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Jonas Kaufmann, Wolfgang Koch und Kirill Petrenko "Die Meistersinger" an der Bayerischen Staatsoper

Vor 148 Jahren wurde Richard Wagners Oper "Die Meistersinger" in München uraufgeführt. Am Pfingstmontag kommt die mittlerweile 12. Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper heraus. Regie führt David Bösch, der dem Publikum der Bayerischen Staatsoper durch seine Inszenierungen von "L’elisir d’amore", "Mitridate", dem "Schlauen Füchslein" und "Orfeo" vertraut ist. Die musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Kirill Petrenko.

Impressionen aus "Die Meistersinger von Nürnberg" an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: © Wilfried Hösl

Bildquelle: © Wilfried Hösl

Meistersinger von Nürnberg an der Bayerischen Staatsoper

Ein Vorbericht

"Die Meistersinger" sind das einzige nicht mythologische Werk Richard Wagners - komponiert in Wagners besonders produktiver Münchner Zeit, in der er von König Ludwig II. gefördert und finanziert wurde. Neben dem Diskurs über die Bedeutung von Kunst und Kultur geht es auch um eine Liebesgeschichte: Der junge Walter von Stolzing kommt nach Nürnberg und verliebt sich Hals über Kopf in die Tochter des reichen Veit Pogner. Es ist fast eine "Romeo und Julia auf dem Dorfe"-Geschichte: Die beiden kämpfen gegen Widerstände, wollen fliehen, ihr Glück ist bedroht von den Heiratsplänen, die man für sie schmiedet.

Spielerischer Umgang mit den Figuren

Diese Oper wirft seit fast 150 Jahren spannende Fragen der Kunst auf: Schöpft man aus Regeln, aus Konventionen, oder aus sich selbst, aus der eigenen Fantasie? Wo holt man diese Fantasie eigentlich her? Welchen Stellenwert hat Kunst in der Gesellschaft? Und ist sie für die um Eva, die von ihrem Vater als Siegesprämie des Sängerwettstreits ausgelobt wurde, konkurrierenden Künstler wichtiger als die große romantische Liebe?

Regisseur David Bösch geht es nicht so sehr um eine Reflexion darüber, was mit diesem Stück von Wagner schon alles in der langen Rezeptionsgeschichte gemacht wurde. Er will die Figuren ausloten und ihre Konflikte spürbar machen. Bösch lässt seine Münchner "Meistersinger" in einem tristen, zeitlosen Kosmos spielen: heruntergekommene Betonhäuserblocks, Kostüme und Requisiten sind Fundstücke der Geschichte - von den 50er Jahren bis heute. Hans Sachs zum Beispiel betreibt eine mobile Schusterwerkstatt in einem 60er Jahre Citroën-Kastenwagen. Eine beeengte Kleinstadt-Atmosphäre zu schaffen sei ihm wichtig, so Bösch, ein Gefühl von "jeder kennt jeden und hat seine Meinung über jeden".

Da sind Menschen, die um Anerkennung, um Liebe, um das Richtige für sich kämpfen - und dabei fast alle scheitern.
David Bösch, Regisseur der Meistersinger

Sachs - eine der längsten Opernpartien

Szenischer Chor bei "Die Meistersinger" an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: © Wilfried Hösl David Bösch inszeniert "Die Meistersinger" an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: © Wilfried Hösl Die Rolle des Hans Sachs ist eine der längsten Opernpartien. Allein im 3. Akt singt er fast zwei Stunden durch. Wolfgang Koch, schon seit seiner Schulzeit von diesem Werk fasziniert, ist mit der Rolle sehr vertraut: Sein Debüt als Hans Sachs gab er 2004 in Bielefeld, bis heute hat er sich die Figur in sieben Produktionen erarbeitet. Dadurch und durch seine Lebenserfahrung sei er dem Charakter des Sachs viel nähergekommen als in jungen Jahren, sagt Koch heute. Diese für ihn vielschichtigste Figur der Opernliteratur empfindet Koch als die Traumrolle für jeden Bariton oder Baßbariton.

Es ist ein langes Lied mit großen dramatischen Ausbrüchen, aber auch filigranen Momenten. Diese Vielfältigkeit ist musikalisch unerreicht.
Wolfgang Koch, Bariton

Jonas Kaufmann gibt Rollendebüt

In der Partie des Walter von Stolzing gibt Jonas Kaufmann sein szenisches Rollendebüt. 2006 hat er sie konzertant beim Edinburgh-Festival gesungen. Jetzt kommt er als eine Art Singer-Songwriter vom Land daher: In cooler schwarzer Lederjacke, T-Shirt und Jeans, um die städtischen Gepflogenheiten durcheinanderzubringen.

Kirill Petrenko gibt Gas

Gut viereinhalb Stunden sind die "Meistersinger" lang, und die Ouvertüre kann von neun bis 14 Minuten dauern - wie bei Knappertsbusch. Die musikalische Leitung für die Münchner Premiere übernimmt Generalmusikdirektor Kirill Petrenko. Er will der Oper das falsche Pathos und die musikalische Schwere früherer Interpretationen nehmen - so sein erklärtes Ziel - und das Komödiantische freilegen. Also drückt er aufs Tempo: In der Orchesterhauptprobe benötigte er für das Vorspiel nur knapp neun Minuten.

"Die Meistersinger von Nürnberg" an der Bayerischen Staatsoper

Neuproduktion

Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: David Bösch

Premiere am Montag, den 16. Mai 2016
Beginn: 16.00 Uhr
Nationaltheater

Weitere Vorstellungen: 22./ 26. /29. Mai, 04. Juni, 28./ 31. Juli, 30. September

Die Premiere wird live auf BR-KLASSIK übertragen - Sie können den Termin hier in Ihrem Kalender speichern.

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