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Gasteig-Chef Max Wagner zur Sanierung Für die nächsten Jahrzehnte denken

Max Wagner hat zu tun – trotz Corona und der monatelangen Schließung des Münchner Gasteigs. Der Chef des europaweit bestbesuchten Kulturzentrums plant die Sanierung seines Hauses, die im Herbst 2021 starten soll. Am Dienstag stellte der Aufsichtsrat die Ergebnisse der Planungen vor. Darunter das Konzept zum Umbau der Philharmonie, das der Münchner Architekt Gunter Henn gemeinsam mit dem japanischen Starakustiker Yasuhisa Toyota entwickelt hat.

Bilder Sanierung | Bildquelle: Architektur Henn / Visualisierungen MIR

Bildquelle: Architektur Henn / Visualisierungen MIR

Es sei schon eine schizophrene Situation, gibt Max Wagner im Gespräch mit BR-KLASSIK zu. Während momentan höchstens hundert Menschen in die Philharmonie passen, denkt der Geschäftsführer des Gasteigs schon wieder in prä- beziehungsweise postpandemischen Dimensionen. Schließlich geht es um die Sanierung des europaweit größten Kulturzentrums. Mit einem Konzertsaal, der normalerweise weit über zweitausend Zuhörern einen Platz bietet.

Der neue Saal: Nest unter Sternenhimmel

Daran wird auch die Sanierung nichts ändern: Zumindest nicht an der Größe, wohl aber an der Form der Philharmonie sieht der japanische Starakustiker Yasuhisu Toyota, der schon für die Akustik der Elbphilharmonie verantwortlich war, einigen Nachbesserungsbedarf. Das weiß auch Max Wagner: "Von den Künstlern wurde ja immer wieder bemängelt, dass das Zusammenspiel auf der Bühne eingeschränkt sei, weil man sich nicht richtig höre. Das liegt vor allem an ihrer Breite. Und außerdem an der hohen Decke. Das wird sich auf jeden Fall verbessen!"

Eine Art dunkelblauer Sternenhimmel soll sich künftig über der Bühne wölben. Das verraten die Bilder, die Wagner am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert hat. Mit steilen Rängen rundherum. Denn das sei, neben der verbesserten Akustik, ein zweites Anliegen Toyotas gewesen: das Publikum näher an die Bühne zu rücken.

Der neue Look: transparent und vernetzt

Mehr Nähe wagen – das ist auch das Motto, unter dem sich der Entwurf des Architekten Gunter Henn zusammenfassen ließe. Oder anders: mehr Transparenz. Wie bereits in den ersten Entwürfen aus dem Jahr 2018, wird die Backstein-Außenmauer durch ein Glasband durchbrochen, das den ganzen Gebäudekomplex umschließt. Es erlaubt den Blick in die Eingeweide des Gasteigs. Wagner spricht deshalb auch von einer "Kulturbühne". Sein Motto: "Öffnung – nach innen und nach außen. Aber auch Vernetzung, denn dieser Glasriegel verbindet eben die verschiedenen Institute, die verschiedenen Angebote im Haus."

Die Kosten: Sie steigen nicht, aber reicht das?

Bis zu 450 Millionen wird der Umbau des Gasteigs die Stadt kosten. So lautet die aktuelle Einschätzung des Aufsichtsrats. Immerhin: nicht mehr, als ursprünglich veranschlagt. Allerdings steht die Zustimmung des Stadtrates noch aus. Und nachdem die SPD-Fraktion schon vor der Corona-Pandemie ihre Zweifel an der Notwenigkeit einer grundlegenden Sanierung angemeldet hatte, scheint der Ausgang alles andere als klar. Mehr noch angesichts coronabedingter Sparzwänge. Durch fehlende Steuereinnahmen könnten der Stadt bis 2024 bis zu zwei Milliarden wegbrechen. Ob ein Großprojekt wie die Gasteigsanierung dann allein aus städtischer Hand bezahlt werden kann oder man sich einen Investor an Bord holt? Auch letzteres scheint denkbar. Max Wagner jedenfalls richtet sich jetzt schon mit einem Appell an die Stadtratsfraktionen: "Die Entscheidung, die wir jetzt treffen, die gilt nicht nur für morgen und übermorgen. Die wird uns über einen langen Zeitraum begleiten, die Zukunft gestalten. Und das verpasst man, wenn man jetzt die Chancen der Grundsanierung verstreichen lässt."

Sendung: "Leporello" am 1. Juli 2020 ab 16.05 auf BR-KLASSIK

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