BR-KLASSIK

Inhalt

Songwriter Burt Bacharach kommt nach München "Ich will keine Wegwerf-Musik produzieren“

91 Jahre alt ist Burt Bacharach inzwischen, und er denkt gar nicht daran, der Konzertbühne den Rücken zu kehren. Im Gegenteil! Der Grandseigneur orchestraler Popmusik sorgte im vergangenen Jahr für eine Sensation bei seinem ersten Deutschland-Konzert aller Zeiten. Die Show in Berlin war restlos ausverkauft. Am 9. Juli kommt Bacharach mit seiner 10-köpfigen Band erstmals nach München. BR-KLASSIK hat er verraten, wie ein Lied zu einem Hit wird, und warum Donald Trump seinen Musikstil verändert hat.

Burt Bacharach | Bildquelle: © Eric Ray Davidson

Bildquelle: © Eric Ray Davidson

Als Barack Obama ihm 2012 im Weißen Haus feierlich den Gershwin-Preis überreichte, war das der bisher beste Moment seines Lebens, erinnert sich Burt Bacharach. Auch wenn er Höhepunkte im Leben nicht an Preisen festmachen will. Aber diese Auszeichnung für sein musikalisches Lebenswerk entgegenzunehmen, war für Bacharach eine besondere Ehre: "Einen Oscar zu gewinnen ist natürlich ebenfalls toll, aber der kürt nur einen bestimmten Song oder eine Filmmusik." Damit spielt Bacharach auf seinen ersten Oscar an. Den bekam er 1969 für den unvergesslichen Filmsong "Raindrops Keep Fallin’ On My Head".

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Burt Bacharach Performs "What the World Needs Now is Love" | In Performance at the White House | Bildquelle: Yaroooh! for Kids | News - Magazine (via YouTube)

Burt Bacharach Performs "What the World Needs Now is Love" | In Performance at the White House

Einfache Melodien, komplexes Arrangement

Burt Bacharachs Spezialität: orchestrale Popmusik, die im Ohr bleibt. "King of Easy" wird Bacharach deshalb genannt. Neun seiner Songs führten die US-Charts an, 48 waren in den Top Ten. Damit zählt er zu den erfolgreichsten amerikanischen Songschreibern aller Zeiten. Sein Markenzeichen sind eingängige Melodien, aber mit ungewöhnlichen Akkordfolgen unterlegt und komplex arrangiert. "Die Musik entsteht in meinem Kopf", erzählt Bacharach. "Ich sitze nicht am Klavier und improvisiere drauflos, sondern ich sitze auf dem Sofa und höre die einzelnen Orchesterstimmen mit meinem inneren Ohr."

Ein Lied darf den Hörer nicht erschöpfen.
Burt Bacharach

Erst wenn er eine genaue Vorstellung von seinem Song hat, schreibt Bacharach die Noten auf. Der Moment der Wahrheit komme dann im Tonstudio, erklärt Bacharach: "Ich habe alles gegeben, meine ganze Seele in den Song gelegt. Dann kommen die Musiker und Sänger dazu. Und jetzt entscheidet sich, ob das Musikstück lebt oder nicht.“ Eines will Bacharach auf keinen Fall: "Wegwerf"-Musik produzieren. Seine Devise: "Ein Lied darf den Hörer nicht erschöpfen, wenn er es eine Woche lang im Radio gehört hat."

Heimlich ins Jazzkonzert

Burt Bacharachs Karriere nahm in New York City ihren Anfang. Dort war Bacharach aufgewachsen, als Sohn eines Zeitungsjournalisten und einer Malerin, die leidenschaftlich gern Songs schrieb. Sie bestand darauf, dass ihr Sohn früh Klavierunterricht bekam. Aber Bach und Beethoven waren nicht Bacharachs Fall. Er begeisterte sich vielmehr für Jazz und Bebop, für Dizzy Gillespie und Count Basie. Mit falschem Personalausweis schlich er sich als Teenager in die Nachtclubs in der 52. Straße, um seine Jazz-Idole live hören zu können.

Burt Bacharach auf BR-KLASSIK

Die Sendung Mittagsmusik widmet sich vom 8.-12. Juli 2019 jeweils ab 12:05 Uhr dem „King of Easy“ Burt Bacharach und seinen größten Hits. Zum Programm.

Lebenslektion von Darius Milhaud

Dass er Musik studieren wollte, stand da für Bacharach schon fest. Für sein Studium ging er erst nach Montreal und später nach Kalifornien an die UCLA, wo Darius Milhaud zu seinen Lehrern gehörte. "Mit ihm habe ich meine ersten Käse-Tacos gegessen. Und er hat mir eine wichtige Lektion mit auf den Weg gegeben: Fürchte dich nicht vor der Melodie. Sei nicht dissonant, wenn du dich nicht danach fühlst."

Burt Bacharach in München

Dienstag, 09. Juli 2019, 20:00 Uhr
Philharmonie im Gasteig

Mit 28 Jahren hatte er Bacharach seinen Durchbruch, als Marlene Dietrich ihn als Arrangeur und Musikdirektor ihrer Shows engagierte. Fünf Jahre lang waren sie gemeinsam weltweit auf Tournee. Zur selben Zeit machte Bacharach in New York Bekanntschaft mit dem Texter Hal David. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und beschlossen, von nun an gemeinsam Songs zu schreiben. Einer ihrer ersten Hits wurde der Filmsong "Alfie", bis heute eines von Bacharachs Lieblingsliedern.

Mit Musik gegen Donald Trumps Politik

Burt Bacharach dirigiert ein Orchester bei einer Studioaufnahme | Bildquelle: dpa picture alliance Burt Bacharach dirigiert bei den Soundtrack-Aufnahmen zum Film "Lost Horizon", 1973 | Bildquelle: dpa picture alliance Seit sechs Jahrzehnten begeistert Bacharach als Komponist, Pianist und Orchesterleiter mit seinen populären Melodien. Und doch ist heuer etwas anders. Bacharachs Schreibstil hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert, seine Musik ist politischer geworden. Der Grund: US-Präsident Donald Trump. "Ich muss meine Meinung sagen und Stücke mit einer politischen Note komponieren, sonst würde mich dieser Mann an der Spitze unseres Landes verrückt machen." Seinem Publikum gefalle das nicht immer. Doch darauf nimmt Bacharach keine Rücksicht. "Es ist wichtig, als Künstler den Mund aufzumachen. Ich möchte, dass die Leute meine Musik fühlen, auch wenn sie politisch ist."

Sendung: Leporello am 8. Juli 2019 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

    AV-Player