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Antonín Dvořák Trio f-Moll, op. 65

Sechs Klaviertrios hat Dvořák geschrieben, doch nur vier davon sind erhalten geblieben. Zwei hat der Komponist selbst vernichtet. Das Trio f-Moll op. 65 aus dem Jahr 1883 ist das ehrgeizigste und strukturell bedeutendste Klaviertrio von Dvořák.

Portrait Antonin Dvorak | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Das starke Stück

Dvorák - Trio f-Moll, op.65

Ein Trio, das schon fast eine Symphonie ist: so dicht, düster und virtuos hatte Dvořák vorher noch nie komponiert. Er hat an diesem Trio über zwei Monate gearbeitet. Im März 1883 entstand die erste Fassung. Dvořák war damit nicht zufrieden - es fehlte ihm Spannung und Dramaturgie. Das Trio wurde gekürzt, umgeschrieben, verdichtet, der zweite und dritte Satz wechselten die Plätze. Das Ergebnis des zähen Ringens war ein außergewöhnliches kammermusikalisches Meisterwerk.

"Ich war schon immer fasziniert von diesem Trio. Es hat ja fast symphonische Länge, es dauert fast 45 Minuten und es steckt einfach so wahnsinnig viel drin an Energie, an Kraft, an Melancholie. Es ist wahnsinnig komplex, alle Stimmen sind gleichberechtigt, jede Stimme wird gebraucht und eingesetzt und hat  ihre Funktion. Der Spannungsreichtum ist wahnsinnig groß. Es geht  von tiefster Niedergeschlagenheit oder Zartheit  bis zu großen Ausbrüchen und da ist jeder gefordert, bis zum äußersten!" (Pianistin Michaela Gelius)

Schwere Zeiten für Dvořák

Das Trio f-Moll entstand in einer düsteren Zeit für Dvořák. Sowohl privat als auch künstlerisch hatte er gerade schwere Monate hinter sich: monatelange Depression nach dem Tod seiner geliebten Mutter im Dezember 1882, Kritik an seiner Oper "Dimitri". Außerdem wollte sich Dvořák aus der Zwangsrolle eines böhmischen Volksmusikers befreien. In dem Trio f-Moll  suchte der Komponist nach neuen Wegen. Mit dem Werk begann eine deutliche Veränderung in Dvořáks Stil: Er ging weg vom tschechischen Liedgut, von der "slawischen Periode" hin zu einer sehr persönlichen, leidenschaftlichen Musiksprache.

Antonín Dvořák und Johannes Brahms

Portrait Johannes Brahms | Bildquelle: picture-alliance/dpa Johannes Brahms | Bildquelle: picture-alliance/dpa Im ersten Satz, einem Allegro von fast symphonischem Ausmaß, sind Dvořáks großes Vorbild Brahms und sein epischer Stil besonders gut zu erkennen. Johannes Brahms förderte seinen tschechischen Kollegen. Er verhalf ihm zu einem Stipendium, machte ihn mit dem Verleger Fitz Simrock bekannt, der seine "Slawischen Tänze" veröffentlichte und damit Dvořák bekannt machte. Zwischen Brahms und Dvořák existierte nicht nur enge Freundschaft, sondern auch gewisse stilistische Nähe, die sich besonders in dem Trio bemerkbar macht. Nach dem monumentalen ersten Satz mit seiner breiten Gefühlspalette von tiefer Melancholie bis hin zu Leidenschaftsausbrüchen, bringt auch der zweite Satz keine Konfliktlösung mit sich. Das nervös pulsierende Scherzo im Stil eines slawischen Tanzes ist die einzige Anspielung auf Dvořáks musikalische Heimat in diesem Werk. Der letzte Gruß sozusagen. Erst im dritten Satz gelangt das Trio zu Ruhe. Der dritte Satz bildet die Herzmitte des ganzen Werkes. Hier lösen sich Schwermut und Melancholie in tiefster Empfindung und Elegie auf. Doch die träumerische Ruhe ist nur vorübergehend. Das Finale ist spannungsgeladen: Aufgewühltheit, innere Wehmut, aggressive Ausbrüche - wieder zeigt sich Dvořák von einer ungewöhnlichen, fast schroffen Seite. Und doch gibt es ein Happy End: Das furiose Finale endet mit einem lebensbejahenden optimistischen Dur - ein strahlender Schlusspunkt nach 45 Minuten des Kampfes, Leidens und Träumens.

Musik-Info

Antonín Dvořák
Trio für Violine, Violoncello und Klavier Nr. 3 f-Moll, op. 65, B 130
Gelius Trio
Label: THOROFON

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