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Tenor Edgaras Montvidas Farbenprächtige Reise ins Mittelalter

Am 31. Januar übernimmt der Tenor Edgaras Montvidas die Titelrolle in Benjamin Godards Oper "Dante". Ein Werk, das lange in der Versenkung verschwunden war, von dem es keine Einspielungen gibt und das nun konzertant aufgeführt wird - mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks.

Tenor Edgaras Montvidas | Bildquelle: Rokas Darulis

Bildquelle: Rokas Darulis

BR-KLASSIK: Edgaras Montvidas, jetzt singen Sie eine unglaublich umfangreiche Partie: und zwar die Partie des Dante aus Benjamin Godards gleichnamiger Oper. Was ist das für eine Partie, wie sieht diese musikalisch aus?

Edgaras Montvidas: Ich habe gerade Werther gesungen und Degrieux in Massenets Manon, ich stecke also ohnehin tief drin im französischen Repertoire. Und da passt der Dante ganz gut dazu. Er ist ein typisches Beispiel für die romantische französische Musik des 19. Jahrhunderts. Ich denke und hoffe natürlich, dass die Rolle ganz gut zu meiner Stimme passt. Es ist wirklich eine ziemlich umfangreiche Rolle. Und eine interessante noch dazu! Mir hat es richtig Freude gemacht, in dem ganzen Material rund um Dantes Göttlicher Komödie herum zu forschen, vieles nachzulesen. Naja und dann ist es immer irgendwie faszinierend eine Rolle in einer Oper zu übernehmen, von der es, soweit ich weiß, keine Aufnahme gibt und die schon ewig nicht mehr aufgeführt wurde. Das ist schon eine unglaublich aufregende Arbeit!

BR-KLASSIK: Das heißt vom Gefühl her kann man es sich ein bisschen wie eine Uraufführung vorstellen, wenn es keine Referenzaufnahme gibt. Das ist ja etwas komplett Neues. Wie fügen sich Orchester und Gesangsstimmen zusammen?

Godard ist unglaublich farbenreich!

Edgaras Montvidas: Ja, sie haben recht, es gibt keine Referenz, keine Bezugsebene zu dieser Oper. Das einzige, womit man sich beschäftigen kann, sind andere Werke von Benjamin Godard, damit man ein Gefühl für seine Klangfarben bekommt. Es hat schon was von Pionierarbeit. Seine Musik erinnert mich an Gounod, Massenet, manchmal auch an die üppige Orchestrierung von Puccini. Er ist unglaublich farbenreich! Ich könnte mir vorstellen, dass die Oper sehr gut auf der Bühne rauskommen würde, in einer szenischen Darbietung. Vielleicht inspiriert unsere Aufführung ja irgendein Opernhaus, den "Dante" in sein Repertoire aufzunehmen …

BR-KLASSIK: Bekommt man Lust, diese Rolle auch zu spielen? Es ist Dantes Göttliche Komödie, da ist eine Menge Stoff, viele Szenenwechsel drin. Es ist konzipiert als Nummernoper.

Tenor Edgaras Montvidas | Bildquelle: Tomas Kauneckas Bildquelle: Tomas Kauneckas Edgaras Montvidas: Nun ja, das Konzept der konzertanten Aufführung einer Oper empfinde ich immer irgendwie als entblößend, man fühlt sich nackt, wenn ich das mal so ausdrücken darf. Weil es ja Bühnenmusik ist. Auf der anderen Seite bietet diese Form auch die Möglichkeit, unbekannte Werke kennenzulernen, gerade im Hinblick auf die musikalische Gestaltung. Es gibt nichts, was das Publikum vom reinen Hören ablenkt, wenn es zum Beispiel eine schlechte Inszenierung ist, wenn die Kostüme nicht passen. Wir haben in einer konzertanten Fassung die unglaubliche Chance, einzig und allein die Musik genießen zu können.

BR-KLASSIK: Auf der anderen Seite ist diese Oper nach der Uraufführung ja ziemlich schnell in der Versenkung verschwunden. Jetzt hat man sie wieder entstaubt. Es hat ja auch einen Grund, weshalb die Oper über Jahrzehnte hinweg nicht aufgeführt wurde. Trägt das denn die Musik über eine so lange Zeit? Ist sie wirklich so packend, dass man dem auch ohne szenischer Darstellung folgen kann und mag?

Es ist schon sehr reizvoll, der Erste zu sein.

Edgaras Montvidas: Für uns alle ist es eine Entdeckung! Nach der ersten gemeinsamen Probe, Sänger mit Orchester und Chor, war ich begeistert und überrascht von den ganzen Klangfarben in der Orchestrierung, wie sich das alles zusammen fügt. Davor, also beim Einstudieren der Rolle, habe ich ja nur die Oper als Klavierbearbeitung kennen gelernt. Es ist schon sehr reizvoll, der Erste zu sein, der diese Oper ans Tageslicht holt!

BR-KLASSIK: Wie haben Sie sich auf diese lange Partie vorbereitet? Im Französischen waren Sie ja durch die anderen Partien, die Sie gesungen haben, schon recht fit. Aber brauchen Sie eine ganz besondere konditionelle Energie, um das durch zu stehen?

Edgaras Montvidas: Ja, es ist schon eine lange Oper, eine Grand Opera mit 4 Akten und Dante ist die zentrale Figur, man muss eine ordentliche Kondition haben, um die Rolle zu stemmen. Aber es geht ja nicht nur um die Noten, man hat eine Menge andere Aufgaben, man muss sich in die Geschichte des Mittelalters hineinfinden, rund um Dantes Göttliche Komödie. Ich habe viele Artikel gelesen, versucht, ein Empfinden für die Zeit zu entwickeln. Und für die musikalische Umsetzung hat jeder Sänger so seine Tricks, um seine Kräfte richtig einzuteilen. Mein Rezept ist da recht simpel: Vergnügen. Es ist ein Vergnügen zu singen, und ich versuche natürlich mein Bestes zu geben!

Das Gespräch führte für BR-KLASSIK Sylvia Schreiber.

Edgaras Montvidas als Dante in Benjamin Godards Oper "Dante"

Sonntag, 31.01.2016, 19.00 Uhr
Prinzregententheater, München
Liveübertragung auf BR-KLASSIK

Mitwirkende:

Véronique Gens, Sopran - Béatrice
Rachel Frenkel, Mezzosopran - Gemma
Diana Axentii, Sopran - Ein Schüler
Edgaras Montvidas, Tenor - Dante
Andrew Lepri Meyer, Tenor - Ein Herold
Jean-François Lapointe, Bariton - Siméone Bardi
Andrew Foster-Williams, Bassbariton - Der Schatten von Virgile (dt.: Vergil) /Ein Greis

Chor des Bayerischen Rundfunks
Einstudierung: Stellario Fagone

Münchner Rundfunkorchester
Dirigent: Ulf Schirmer

Live dabei sein!

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