BR-KLASSIK

Inhalt

Playlist - so klingt der Weltuntergang im Kino Von Killeraliens und Klimawandel

Angriffe von Aliens, Klimakatastrophen, Planetenkollisionen stillstehende Erdkerne und (fast immer) eine handvoll amerikanischer Männer, die (fast immer) alles wieder in Ordnung bringt – ja, Weltuntergangsfilme sind immer irgendwie hanebüchen, aber halt auch wahnsinnig unterhaltsam und musikalisch beeindruckend. Wir zeigen Ihnen zum Kinostart des neuen Endzeitepos „Geostorm“, wie schön die Apokalypse klingen kann.

Geostorm (2017)

Es ist das Jahr 2017 und die Menschheit hat es mal wieder versaut: Wettersatelliten, die eigentlich die menschengemachten Klimakatastrophen, wie Hurrikane und Schneestürme hätten verhindern sollen, geraten außer Kontrolle und sorgen überall für Unwetter der allerheftigsten Art. Ein echtes Expertenteam in Sachen Katastrophenfilm sorgt für Popcornkino: David Devlin, Produzent von „Independence Day“, führt hier Regie und der Score kommt von David Arnold, der ebenfalls bei „Independence Day“ das Heft in der Hand hatte. Und zum Soundtrack gehört auch diese überhaupt nicht lebensfrohe Version von „What a wonderful world“.

Independence Day (1997)

20 Jahre alt, aber immer noch die Mutter aller Weltuntergangsfilme. Diesmal sind es noch nicht die Menschen selbst, sondern Außerirdische die alles bedrohen und – man weiß nicht woran es liegt – mal wieder sind es die USA, die das Problem entdecken, in die Hand nehmen und mit markigen Sprüchen und viel Tatkraft lösen (ein Computervirus half auch...). Die Special Effects in „Independence Day“ setzten Maßstäbe für das Genre, dass ja auch eigentlich in dieser Form erst durch die digitalen Effekte geboren wurde. Und David Arnold überzeugte mit einem schönen klassischen, symphonischen Score in wuchtiger Wagner-Tradition…

Mars Attacks (1996)

Schon ein Jahr vor Independence Day fielen die Aliens auf der Erde ein und die Menschheit war bedroht. Aber bei Tim Burton war das alles herrlich schräg. Im starbesetzten Trash-Streifen erkannten zum Schluss u.a. Jack Nicholson (als US-Präsident), Glenn Glose, Sarah Jessica Parker, Christina Applegate, Pierce Brosnan, Tom Jones, Michael J. Fox und Natalie Portman, dass nur eine Waffe taugt, um die Aliens zu besiegen: Jodeln. Der tödliche, die Gehirne der Aliens zum Platzen bringende Jodler stammte von Slim Whitmans und den Rest der Musik machte natürlich Tim Burtons bessere (musikalische) Hälfte Dany Elfman.

The Day after Tomorrow (2004)

Endzeitspezialist Roland Emmerich machte 7 Jahre nach Independence Day nochmal Furore mit einem Katastrophenstreifen. In „The Day after Tomorrow“ bedrohen nicht Aliens die Welt, sondern die Menschen selbst. Die Globale Erwärmung nämlich führt in die apokalyptische Klimakatastrophe, der Golfstrom fällt aus, und anders als bei „Independence Day“ geht’s diesmal nicht gut: fast die ganze Menschheit erfriert. Zu Recht! - will man sagen. Die Musik dazu kam vom österreichischen Komponisten-Duo Thomas Wander und Harald Kloser. Macht schön nervös.

2012 (2009)

Und Roland Emmerich zum Dritten: im Dezember 2012 endete der Maya-Kalender und das deuteten viele als Zeichen, dass die Welt untergehen solle. Im Kino sah das folgendermaßen aus: die Pol-Verschiebung und plötzlicher, massiver Kontinentaldrift leuten die Apokalypse ein. Gut für die Spezialeffekte-Abteilung: das passiert mit zahlreichen Begleiterscheinungen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis. Und auch Wander und Kloser durften noch mal richtig groß aufkochen. 

The Core (2003)

Zugegeben hat „The Core“ eine der unsinnigsten Filmhandlungen aller Zeiten: Der Kern der Erde hört (wegen gefährlicher Versuche mit seismischen Waffen) auf zu rotieren, und um ihn wieder in Gang zu bekommen, wird in ihm mit Atomsprengköpfen rumgeballert. Gute Idee. Die Website intuitor.com bezeichnet den Film ihrer Reihe „Insultingly Stupid Movie Physics“ (‚Beleidigend dumme Filmphysik‘), als den „schlechtesten Physik-Film... aller Zeiten."  Zu Recht. Aber: das altehrwürdige „Lexikon des internationalen Films“ attestierte immerhin „The Core“ sei ein „Fantastischer Katastrophenfilm, der sich durch ein sorgfältig strukturiertes Drehbuch sowie solide Regie- und Darstellerleistungen erfolgreich bemüht, die innere Logik und die Ernsthaftigkeit des Sujet zu wahren.“ Und Christopher Young hat auch echt gute Arbeit geleistet, beim Score zu „The Core“.

Armageddon (1998)

Michael Bays „Armageddon“ ist an hohlem Pathos kaum zu überbieten, die Dialoge sind mäßig und an beknackten Geschlechterklischees mangelt es auch nicht: 11 Männer zerstören mit einem Atomsprengkopf (schon wieder…) einen auf die Erde zu rasenden Asteroiden und retten so die Welt, und eine Frau kommt auch vor. Die ist die Tochter des einen (als prolliger Ölbohr-Experte und Mental-Cowboy Harry Stamper überzeugend: Bruce Willis) und die Geliebte des anderen (Stampers tiefgründiger Mitarbeiter A. J. Frost, mit romantischem Schmelz gemimt vom jugendlichen Ben Affleck) und kann dann um beide bangen. Und das tat Liv Tyler dann auch, und zwar zum Sound eines Songs ihres Vaters Steven. Ohne Neid muss man anerkennen, das der Song so eingängig war, dass er den ganzen Restscore und fast schon den Film überdeckte: Aerosmith gelang mit "I Don't Wanna Miss a Thing" hier ein riesiger Wurf. Die Nummer brachte eine Oscarnominierung und wurde 30 Jahre nach Gründung der Band zur erfolgreichsten Single der Gruppe. Wir erinnern aber auch an den Rest der Musik zum Film.

Melancholia (2012)

So geht's doch auch: Lars von Trier präsentierte ein ähnliches Szenario wie "Armageddon", nur war es diesmal kein Asteroid, sondern gleich ein ganzer Planet der auf die Erde zusteuerte und (zum Glück) gab es bei ihm auch keine 11 Männer, die sich des Problems annahmen, sondern eine depressive Frau, beeindruckend gespielt von Kirsten Dunst, die die bevorstehende Apokalypse regelrecht herbeisehnte. Auch der Soundtrack war von hoher Qualität - natürlich fern jeder Kritik: Richard Wagners Vorspiel zu Tristan und Isolde.

Kommentare (0)

Kommentieren ist nicht mehr möglich.
Zu diesem Inhalt gibt es noch keine Kommentare.

Klicktipps

    AV-Player