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Salzburger Festspiele

20. Juli bis 30. August 2018

Eröffnung der Salzburger Festspiele Ouverture Spirituelle mit Messiaen und Haydn

Auch in diesem Jahr wurde der Salzburger Festspielsommer mit der sogenannten "Ouverture spirituelle" eröffnet, einer Konzertserie, die der ehemalige Festspielintendant Alexander Pereira 2012 initiiert hat und sein Nachfolger Markus Hinterhäuser in seinem ersten Jahrgang fortführt. So steht vor der ersten Opernpremiere der Festspiele zunächst die Sakralmusik im Zentrum.

Ouverture spirituelle bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Andreas Kolarik

Bildquelle: © Salzburger Festspiele / Andreas Kolarik

Es war ein fulminanter, ein besonderer Konzert-Auftakt am 22. Juli, ein Statement für eine neue Festspielära. Während die Ouverture Spirituelle bisher immer mit Haydns "Schöpfung" in unterschiedlichen Interpretationen eröffnet wurde, stand jetzt Olivier Messiaens groß angelegtes Werk "La Transfiguration de notre Seigneur Jésus Christ" auf dem Programm. Es ist ein Stück für zehnstimmigen gemischten Chor, sieben Instrumentalsolisten und großes Orchester, das Messiaen in den Jahren 1965 bis 1969 für eine riesige, mit ausdifferenziertem Schlagwerk und Soloklavier konzipierte Orchesterbesetzung und über 90 Chorsänger komponiert hat. Vorneweg war György Ligetis etwa zehnminütiges Chorwerk "Lux aeterna" von 1966 zu hören, das fast nahtlos zu Messiaens Opus magnum überleitete.

Beide Stücke sind in den 1960er Jahren entstanden, beide  kreisen um eine transzendente Idee: das überirdische Licht. Bei Ligeti ist es das Ewige Licht, das den Toten im Jenseits leuchten soll; in Messiaens Stück ist es der Leib Christi selbst, der vor den Augen seiner Jünger hell zu strahlen beginnt. Der Messiaen-Kenner Kent Nagano dirigierte Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks. Wie sich im atmosphärisch blau ausgeleuchteten Raum der Felsenreitschule Messiaens Musik mit ausdifferenziertem Klang auffächerte, der immer wieder kulminierte und am Ende der jeweils siebenteiligen Abschnitte in Choräle mündete, war rundum beeindruckend, schlichtweg grandios.   

Religiöser Stoff für kleinere Besetzungen

Kompositionen mit religiösem Hintergrund für kleinere Besetzungen wie etwa Streichquartett und Klavierduo waren am Montag, 24. Juli in drei Konzerten zu erleben. Spannend die Konzertdramaturgien: Haydns Quartettkomposition "Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze", packend interpretiert vom Cuarteto Casals, trifft im Mozarteum auf Messiaens "Visions de l´Amen" für zwei Klaviere, das Klangforum Wien unter der Leitung von Emilio Pomàrico spielt Gérard Griseys "Quatre Chants pour franchir le seuil" und begegnet den fast schon jenseitig anmutenden, nach wie vor sehr homogen singenden Tallis Scholars unter ihrem Gründer Peter Philips mit Messekompositionen von Johannes Ockeghem und Josquin Desprez.

Wie Festspielintendant Markus Hinterhäuser mit Pianist Igor Levit zusammen Messiaens rhythmisch wie klanglich horrend anspruchsvolle "Visions" für zwei Klaviere meistert, ist mehr als beachtlich. Vom Publikum werden beide Musiker dann auch tüchtig beklatscht und gefeiert, wobei nicht zu überhören ist, dass Markus Hinterhäuser damit auch Zuspruch für seine Festspielplanung entgegennehmen kann.

Musikalische Verklärung

Wiener Klassik und klassische Moderne, Musik aus dem 15. und 16. Jahrhundert und aus der Gegenwart - diese Gegenüberstellungen unter dem Motto "Transfiguration" gehen wunderbar auf, zumal ausgezeichnete Interpreten in den Konzerten aufeinander treffen und im besten Sinne musikalisch "verklärend" wirken. Das macht kein saisonal planender Konzertveranstalter. So können und so sollen Festspieldramaturgien sein!

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