestspiele ausfallen: Die maximal erlaubte Besucherzahl war einfach zu gering.

Egal, was die Politik entscheidet: Für uns ist wichtig, wie das Publikum reagiert.

Ab Herbst plant "Odeon Concerte" nun wieder Veranstaltungen – ein Lichtblick für das Unternehmen. Doch Reinhard Söll von "Odeon Concerte Regensburg" merkt an: "Dass wir jetzt wieder alle Plätze belegen dürfen, ist ja gut und schön. Aber egal, was die Politik entscheidet: Für uns ist wichtig, wie das Publikum reagiert." Und das sei momentan eher zurückhaltend beim Kartenvorverkauf, bedauert Söll.

Kartenvorverkauf für Anne-Sophie Mutter

Geigerin Anne-Sophie Mutter | Bildquelle: Stefan Höderath / DG Der Kartenvorverkauf für das Konzert der Geigerin Anne-Sophie Mutter in Regensburg läuft langsamer an als üblich. | Bildquelle: Stefan Höderath / DG Am 21. Oktober soll ein Konzert mit der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter im Regensburger Audimax stattfinden; auf dem Programm stehen unter anderem Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Doch von den mehr als 1700 Plätzen sind viele noch verfügbar. "Wir müssen noch mindestens 300 bis 400 Tickets verkaufen, damit sich das Konzert wirtschaftlich lohnt", erklärt der Konzertveranstalter.

Söll kann die Unsicherheit des Publikums einerseits verstehen: Sich langfristig festzulegen ist eben schwierig in Pandemiezeiten. Andererseits braucht er als Konzertveranstalter eine langfristige Planungssicherheit. Sollten nicht genug Karten im Vorverkauf weggehen, muss Söll im schlimmsten Fall das Konzert wieder absagen. Auf staatliche Hilfen kann "Odeon Concerte" auch nicht hoffen – denn theoretisch hätten ja alle Plätze belegt werden dürfen. "Es ist ein Dilemma."

Immer noch keine Planungssicherheit

Konzertveranstalter Andreas Schessl | Bildquelle: Denise Medve Konzertveranstalter Andreas Schessl fordert ein klares Zeichen, "dass Konzerte zu keinem Zeitpunkt der Pandemie Infektionstreiber waren". | Bildquelle: Denise Medve Andreas Schessl, Geschäftsführer von "MünchenMusik", hingegen ist zufrieden mit dem Kartenvorverkauf der vergangenen Wochen. Die Veranstaltungen werden mit der vollen Kapazität der Säle geplant. "Aber natürlich sind wir auch flexibel genug, uns den jeweiligen Vorgaben anzupassen", so Schessl. Denn der Konzertveranstalter weiß, dass sich die aktuellen Verordnungen in ein paar Wochen schon wieder ändern können. "An mittelfristiger Planungssicherheit haben wir wenig hinzugewonnen." Dennoch sind die neuen Lockerungen für Schessl ein Schritt in die richtige Richtung.

Gift sind für uns stetige Meldungen, die konstant Bedenken schüren.
Andreas Schessl, Geschäftsführer MünchenMusik

Was Konzertveranstalter nun laut Schessl benötigten, sei ein klares Zeichen, zum Beispiel durch das Robert-Koch-Institut, "dass Konzerte zu keinem Zeitpunkt der Pandemie Infektionstreiber waren. Gift sind für uns stetige Meldungen, die konstant Bedenken schüren, anstatt zu kommunizieren, dass wir uns in einer ausgehenden Pandemie befinden."

Sendung: "Leporello" am 9. September 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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