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Nouruz – Pessah – Ostern Frühlingsfeste aus drei Kulturen

Nicht nur das christliche Osterfest oder das jüdische Pessach, auch das bunte Holifest in Indien, das Kirschblütenfest in Japan oder das chinesische Neujahrsfest finden im Frühjahr statt. Wie unterscheiden sich die Feste? Welche Musik begleitet sie? Und wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Baum voller Kirschblüten im Frühling | Bildquelle: colourbox.com

Bildquelle: colourbox.com

Im Christentum wie im Judentum liegt eines der Hauptfeste im Frühjahr, am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Das jüdische Pessach erinnert daran, dass Gott das jüdische Volk aus der ägyptischen Sklaverei geführt hat. Das christliche Osterfest geht ursprünglich aus dem Pessachfest hervor und feiert die Auferstehung Jesu Christi. Nouruz heißt das altpersische und kurdische Neujahrs- und Frühlingsfest, das im Iran, in Afghanistan, auf dem Balkan und im Kaukasus den Beginn eines Neuen Jahres markiert. Es ist ein Fest der Schöpfung, des Friedens und des Lichts. Auch im Römischen Reich fielen Neujahrs- und Frühlingsfest zusammen. Nach dem alten römischen Kalender begann das Jahr im März.

Frühlings- und Neujahrsfest: Nourouz

Nourouz - oder auch Newroz - hat seine Wurzeln in der zoroastrischen Kultur Persiens, in der das Feuer eine große Rolle spielte. Tänze um und Sprünge über das Feuer sind in vielen Ländern Teil der Nourouz-Feiern. Wie auch beim jüdischen Pessachfest liegt der Legende nach die Befreiung des kurdischen Volkes durch den Schmied Kawa dem Frühlingsfest zugrunde. Nachdem Kawa den Tyrannen Zahak getötet hatte, entzündete er auf einem Berggipfel ein Feuer zum Zeichen des Sieges. Seither gehört das Newrozfeuer zur kurdischen Tradition.

Die Bedeutung des Lichts

Das Feuer und das Licht sind auch Bestandteile der christlichen Osterfeiern und der Osterliturgie. Dabei wird im "Exsultet", dem große Osterlob, die Bedeutung der Pessachnacht für das Christentum besungen: Ausgehend vom Auszug aus Ägypten wird auf die Auferstehung Christi hingewiesen.

In Irland wird neben dem Osterfest noch ein weiteres mit dem Licht verbundenes Fest gefeiert: Der Brigidsday, der Tag der heiligen Brigitte, die im synkretistischen Sinne der keltischen Göttin Brog entspricht, markiert in Irland den Frühlingsanfang. Und so gibt es auch zu St. Brigid einen Feuerbrauch, der an das rituelle Feuer erinnern soll, um das in vorchristlicher Zeit gesungen wurde.

Und auch im Judentum ist das Entzünden der Kerzen ein ganz essentieller Bestandteil: Am Abend vor dem Sabbat werden die Kerzen kurz vor Einbruch der Dunkelheit angezündet.

Innere und äußere Reinigung

Wie bereiten sich die Menschen auf ihre Feste vor? Sie reinigen sich und ihre Umgebung von außen und innen: Die innere Reinigung wird durch mehrwöchiges Fasten vollzogen. Je nach Religion verzichten die Gläubigen auf Nahrung, Zigaretten, Alkohol und Tanz. In Eritrea und Äthiopien leben die Christen strikt vegan. Musik zum Lobe Gottes ist erlaubt.

Die äußere Reinigung kann einerseits etwas ganz Profanes wie der Frühjahrsputz sein. In der jüdischen Kultur allerdings gilt die Reinigung aufgrund ihres starken liturgischen Hintergrundes als wichtiger Bestandteil des Festablaufs: Zur Vorbereitung des Pessachfestes werden Haus, Autos und Büros gründlich geputzt – vor allem aber die Küche. Der Hintergrund: Die Umgebung soll völlig gereinigt werden von Chamez. Chamez, das ist das Gesäuerte, das fermentierte Getreide. Also alle herkömmlichen Sorten von Gebäck, Nudeln, Pizza oder auch Bier. Denn zu Pessah wird ja an den Auszug aus Ägypten erinnert, und daran, wie schnell alles gehen musste. So schnell, dass der Teig für die Brote nicht fermentieren konnte und man ungesäuertes Brot essen musste. Mazza – ungesäuertes Brot – ist deshalb Bestandteil des Pessah-Mahles. Am Vorabend des Pessachfestes, dem Sederabend, wird die so genannte Haggadah gelesen und gesungen.

Sendung: "Musik der Welt" am 20. April 2019 um 23.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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