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Richard-Strauss-Festival Die Poesie von Garmisch

Seit vergangenem Jahr ist Alexander Liebreich der künstlerische Leiter des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen. Das Motto: Poesie. Liebreich will dazu nicht nur Werke von Richard Strauss aufführen, sondern die besondere Inspiration des Ortes nutzen. Gleichzeitig ist er sich der ambivalenten Geschichte des Komponisten bewusst.

Alexander Liebreich ist künstlerischer Leiter des Richard-Strauss-Festivals. | Bildquelle: © Sammy Hart

Bildquelle: © Sammy Hart

Richard Strauss ist besonders für seine Opern berühmt, für "Salome", "Elektra" oder den "Rosenkavalier", natürlich auch für seine Tondichtungen, "Till Eulenspiegel", "Don Quixote" oder die "Alpensinfonie". Dass Strauss aber auch viele Lieder schrieb, ist weniger bekannt. In diesem Jahr, siebzig Jahre nach Strauss’ Tod, widmet sich das Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen besonders dem Liedschaffen des Komponisten.

Einen großen Teil seiner Lieder schrieb der Komponist für seine Frau Pauline Strauss, geborene de Ahna, eine damals sehr erfolgreiche Sopranistin. Auch beim diesjährigen Festival kommen drei bemerkenswerte Sängerinnen nach Garmisch-Partenkirchen: Ewa Tracz, die Gewinnerin des internationalen Szymanowski-Wettbewerbs, kommt als "Rising Star" (am 24. und 25.6.). Die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz, ehemals Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, gestaltet einen Liederabend mit Werken von Strauss und Schubert (am 26.6.). Asmik Grigorian, im vergangenen Jahr in Salzburg als "Salome" gefeiert, singt Orchesterlieder von Strauss mit Begleitung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Prag (am 28.6.).

Richard Strauss' ambivalente Position im Nationalsozialismus

Richard Strauss - Gemälde von Max Liebermann | Bildquelle: picture-alliance/dpa Richard Strauss | Bildquelle: picture-alliance/dpa Dass gerade dieses Orchester zu Gast ist, ist kein Zufall: Dirigent Alexander Liebreich wurde vergangenes Jahr nicht nur künstlerischer Leiter des Festivals, sondern auch Chef des Prager Orchesters. Zuvor war Liebreich Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Polnischen Rundfunks in Kattowitz und damit erster Deutscher an der Spitze eines großen polnischen Orchesters. Die Beziehung von Musik und Politik beschäftigte ihn nicht nur dort, sondern auch in Garmisch-Partenkirchen: "Strauss war weltfremd – im positiven wie im negativen Sinne", sagt Liebreich.

Strauss emigrierte nicht während der Zeit des Nationalsozialismus, war sogar Präsident der Reichsmusikkammer, setzte sich aber auch für Stefan Zweig ein und fiel so in Ungnade bei den Machthabern. "Er hat keine Musik zu einem System geschrieben, sondern er hat immer seine Musik geschrieben", sagt Alexander Liebreich. "Das ist weltfremd und vielleicht auch ignorant. Aber man muss es akzeptieren. An Strauss lässt sich immer wieder diskutieren, wie weit sich ein Künstler der Verantwortung stellen muss."

Auf dem Programm: Mehr als Strauss

Zum Festival gehören für Liebreich nicht bloß Strauss-Werke – im Gegenteil, es stehen auch viele andere Komponisten auf dem Programm. Dem künstlerischen Leiter geht es um den besonderen Ort: "Natur hat für mich eine para-religiöse Dimension. Das merkt man in Garmisch-Partenkirchen: Es ist eben eine unglaubliche Naturkulisse." Strauss, geborener Münchner, erwarb hier 1906 ein Grundstück und ließ sich eine Villa bauen. "Er hat die Inspiration der Natur ganz bewusst gesucht", sagt Liebreich. "Mir ist wichtig, diese Inspiration mit dem Festival zu transportieren."

Abendpanorama am Gipfel. | Bildquelle: BR/Jürgen Eichinger Film Die Zugspitze | Bildquelle: BR/Jürgen Eichinger Film Das passiert etwa mit einem Konzert auf der Zugspitze, passend "Top of Germany" übertitelt. Piotr Anderszewski spielt aus Bachs "Wohltemperiertem Klavier" und die Klaviersonate Nr. 31 von Beethoven (am 23.6.). Liebreich arbeitet dafür mit der Fotografin Nomi Baumgartl zusammen. Ihr Projekt "Eagle Wings" zeigt Fotos und Satellitenaufnahmen; das Besondere: Einige der Bilder wurden mit Kameras aufgenommen, die auf Rücken von Steinadlern montiert waren. So soll deutlich werden, wie sich die Alpen verändern und wie wichtig deren Schutz ist. "Ich finde, wenn man dort oben ist, dann muss man das Ganze auch weiterdenken", sagt Liebreich.

Eine "Nacht der Poesie" mit Klassik, Literatur und Jazz

Das Motto "Poesie" wird während des Festivals nicht nur im Lied, sondern auch mit einer "Nacht der Poesie" gefeiert (am 22.6.). Der Schauspieler Ulrich Matthes liest zum Auftakt die "Traumnovelle" von Arthur Schnitzler. Darauf folgen drei knapp einstündige Konzerte: François Leleux und die Camerata Salzburg spielen erst Strauss’ Oboenkonzert und Strawinskys kleines Konzert "Dumbarton Oaks", dann später Mozarts Oboenkonzert und Schönbergs "Verklärte Nacht". Dazwischen spielt der Pianist Saleem Ashkar Préludes von Debussy und Beethovens zweites Klavierkonzert. Die Nacht endet mit Jazz, gespielt von Michael Wollny, und Gedichten, vorgetragen von Christian Brückner.

Daneben gibt es einen Gesangsmeisterkurs (vom 24. bis 28.6.), einen Violinabend mit Arabella Steinbacher (am 25.6.), eine Musikwanderung (am 23.6.) und ein Kamingespräch mit dem Komponisten Helmut Lachenmann (am 25.6.). Zwei Konzerte mit dem Prager Rundfunkorchester unter freiem Himmel schließen das Festival ab (am 28. und 29.6.). Da kann man Alexander Liebreich ganz wörtlich verstehen: "Poesie ist für mich Freiheit".

Richard-Strauss-Festival

Garmisch-Partenkirchen
21.–29. Juni 2019
Das vollständige Programm finden Sie auf der Homepage des Festivals.

Sendung: "Leporello" am 18. Juni 2019 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK.

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