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Ein Anfang ohne Ende Komitas – Vater der armenischen Musik

Armenien ist als biblisches Land zwischen Asien und Europa geprägt von einer Jahrtausende alten, orientalischen und zugleich christlichen Kultur; gezeichnet von einer Geschichte voll Leid, Verfolgung und Exil. Der Priester, Sänger, Komponist und Musikethnologe Komitas ist seine Schlüsselfigur. Vor 150 Jahren, am 8. Oktober 1869, wurde er geboren.

Komitas | Bildquelle: © Wikimedia

Bildquelle: © Wikimedia

Soghomon Gevorki Soghomonian wuchs als Waise in der Klosterschule von Edschmiazin, dem geistlichen Zentrum der armenisch-apostolischen Kirche, auf. 25-jährig wurde er unter dem Namen Komitas zu ihrem Priester, zum "Vardapet" geweiht. Dennoch durfte er Ende des 19. Jahrhunderts Europa bereisen und drei Jahre in Berlin Musik studieren – seither versuchte er, westliche Harmonik und Polyphonie mit dem musikalischen Erbe seiner Heimat zu vereinen. Seine Erforschung der alten armenischen Kirchengesänge führte zu einer Neubewertung dieser spirituellen Musik zwischen Orient und Okzident. Ihm gelang die weitgehende Entschlüsselung des mittelalterlichen Notationssystems, dessen Bedeutung längst vergessen war. Er übertrug die Weisen in moderne Notenschrift und harmonisierte sie kunstvoll. Ebenso wie die mündlich überlieferten Volkslieder, die Komitas als "armenischer Bartók" den Bauern ablauschte. Ohne ihn wäre diese Folklore für immer verloren, stammte sie doch aus jenen westarmenischen Dörfern, die 1915 von den Türken ausgelöscht wurden.

Radio-Tipp:

"Musik der Welt" widmet sich am 6. Oktober 2019 dem 150. Geburtstag von Komitas. Die Sendung steht nach der Ausstrahlung sieben Tage zum Anhören online.

Das Schicksal von Komitas – beispielhaft für das Volk der Armenier

Komitas-Denkmal in Paris | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa In Komitas' Liedern, so sagt man, singt die Seele des armenischen Volkes für immer fort. Mit Krunk, der traurigen Weise vom Kranich, der um Nachricht aus dem verlorenen Heimatland angefleht wird, identifizieren sich Millionen von Diaspora-Armeniern in aller Welt, zumal Komitas das tragische Schicksal seines Volkes in exemplarischer Weise durchlitt: Als am 24. April 1915 der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich mit einer ersten Verhaftungswelle in Konstantinopel begann, war Komitas unter den Deportierten. Zwar wurde er am 7. Mai auf internationale Intervention hin zurückgebracht, doch was er in diesen 13 Tagen an unsäglichen Grausamkeiten hatte mit ansehen müssen, stürzte ihn in vollkommene geistige Zerrüttung, von der er sich nie mehr erholen sollte. Die letzten 20 Jahre seines Lebens vegetierte der "Vater der armenischen Musik" in einer psychiatrischen Klinik bei Paris, wo er 1935 sterben sollte. 

In Komitas' Liedern fand das armenische Volk seine Seele wieder.
Katholikos Vazgen I.

Bis heute gilt Komitas als kulturelles Gedächtnis Armeniens, oder wie es Katholikos Vazgen I. formulierte: "In Komitas' Liedern fand das armenische Volk seine Seele wieder. Komitas Vardapet ist ein Anfang ohne Ende, er wird durch das armenische Volk leben, und dieses muss durch ihn leben – jetzt und für alle Zeit."

Contrapunkt – Dialog der Kulturen

Dienstag, 19. November 2019, 18:30 Uhr
BR-Funkhaus, Studio 2, Rundfunkplatz 1, 80335 München

"Armenien: Musik als Heimat"

Konzert ab 18:30 Uhr
Lusine Grigoryan (Klavier)
Norayr Gapoyan (Duduk)
Davit Avagyan (Tar)

Podiumsdiskussion & Musik ab 20:05 Uhr
Live auf BR-KLASSIK
Gayané Sureni (Sängerin)
David Chaladjian (Komponist, Dirigent und Musikwissenschaftler)
Vardan Mamikonian (Pianist)
Moderation: UIrike Zöller (BR-KLASSIK)
Eintritt Frei

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