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Musiker zum US-Wahlkampf Von Streichqartett bis Horror-Score

In den USA geht ein turbulenter Präsidentschafts-Wahlkampf zu Ende. Die TV-Duelle zwischen Hillary Clinton und Donald Trump haben einige Musiker zu neuen Kompositionen inspiriert. Eine Auswahl.

Loudon Wainwright III in seinem Musikvideo | Bildquelle: Loudon Wainwright III - I had a Dream (Video-Standbild)

Bildquelle: Loudon Wainwright III - I had a Dream (Video-Standbild)

Traditionell unterstützen US-Popstars gern die Demokraten. Gleiches gilt für Musiker der Independent-Szene. Dementsprechend hat ein scharfer, musikalischer Wind in den letzten Monaten vor allem Donald Trump ins Gesicht geblasen. So gibt es etwa die Kampagne mit dem Namen 30 Songs 30 Days, die seit dem 10. Oktober täglich ein Musikstück veröffentlicht und mit der Wahl am 8. November zu Ende geht. Viele Künstler haben sich auch öffentlich besorgt zu Wort gemeldet, darunter etwa der Geiger Itzhak Perlman. Er äußerte sich entsetzt über eine abfällige Bemerkung Trumps gegenüber einem körperbehinderten Journalisten.

Unter Pop- und Rockmusikern gibt es sogar einige, die Trump ganz konkret die Erlaubnis entzogen haben, ihre Stücke im Wahlkampf zu spielen - so hatten die Anwälte von Adele, Steven Tyler (Aerosmith) und Michael Stipe von der Band R.E.M. scharf protestiert. Für Hillary Clinton hingegen arbeiten Barbra Streisand und Carol King. Sucht man nach künstlerischen Beiträgen aus der Reihe der Trump-Befürworter, tut man sich eher schwer. Außer der Country-Sängerin Loretta Lynn und Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood haben sich nur wenige - auch in Deutschland bekannte - Künstler auf Trumps Seite geschlagen. Es sind z.B. die Schauspieler Kirstie Alley, Stephen Baldwin und der Popmusiker Aaron Carter.

Streichquartett improvisiert zu Präsidentschaftsdebatte

Das PUBLIQuartett improvisiert zum letzten Fernsehduell von Hillary Clinton und Donald Trump. Als Vorbereitung hat sich das Quartett die ersten beiden Debatten angesehen. Trotzdem keine leichte Übung, sagt Cellistin Amanda Gookin: "Wir müssen total wachsam sein, auch wenn wir eine menge Material vorbereiten konnten. Denn wir haben keine Ahnung, welche Fragen gestellt werden." Eine Stunde, 45 Minuten - manchmal einlullend schön, oft atonal. Und einige Male könnte man auch einen Square-Dance dazu tanzen. Das "Requiem for a Debate" wurde in der "Late Show" auf CBS übertragen.

Danny Elfman - surreale Filmmusik zu surrealem Wahlkampf

Danny Elfman ist bekannt für schräge Musik zu noch schrägeren Filmen: "Edward mit den Scherenhänden" oder "Alice im Wunderland" zum Beispiel. Doch diesmal ist für ihn die Realität schräger geworden, als die Filmproduktion: "Als ich sah, wie Trump bei der Debatte um Hillary herumschlich, hatte ich das Gefühl, ich schaue einen Zombiefilm - als würde er sie im nächsten Moment attackieren, um ihr den Kopf abzureißen und ihr Gehirn aufzuessen."

Lila Downs - The Demagogue

Die mexikanisch-amerikanische Sängerin Lila Downs hat ein Lied geschrieben - als Antwort auf Trumps Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen: "Auch wir haben ein Gewicht in den USA und wir sollten uns nicht scheuen, über unsere Lebenswirklichkeit zu sprechen. Nur so können wir unsere Menschenwürde einfordern."

Andrew Bird & Jim James - Sic of Elephants

Andrew Bird hat "Sic of Elephants" schon 2004 komponiert, in der Nacht, in der George W. Bush wiedergewählt wurde: "In dem Lied geht es darum, wie die Menschen sich selbst einreden, dass etwas so Falsches richtig ist. Je mehr Kraft dafür nötig ist, desto verbissener werden sie. Ich habe ein paar Dinge verändert, um den Song für diese Wahl zu aktualisieren."

Loudon Wainwright III - I Had a Dream

"Ursprünglich wollte ich gar kein Lied über Donald Trump schreiben. (…) Aber Leute - das hier ist ernst. Es gibt Tatsachen, die für uns selbstverständlich sind, für Mr. Trump anscheinend aber nicht." Der Country-Sänger Loudon Wainwright III spielt auf die Menschenrechte und gesetzlich verbriefte Gleichberechtigung an, die Trump - seiner Meinung nach - völlig ignoriere.

Sara Bareilles & Leslie Odom Jr. - Seriously

Die Chicagoer Radiosendung "This American Life" hat ein Stück bei der Sängerin und Komponistin Sara Bareilles in Auftrag gegeben. Diese hat sich vorgestellt, was Präsident Obama wohl über die aktuellen Wahlen und über Donald Trump denken könnte, aber nicht öffentlich sagen darf. Herausgekommen ist ein Lied mit R'n'B-Anklängen, elektronischen Elementen und interessantem Streicherarrangement - gesungen von Leslie Odom Jr.

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