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Zum Tod von Roy Hargrove Der Auserwählte

Er war einer der führenden Instrumentalisten der heutigen Jazzszene und ein prägender Musiker der letzten 30 Jahre. Der Grammy-gekrönte US-Jazztrompeter Roy Hargrove ist im Alter von 49 Jahren gestorben. Hargrove erlitt am Freitag, 2. November 2018 in New York nach Komplikationen im Kampf gegen eine Nierenkrankheit einen Herzstillstand, wie sein langjähriger Manager Larry Clothier mitteilte.

Trompeter Roy Hargrove | Bildquelle: Ssirus W. Pakzad

Bildquelle: Ssirus W. Pakzad

Als am Samstag die Todesnachricht durchsickerte, postete der Pianist Jason Moran auf Instagram ein Foto und kommentierte es so: "Unsere Gesichter erzählen, wie es ist, wenn man Roy Hargrove zuhört." Das Bild: Roy Hargrove reckt den Trichter seines Instruments gen Himmel, dicht umringt von Kollegen, denen man die grenzenlose Bewunderung für den Trompeter ansieht, das fassungslose Staunen über die Spielkunst dieses Musikers, der jetzt mit nur 49 Jahren gestorben ist.

Kampf gegen innere Dämonen

Verwunderlich ist es eigentlich nicht, dass Roy Hargrove früh von uns gehen musste – immer wieder hatte er mit den eigenen Dämonen zu kämpfen, mit seiner Drogensucht. Erst 2014 war er in Manhattan zu zwei Tagen Gemeinschaftsarbeit verdonnert worden, nachdem man ihn beim Kokain-Kauf erwischt hatte. Sein maßloser Konsum verbotener Substanzen führte zu vielen unschönen gesundheitlichen Problemen. Seine Nieren streikten mal wieder, als er letzte Woche in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, wo sein Herz dann stehen blieb. Sein Tod kam also nicht wirklich überraschend. Und doch steht die Jazz-Szene unter Schock.

Vom Schöpfer persönlich erwählt?

In den sozialen Medien äußerten sich Hunderte prominenter Kollegen über Roy Hargrove, zeigten ihre Bestürzung darüber, dass einer der besten Jazzmusiker seiner Generation nicht mehr unter uns weilt. Manche, wie die Sängerin Gretchen Parlato, posteten einfach nur ein Symbol – in ihrem Fall: eine Krone. Andere wurden schon ausführlicher. Selbst der legendäre Saxofonist Sonny Rollins würdigte Roy Hargroves Schaffen und sah in ihm einen vom Schöpfer persönlich Erwählten: "Ihn hatte sich einer da ganz oben herausgepickt und bestimmt: Du bist der Eine."

Stil und Charisma

Trompeter Roy Hargrove | Bildquelle: Ssirus W. Pakzad Bildquelle: Ssirus W. Pakzad Roy Hargrove, Jahrgang 1969, stammte aus Waco in Texas und wurde von Wynton Marsalis entdeckt, als dieser einer High School-Band in Dallas zuhörte. Einem ersten Studium am Berklee College of Music in Boston folgte die weitere Ausbildung an der New School in Manhattan. Eigentlich hatte Roy Hargrove da, mit Anfang zwanzig, als Trompeter, als Musiker schon alles drauf und besaß neben instrumentalen Fertigkeiten bereits so viel Stil wie Charisma. Ich habe ihn 1990 beim JazzFest Berlin mit seinem Quintett erlebt und war perplex, wie dieser junge Löwe seine Musik bereits verinnerlicht hatte, wie souverän er war, wie er swingte. Dieser gerade erst volljährige Typ lebte, atmete Jazz und schwitzte ihn durch jede seiner Poren aus. Er war schon damals geradezu süchtig nach der Musik, als deren wichtiger Vertreter er fast drei Dekaden lang gelten sollte. Wenn er nicht gerade auf Tour war, kreuzte er in New York Abend für Abend bei den angesagtesten Jam-Sessions auf und verausgabte sich bis zum Umfallen.

Authentische Weiterführung der Tradition

Begegnungen und Interviews mit ihm empfand ich als schwierig. Man merkte manchmal, dass er sie als notwendiges Übel sah. Und doch schwang er sich nach zähem Beginn im Gespräch dann immer wieder zum bedingungslosen Fürsprecher auf, zu einem, der klipp und klar sagte, was man mitbringen oder vielleicht sogar opfern muss, wenn man sich mit Jazz einlässt. Roy Hargrove war einer, der die stolze Tradition des Jazz authentisch weiterführte – ohne sie einfach nur unreflektiert nachzubeten. Er konnte ein Purist sein, aber eben auch einer, der die musikalischen Strömungen der Gegenwart aufgriff – in seiner Band "RH Factor" vereinte er Jazz, Funk, Hip Hop, R & B. Michael League, Kopf der Kultband "Snarky Puppy" schrieb in seinem Instagram-Nachruf: "...hatte niemand mehr Einfluss auf Snarky Puppy als dieser Mann, Roy Hargrove, mit seiner Band RH Factor. Er verkörperte, wie sich Tradition meistern ließ und wie man dieses Wissen anwenden konnte, um die Musik weiter voran zu bringen."

Mit Roy Hargrove ist ein Großer gestorben, der Einfluss auf Fans und Musiker vieler Generationen hatte, ein Held, ein Kämpfer, ein König des Jazz.

Roy Hargrove auf BR-KLASSIK

BR-KLASSIK widmet Roy Hargrove die Sendung "Jazztime" am Montag, 5. November 2018 ab 23:05 Uhr.

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