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Kommentar zum Corona-Rettungsschirm Die Kultur braucht Klarheit

Am Donnerstag hat die bayerische Staatsregierung ihre Pläne für einen Kultur-"Rettungsschirm" vorgestellt. 200 Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung gestellt werden. Aber: Geld allein reicht nicht.

Ein "Rettungsschirm" | Bildquelle: Tobias Hase/dpa

Bildquelle: Tobias Hase/dpa

Jetzt ist er also aufgespannt, der "kulturelle Rettungsschirm" der Bayerischen Staatsregierung. Die 200 Millionen Euro werden dringend gebraucht, von Kinos, Theatern, Musikschulen, Filmproduzenten, Kreativen in allen Sparten. Und manche Zahl, die vielleicht bescheiden klingt, wird bei näherem Besehen dann doch ganz ansehnlich. Für viele Künstler sind jeweils tausend Euro Soforthilfe über drei Monate hinweg viel Geld, es gibt ja nicht nur Stars und Festangestellte.

Ganz im Gegenteil: Kreative verdienen durchschnittlich nicht mal 18.000 Euro im Jahr, hat die Künstlersozialkasse ausgerechnet. All denen geht finanziell schnell die Puste aus – und wenn die sich dauerhaft andere Berufe suchen müssen, können kleine Theater, unabhängige Filmproduzenten, Galeristen und Konzertveranstalter einpacken. Da hätten sich dann die sogenannten "Strukturen" schnell erledigt und bis neue nachgewachsen sind, würden Jahre vergehen.

Soforthilfe, die nicht sofort beantragt werden kann?

Es ist also erfreulich, dass Geld fließt, aber wird das reichen? Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis überhaupt der Antrag auf Soforthilfe online steht, und wann dann endlich die ersten tausend Euro überwiesen werden. Skepsis ist angebracht, aus der Wirtschaft wird berichtet, dass Anträge vom März bis Anfang Mai immer noch nicht bearbeitet wurden. "Sofort" ist demnach also ein sehr dehnbarer Begriff.

Und mit Geld allein ist es leider nicht getan: Welcher Kinobetreiber macht auf, wenn international keine attraktiven Filme starten? Welches Theater spielt, wenn es nur jeden dritten oder vierten Sitzplatz belegen darf, womöglich sogar nur unter freiem Himmel? Das Düsseldorfer Schauspielhaus kann es sich offenbar leisten – wie angekündigt – vor nur noch 128 Zuschauern zu spielen und ganze Sitzreihen auszubauen, private Theater wohl kaum. Welches Ballett spielt nur noch Solo-Stücke? Welcher Filmproduzent lässt wieder drehen, wenn er sich nicht gegen Ausfall-Risiken versichern kann und nicht weiß, wann der nächste Lockdown kommt? Welcher Konzertveranstalter kann Abstände zwischen den Blechbläsern von acht Metern garantieren?

Update vom 19.05.2020: Der Online-Antrag für Soforthilfe stehe ab sofort bereit, das teilte Kunstminister Bernd Sibler am Dienstag in München mit.

Unklarheiten sorgen bei Künstlern und Publikum für Unsicherheit

Diese Unsicherheiten und die teils wirklichkeitsfremden, teils absurden Vorschläge sind am gefährlichsten für Kunst und Kultur, und da hat die überaus vorsichtige Staatsregierung leider noch nicht für viel Klarheit gesorgt: Was genau ist eine Großveranstaltung, wann können die Theater mit Proben beginnen, wie sollen die oft völlig veralteten Buchungssysteme fit gemacht werden für personalisierte Eintrittskarten oder Zeittickets, ist die Maskenpflicht in weitläufigen Ausstellungsräumen wirklich nötig?

Kein Wunder, dass der Andrang des total verunsicherten Publikums zum Beispiel in den Museen bis jetzt sehr gering ist. Wenn Lust auf Kultur aufkommen soll, dann dürfen sich die Besucher eben nicht ständig fühlen, als ob sie einen Hochsicherheitstrakt betreten. Nächste Woche wollen die Kunstminister der Länder auf Bundesebene einen gemeinsamen Fahrplan präsentieren. Hoffentlich ist der dann deutlich konkreter und realistischer als das, was die Politiker bis jetzt ankündigten.

Sendung: Leporello am 15. Mai 2020 ab 16.05 Uhr

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Freitag, 15.Mai, 21:18 Uhr

Beate Schwärzler

"kultureller Rettungsschirm" der Bayerischen Staat

Fakt ist: Die Kultur, auch noch weit entfernte Termine, ist schon vor vielen Wochen kategorisch abgesagt worden für lange Zeit. Da wurde keinen Moment überlegt.

Der Fußballobby, die ihre Millionen schneller und leichter verdient als jeder Kulturschaffende,
wurde viel früher nachgegeben. Auch in den Fernsehnachrichten fand sie mehr Aufmerksamkeit und mehr Gehör als irgendein Künstler. Warum eigentlich? Wahlvolk?

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