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Singen, Lernen, Leben 70 Jahre Windsbacher Chor

Am 18. März 1946 zogen 90 Buben mit ihren Lehrern in das heutige Haupthaus des evangelischen Internats im mittelfränkischen Windsbach. Kurz danach gründete der Musikpräfekt Hans Thamm den Knabenchor. Aus dem "Provinzchörle" der 50er-Jahre ist mittlerweile einer der angesehensten Knabenchöre der Welt geworden.

Windsbacher Knabenchor | Bildquelle: © Mila Pavan

Bildquelle: © Mila Pavan

Sie begleiteten mehrere Bundespräsidenten auf ihren Auslandsreisen - als musikalische Botschafter Deutschlands. Sie singen im Münchner Herkulessaal ebenso wie in kleinen Dorfkirchen beim Sonntagsgottesdienst: die Jungs des Windsbacher Knabenchors. Der Chor gehört zum Evangelisch-Lutherischen Studienheim in Windsbach. Wie die berühmten Thomaner, die einst von Johann Sebastian Bach unterrichtet wurden, leben und lernen die Windsbacher Schüler im Internat. Die Chorarbeit ist eingebunden in einen umfassenden Bildungsansatz, bei dem die Musik mit der schulischen Bildung einhergeht.

"Jede Stimmgruppe ist in sich so homogen ausbalanciert und zugleich so fein ausdrucksvoll, dass es schlicht begeistert," schrieb Klaus Kalchschmid in der Süddeutschen Zeitung über die Windsbacher. Berühmte Dirigenten wie Kent Nagano und Ensembles wie das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin oder das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks arbeiten immer wieder mit dem Chor zusammen. Seit der Gründung drücken die Chorleiter dem Gesamtklang ihren persönlichen Stempel auf. Nach Hans Thamm folgte 1978 die Ära von Karl-Friedrich Beringer, der den Chor 34 Jahre lang prägte. 2012 hat Martin Lehmann die Leitung übernommen, der in seiner Jugend Sänger des weltberühmten Dresdner Kreuzchors war.

Misshandlungsvorwürfe

2010 geriet der Windsbacher Knabenchor in die Kritik, nachdem ehemalige Internatsschüler Vorwürfe gegen den Chorgründer Hans Thamm wegen angeblicher Misshandlungen in den 1950er und 1960er-Jahren erhoben. Bereits 2005 waren Vorwürfe wegen körperlicher und seelischer Misshandlung gegen Thamms Nachfolger Karl-Friedrich Beringer laut geworden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte und entlastete den Chorleiter schließlich.

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